Verkehrsmeldungen aus Hamburg
Staus, Baustellen, Gefahrenhinweise - die aktuelle Verkehrslage mehr
Die Polizei nahm 30 Randalierer fest, hielt sich aber insgesamt zurück.
Die Ausschreitungen nach dem Hamburger Schanzenfest sind diesmal nicht so drastisch ausgefallen wie befürchtet. Aus der Politik ist das Echo für den Einsatz der Polizei deshalb überwiegend positiv. Innensenator Michael Neumann (SPD) verurteilte die Krawalle und lobte die "hervorragende Einsatztaktik" der Polizei. Mit einem "Mix aus Besonnenheit und konsequentem Eingreifen" sei es den Beamten gelungen, größere Eskalationen zu verhindern. Die SPD-Innenpolitikerin Juliane Timmermann lobte Anwohner, die selbst eingriffen, um Randale zu verhindern. Ihr CDU-Kollege Kai Voet van Vormizeele sieht die Ausweisung eines Gefahrengebiets als Schlüssel zum Erfolg. Auch Christiane Schneider von der Linkspartei zeigte sich beeindruckt von der gelassenen Polizeitaktik.
Dagegen kritisiert Antje Möller von der GAL die Polizeigewerkschaften, die im Vorfeld die Stimmung angeheizt hätten. Ein Vorwurf, den der Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Joachim Lenders, zurückweist. Denn offensichtlich gehörten Ausschreitungen immer noch zum Schanzenfest dazu. Für Uwe Koßel, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), ist die Mischung aus Zurückhaltung und schnellem Eingreifen der richtige Weg. Ähnlich sieht es André Schulz vom Bund Deutscher Kriminalbeamter. Er lobt Polizeipräsident Werner Jantosch und Einsatzleiter Peter Born für die differenzierte Taktik. Die Polizei hatte sich während des Schanzenfestes deutlich zurückgehalten. 2.100 Polizisten waren im Einsatz.
Bei den Ausschreitungen nach dem friedlichen Schanzenfest waren in der Nacht zum Sonntag nach Angaben der Polizei zwei Polizisten verletzt worden. 30 Randalierer wurden festgenommen, zehn kamen in Polizeigewahrsam. Zuvor hatten am Sonnabend rund 10.000 Menschen - laut Veranstalter so viele wie nie zuvor - im Schanzenviertel ohne Zwischenfälle gefeiert.
In den späten Abendstunden kippte die Stimmung dann: Gegen 22.30 Uhr warfen laut Polizei zunächst einige Jugendliche vor dem linksalternativen Szenetreff Rote Flora Böller und zündeten Müllsäcke auf der Straße an. Passanten löschten das Feuer zunächst, Unbekannte entfachten es jedoch wieder, indem sie Sperrmüll in die Flammen warfen. Wenig später versuchten mehrere vermummte Randalierer, mit einem Rammbock und einem Hammer die Türen und Scheiben der Hamburger-Sparkassen-Filiale am Schulterblatt einzuschlagen. Außerdem legten sie Feuer im Eingangsbereich.
Bis zum Angriff auf die Bank-Filiale hatte sich die Polizei zurückgehalten und keine Präsenz gezeigt. Als die Beamten schließlich anrückten, wurden sie mit Flaschen und Steinen und Knallkörpern beworfen. Daraufhin kamen Wasserwerfer zum Einsatz, die die Feuer löschten und die Menge auseinandertrieben. Insgesamt befanden sich zu dieser Zeit noch mehrere Tausend Menschen auf der Straße. Bis in die frühen Morgenstunden kam es immer wieder zu Rangeleien zwischen Randalierern und Polizei. Vier Einsatzwagen wurden beschädigt, in der Virchowstraße setzten Unbekannte einen Pkw in Brand.
Das Quartier war für die Zeit von Sonnabend, 23 Uhr, bis Sonntagmorgen, 5 Uhr, zum "Gefahrengebiet" erklärt worden. In dem so ausgewiesenen Bereich waren Personenkontrollen auch ohne Verdachtsmoment möglich und Platzverweise leichter zu erteilen. Die Gefahrengebiet-Regelung galt im Schanzenviertel und den umliegenden Straßenzügen (siehe Karte unten).
Alljährlich gibt es in der Nacht nach dem Schanzenfest rund um die Rote Flora Straßenschlachten zwischen Polizei und Randalierern. Im vergangenen Jahr waren 42 Personen festgenommen und mindestens 14 Menschen bei den Ausschreitungen verletzt worden.
Hamburgs DPolG-Chef Lenders hatte im Vorfeld der diesjährigen Veranstaltung gesagt, die Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Einrichtung eines Gefahrengebietes eine wirksame Maßnahme gegen mögliche Ausschreitungen sei. Für die Nacht zum 1. Mai, in der es ebenfalls traditionell zu Randale im Schanzenviertel kommt, hatte die Polizei eine positive Bilanz gezogen, nachdem im Vorfeld ein Gefahrengebiet eingerichtet worden war.
Die Hamburger Polizei wurde nach Angaben von Lenders unter anderem von Einheiten aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen unterstützt. Nach Schätzungen der Polizeigewerkschaft kostete der gesamte Polizeieinsatz rund um das Schanzenfest rund 750.000 Euro. Die Summe beinhalte unter anderem die Kosten für die Unterbringung und Verpflegung der zusätzlich angeforderten Einsatzkräfte aus anderen Bundesländern sowie die Kosten für die Überstunden der Hamburger Polizisten.