Sendedatum: 17.10.2011 20:15 Uhr  | Archiv

Lohnt sich der Gebrauch von Einweg-Putztüchern?

von Annette Niemeyer / Verena von Ondarza

Ob fürs Fenster, für den Boden oder für den Küchentisch - für immer mehr Bereiche im Haushalt gibt es feuchte Einwegtücher zum Putzen. Und immer mehr Haushalte setzen sie ein. 13,6 Millionen Packungen wurden allein in den vergangenen zwölf Monaten verkauft. Dabei ist ihr Einsatz ganz schön teuer.

Den Boden putzen - am besten mit Feudel

Fast dreißig Cent zahlt man für ein "Swiffer Wet"-Reinigungstuch zum Wischen des Fußbodens. Zum Vergleich: Das Wischen mit einer Lauge aus Allzweckreiniger und fünf Litern warmen Wassers kostet etwa neun Cent. Damit ist das Wischen mit dem "Swiffer Wet"-Tuch drei Mal so teuer wie die klassische Reinigung mit Feudel oder Wischmop. Dabei lässt die Reinigungswirkung zu wünschen übrig. Für Markt hat Nicole Beck, Sachverständige für das Gebäudereinigerhandwerk, eine Stichprobe gemacht. Wir haben einen großen Fleck aus Cola und Theaterstaub drei Stunden lang eintrocknen lassen. Das Swiffer-Tuch ist gegen solch massiven Dreck machtlos. Nachdem es den Dreck anfänglich zum Teil löst, verteilt es ihn am Ende nur über den Boden.

Hygienisches Putzen mit einem Wisch?

Insbesondere für die Toilette hält die Gebäudereinigermeisterin Nicole Beck feuchte Tücher für ungeeignet. Hygienisch sauber soll sie werden, mit nur einmaligem Wischen. Das behaupten die Hersteller jedenfalls in der Werbung. Nicole Beck hält es für unmöglich, ein WC mit einem feuchten Tuch hygienisch zu reinigen. Denn mit dem Tuch könne man höchstens Oberflächen wie die Toilettenbrille abwischen. Unter den Rand, wo man sonst mit WC-Reiniger und Klobürste reinigt, komme man mit den feuchten Tüchern gar nicht hin.

Fenster besser mit Seifenlauge putzen

Die Fensterreinigungstücher sind nur auf den ersten Blick günstig. Ein Tuch kostet sieben Cent. Wasser mit Reinigungsmittel kostet etwa 12 Cent. Allerdings benötigt Nicole Beck für ein großes Fenster 16 feuchte Tücher. Mit ihrer Reinigungslauge kann sie hingegen mindesten zehn Fenster putzen. Das macht die Feuchttücher mehr als hundertmal so teuer wie die konventionelle Reinigung.

Auf Kosten des Geldbeutels und der Umwelt

Aber es gibt noch ein weiteres Problem: Die Tücher sind nicht nur für die Verbraucher teuer, sondern gehen auch zulasten der Umwelt. Da ist zunächst einmal die immer gleiche Menge an Reinigungsmitteln, die in den Tüchern enthalten ist. Dabei kann man leichte Verschmutzung oft auch nur mit Wasser und Lappen beseitigen. Außerdem werden zur Herstellung der Tücher viele Rohstoffe, Energie und Wasser benötigt. Das sei eine unnötige Ressourcenverschwendung, meint Benjamin Bongardt vom NABU Deutschland. Das Label "sustainable-cleaning.com" (nachhaltiges Reinigen) könne über diesen Nachteil für die Umwelt nicht hinwegtäuschen. Es weise lediglich darauf hin, dass sich der Hersteller an einer Initiative zum nachhaltigen Handeln beteiligt. Das Siegel sage dagegen nichts darüber aus, ob das Produkt umweltfreundlich ist.

Fazit: Nachhaltig putzen lässt sich mit feuchten Einwegtüchern nicht. Nachhaltig profitieren nur die Hersteller, die immer mehr dieser Wegwerftücher verkaufen.

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Markt | 17.10.2011 | 20:15 Uhr

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