Stand: 07.09.2012 18:58 Uhr

Warum wertvoller Müll verbrannt wird

Bild vergrößern
Wir sortieren und sortieren - nur damit am Ende doch alles zusammen verbrannt wird? Ganz so schlimm ist es nicht. Aber erstaunlich viel Müll wird doch "thermisch verwertet".

Seit mehr als 20 Jahren trennen wir in Deutschland unseren Müll. Keine ganz leichte Aufgabe. Sechs Sorten Abfall müssen auseinandersortiert werden: Papier, Bio- und Restmüll, Kunststoffe, Metall und Flaschen. Die Idee dahinter ist, einen perfekten Kreislauf zu installieren: etwa von Altpapier, aus dem wieder neues Papier wird oder von Verpackungen, aus denen immer wieder neue Verpackungen werden. Was ist daraus geworden? Die Abfallmenge wird nicht weniger - im Gegenteil: Sie steigt weiter an. Außerdem erhöhen sich durch die getrennte Abholung der verschiedenen Müllsorten auch die Transportkosten und die Umweltbelastung. Im Schnitt reist zum Beispiel der Verpackungsmüll 300 Kilometer durch Deutschland, bevor er endgültig verwertet wird.

16 Materialsorten in der Gelben Tonne

Der Inhalt der gelben Wertstoffsammlung stellt eine der größten Herausforderungen für alle Beteiligten dar. Die Bürger wissen oft immer noch nicht genau, was alles in die Gelbe Tonne darf und was nicht. Deshalb, und weil sie es vielleicht auch nicht so genau nehmen, landet darin auch Abfall, der gar nicht hineingehört. Schon die richtig einsortierten Wertstoffe liefern 16 verschiedene Materialsorten: Weißbleche etwa, Aluminium, Verbundstoffe wie Tetra-Verpackungen, vor allem aber Kunststoffe - Hartkunststoffe, Polyethylen, Polypropylen, Polystyrol - sowie Weichkunststoffe und Folien.

Beispiel Hamburg: Was kommt in welche Tonne?
Abfall für die Wertstoffsammlung - Gelber Sack /TonneAbfall für die BiotonneAbfall für die Papiertonne
FolienverpackungenObst- und GemüseresteUmschläge und Zettel
Tüten, starke FolienKaffeefilterPapiertüten
Becher, PlastikflaschenTeebeutelProspekte, Kataloge
Plastikeimer und -töpfegekochte EssensrestePappkartons
Konservendosen und TubenMilchprodukteEierkartons aus Pappe
Töpfe, Pfannen und WerkzeugEierschalenZeitungen und Zeitschriften
Saft- und MilchkartonsPflanzenabfällePapierrollen (von Toilettenpapier und Küchentüchern)
KinderspielzeugBrot und BrötchenBücher

Quelle der Angaben: Hamburger Stadtreinigung.

Manche davon sind für Sortier-Maschinen schwer zu erkennen und werden noch von Menschenhand getrennt. Die Reinheit der aussortierten Kunststoffe muss möglichst hoch sein, damit sie in die Weiterverarbeitung gehen können. Doch gerade der Materialmix von Kunststoffen bereitet Anlagen-Kontrolleuren immer wieder Kopfzerbrechen. Die Verpackungsindustrie bleibt davon unbeeindruckt und produziert immer buntere, auffälligere und kompliziertere Verpackungen. Denn die Werbe-Strategen interessiert wenig, was am Ende aus der Verpackung wird, Hauptsache, sie fällt dem Kunden ins Auge.

Wertstoffe werden häufig verbrannt und nicht recycelt

Komplizierte Kunststoff-Verpackungen, die oft auch mit giftigen Zusatzstoffen versehen sind, erschweren aber das Recycling. Aus alten Verpackungen können so kaum noch neue entstehen. Echtes Recycling sähe anders aus. Die Produkte, die aus alten Wertstoffen hergestellt werden, sind oft minderwertiger, als das Ausgangsmaterial.

Down-, Re- und Upcycling

Mit Recycling ist die stoffliche Wiederverwendung und Verwertung von Abfällen gemeint. Durch Wiederaufarbeitung der daraus gewonnenen Rohstoffe können neue Produkte hergestellt werden. Damit sollen Ressourcen geschont werden.

Downcycling bezeichnet den Umstand, dass wiederverwendete Rohstoffe häufig nur zu minderwertigeren Produkten verarbeitet werden. Bei jedem Recyclingvorgang verringert sich ihre Qualität. Vieles, was als Recycling bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit ein Downcycling, etwa wenn aus Leichtverpackungen Parkbänke hergestellt werden.

Beim Upcycling werden Gegenstände und Materialien so umgearbeitet, dass sie eine andere Funktion bekommen und so weitergenutzt werden können. Aus Upcycling-Prozessen gehen vor allem Lifestyle- und Designprodukte hervor - wie etwa Taschen aus Lkw-Planen.

Doch diese Wertstoffe brennen gut, deshalb ist die Alternative zum Recyceln die sogenannte thermische Verwertung - sprich Verbrennung. In die Öfen von Müllverbrennungsanlagen wandern neben Restmüll und Verbund-Verpackungen auch Spielzeuge, Baumarktprodukte sowie Möbel. Daraus werden etwa Fernwärme für Wohngebiete, Dampf für die Industrie und Strom sowie weitere Produkte gewonnen - kurz: aus Müll wird Geld.

Gut sortierter Restmüll brennt nicht gut

Das Geschäft mit der Müllverbrennung läuft derzeit richtig gut. In ganz Deutschland beginnen sich die Investitionen in Müllverbrennungsanlagen zu rechnen: Mit jedem Jahr, die die Anlagen in Betrieb sind, fallen immer größere Gewinne an. Deshalb werden sie weiter gefüttert, obwohl in Deutschland gar nicht ausreichend Müll anfällt. So muss der Brennstoff Müll sogar aus dem Ausland herbeigeschafft werden. Was da nicht gut ins laufende Geschäft passt, ist Müll, der nicht gut brennt: gut sortierter Restmüll. Erst wenn noch Papier und Kunststoffe beigemengt sind, brennt der Abfall. Eine Ausnahmeregelung im Abfallgesetz macht es möglich: Besonders energiereicher Abfall muss nicht recycelt, sondern kann ebenso gut verbrannt werden.

Es ist in Deutschland, dem angeblichen Recycling-Weltmeister, also erlaubt, Verpackungen mit giftigen Zusatzstoffen zu produzieren und sie am Ende als Abgase in die Luft zu blasen.

Die Müllverbrennung ist einfach ein zu gutes Geschäft für klamme Kommunen und gewinnorientierte Privatunternehmen.

Dieses Thema im Programm:

45 Min | 21.01.2013 | 22:00 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/muell179.html