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Rettung für die "Georg Büchner"?

von Michael Fengler
Das 154 Meter lange Schiff "Georg Büchner" im Hafen von Rostock. © picture-alliance ZB Fotograf: picture-alliance ZB Bis November Deutschlands einzige schwimmende Jugendherberge und außerdem ein Stück Kolonialgeschichte: die "Georg Büchner" im Rostocker Hafen.

Die "Georg Büchner" ist so etwas wie ein Wahrzeichen des Rostocker Stadthafens. 1967 wurde das einst im Kolonialverkehr zwischen Belgien und dem Kongo eingesetzte Schiff an die DDR verkauft. Seit 1977 liegt es in der Hansestadt. Bis November wurden ein Hotel und eine Jugendherberge auf dem 154 Meter langen Schiff betrieben. Doch nun droht der "Georg Büchner" die Verschrottung im litauischen Klaipeda, weil der Trägerverein kein Geld mehr für die Erhaltung hat. In letzter Sekunde könnte es aber Rettung geben - aus Belgien. Verschiedene Initiativen in Antwerpen versuchen, das Schiff doch noch zu erhalten.

Ein Schiff mit (Kolonial-)Geschichte

Geert de Vriese ist einer der potenziellen Retter. Der Antwerpener Lotse beschäftigt sich hobbymäßig mit Seefahrtsgeschichte: "Antwerpen ist einer der weltweit wichtigsten Häfen. Wir haben schon immer von einem Hochseeschiff geträumt. Aber das Antwerpener Stadtparlament hat sich dafür noch nicht begeistert", sagt de Vriese, der früher einmal Kadett auf einem Schwesterschiff der "Büchner" war. Denn als "Charlesville" fuhr sie ab 1952 zunächst als Kolonialdampfer zwischen Belgien und dem Kongo. Verkauft 1967 war sie dann im Zeichen des Sozialismus für die DDR unterwegs. "Die 'Büchner' zeigt auch die Kolonialgeschichte. Das Schiff ist einzigartig, denn es war gleichzeitig Passagier- und Frachtschiff. Sie ist das letzte Schiff ihrer Art", sagt de Vriese.

Hin und her zwischen Rostock und Antwerpen

Der Rostocker Hafenkapitän Gisbert Ruhnke versuchte, die "Büchner" wiederholt zum Erhalt nach Antwerpen abzugeben. "Ab Juni dieses Jahres: ständig Kontakt, E-Mails jede Woche hin und her und Telefonate geführt und immer wieder Angebote gemacht. Wir wollten hinfahren, die Antwerpener wollten kommen. Zum Schluss sah es für uns so aus, als sollten wir vertröstet werden", erklärt Ruhnke. Die flandrische Vereinigung für Seefahrtsgeschichte wollte die "Büchner" retten, entgegnet de Vriese. Erst vor Kurzem habe sich ein Sponsor bereit erklärt, Geld dafür zu geben. "Wir waren in Kontakt mit Helge Seifert, der für einen privaten Sponsor vermittelt. Aber wenn wir über die Rettung der 'Büchner' sprechen, geht es um Millionen. Das entscheidet man nicht über Nacht", so der Lotse weiter.

Delegation im Anmarsch

Fünf Millionen Euro sind nötig, um das Schiff zu erhalten. Der Schrottpreis liegt bei mindestens einer halben Million Euro. "Weil aus Antwerpen nichts mehr kam, haben wir entsprechende Angebote eingeholt und einen entsprechenden Kontrakt geschlossen", erklärt Hafenkapitän Ruhnke. Jetzt steht die Verschrottung an. Das hat in Belgien wiederum den Druck erhöht.

Hoffen bis zuletzt

In der nächsten Woche kommt eine Delegation aus Antwerpen. Hoffnung auf Rettung ruht auf dem neuen Bürgermeister der Stadt. "Das wäre ein Wunder. Aber wenn's möglich wäre, wär's der schönste Tag meines Lebens", sagt de Vriese. Am 10. Januar soll die "Georg Büchner" nach Litauen geschleppt werden. Dort warten die Schneidbrenner - oder die Rettung findet doch noch statt. Denn nach Informationen von NDR Radio MV wollen belgische Seefahrtsexperten das Schiff dem litauischen Schrottverwerter abkaufen.

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