Stand: 16.11.2012 16:00 Uhr  | Archiv

Wie sinnvoll sind Sterbegeld-Versicherungen?

von Christian Erber, NDR Info
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Die Kosten für eine Beerdigung können je nach Bestattungsart sehr unterschiedlich sein.

Wenn man älter wird, beschäftigt man sich schon mal mit Fragen wie: "Wie möchte ich eigentlich beerdigt werden?" oder "Werden meine Rücklagen für ein Begräbnis ausreichen?". Die Versicherungsbranche hat die - wie sie behauptet - passende Lösung: Sterbegeld-Policen, die beim Tod für die Bestattungskosten aufkommen sollen.

Edith Kollmann war Anfang 50 als sie eine Sterbegeld-Versicherung abschloss. Aus Motiven, die viele Deutsche in diesem Alter haben: "Weil ich alleinstehend bin und eine kleine Rente bekomme. Ich wollte nicht, dass meine Kinder dafür sorgen, dass ich nachher unter die Erde komme", sagt sie.

Das Tabuthema Tod

Mit den Angehörigen über den Tod zu sprechen, gehört zu den Tabuthemen hierzulande. Das wissen auch die Versicherer, die derlei Ängste in Werbespots gezielt aufgreifen: "Die Sterbegeld-Versicherung ist eine notwendige Absicherung für die Bestattungskosten und sorgt dafür, dass ihr letzter Wunsch auch finanziell in Erfüllung gehen kann", so lautet eine Werbebotschaft.

In eine Sterbegeldpolice zahlt man üblicherweise bis zum 85. Lebensjahr ein, danach endet die Einzahlphase. Stirbt der Versicherte, erhalten Familienangehörige oder ein Bestattunsunternehmer das angesparte Kapital, um das Begräbnis zu bezahlen.

Verbraucherschützer raten ab

Verbraucherschützer sehen solche Verträge allerdings sehr kritisch: "Wir raten generell von dieser Kombination Sparen und Risikoabsicherung ab, weil man darin ganz wunderbar ganz viele Kosten verstecken kann. Wenn man sich mal genau anguckt, was in diesen Vertrag eingezahlt wird und was am Ende heraus kommt, macht man selten einen guten Schnitt", sagt die Versicherungsgexpertin der Hamburger Verbraucherzentrale, Kerstin Becker-Eiselen. Außerdem müsse man üblicherweise nach Vertragsabschluss zwischen einem und drei Jahre warten, ehe die Versicherung zahlt.

"Geld besser sparen"

Wer vorzeitig kündigt, müsse sich meist mit einem Bruchteil der eingezahlten Summe zufriedengeben. Auch Hajo Köster vom Bund der Versicherten rät dazu, Alternativen zu prüfen: "Wenn man etwas Geld auf der Kante hat, kann man doch davon etwas zur Seite legen, in ein Sparbuch packen, den Kindern geben oder der Verwandschaft und sagen: 'Bitte sorge dafür, dass ich unter die Erde komme.' Das ist allemal besser und wesentlich kostengünstiger als eine Sterbegeld-Versicherung."

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft weist darauf hin, dass eine Sterbegeld-Versicherung vor allem für den Fall gedacht ist, dass der Versicherte bereits einige Jahre nach Vertragsabschluss stirbt. Nur auf die Rendite nach Ende der Einzahlphase zu schauen, sei irreführend.

Edith Kollmann bereut ihre Entscheidung dennoch bis heute. Nach Vertragsabschluss hörte sie 20 Jahre lang nichts von ihrer Versicherung. Als sie dann eine Benachrichtigung des Versicherers mit der angesparten Summe erhielt, war sie ernüchtert. Ihr Begräbnis hätte sie davon nicht finanzieren können. Sie kündigte den Vertrag. Ihr Fazit lautet: "Sehr ärgerlich, denn das Geld, das ich da bekommen habe, habe ich jetzt bei der Sparkasse festgelegt. Also muss ich wieder ganz von vorne anfangen."

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NDR Info | 20.11.2012 | 06:00 Uhr

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