Sendedatum: 07.04.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Wenn die Versicherung nicht zahlt

von Rainer Müller-Delin
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Wenn es um viel Geld geht, kommt es häufig zum Streit mit der Versicherung.

Der Fall scheint klar, und doch lehnt die Versicherung die Regulierung eines Schadens ab. Wie im Fall von Angela K. aus Worpswede bei Bremen: Weil der Monteur einer Heizungsfirma eine Verpuffung in der Heizungsanlage verursachte, war die gesamte Wohnung mit Rußpartikeln überzogen. Die Wohnung ist unbewohnbar, sodass Angela K. in eine Ferienwohnung ziehen muss. Doch die Haftpflichtversicherung der Heizungsfirma weigert sich, für den Schaden aufzukommen.

Ablehnen, hinhalten, zermürben

Viele Versicherungen lehnen die Regulierung schon unmittelbar nach der Schadensmeldung strikt ab. Oft trauen sich Versicherte dann nicht, ihren Anspruch durchzusetzen, sagt die Hamburger Versicherungsexpertin Kerstin Becker-Eiselen. Und das wissen die Versicherungen. Eine andere beliebte Taktik: Die Schadensregulierung zieht sich ohne ersichtlichen Grund in die Länge. Im Fall von Angela K. dauert es zehn Wochen.

Versicherungsexperten wie der Rechtsanwalt Volker Ingenhoven sprechen von einer Zermürbungstaktik: Die Kunden würden sich schließlich auf einen Kompromiss einlassen, den ihnen die Versicherung aufdrängt. Denn nur die wenigsten Kunden lassen es auf eine Klage ankommen.

Gutachten aus Gefälligkeit

Bei größeren Schäden schickten Versicherungen einen Gutachter. Bei Angela K. geht es um fast 5.000 Euro für die Reinigung der Möbel und 2.000 Euro Miete für die Ferienwohnung. Aufgrund eines Gutachtens lehnt die Haftpflichtversicherung der Heizungsfirma die Regulierung ab. Begründung: Dem Monteur könne kein Fehlverhalten vorgeworfen werden.

In einigen Fällen handelt es sich um Gefälligkeitsgutachten im Sinne der Versicherung. Der Bund der Versicherten kennt Beispiele, in denen ein Gutachter pro Jahr 1.800 Fälle für Versicherungen prüft. "Diese sehr hohe Zahl überrascht nicht nur, sondern macht deutlich, dass keine ausreichende sachverständige Begutachtung stattgefunden haben kann", heißt es beim Bund der Versicherten.

Tipps: So kommen Sie an Ihr Geld

  • Schadenshergang sachlich schildern

    Schildern Sie der Versicherung den Schadenshergang schriftlich. Bleiben Sie dabei so sachlich und objektiv wie möglich. Der Geschädigte muss nachweisen, wie hoch der entstandene Schaden ist. Die Versicherung darf aber keine zu hohen Anforderungen an die Beweisführung stellen.

  • Angemessene Frist setzen

    Setzen Sie eine Frist, bis wann die Versicherung den Schaden zu begleichen hat. In der Praxis hat sich eine Frist von zwei bis drei Wochen bewährt. Die Versicherung muss genug Zeit haben, den Fall zu prüfen.

  • Einschreiben mit Rückschein

    Schicken Sie die Schilderung per Einschreiben mit Rückschein an die Versicherung. Nur so haben Sie den Beweis, dass Sie den Brief tatsächlich abgeschickt haben und dass er angekommen ist.

  • Erste Mahnung

    Erhalten Sie mit Ablauf der Frist keine Antwort, erinnern Sie die Versicherung schriftlich daran, ihren Fall zu prüfen - am besten wieder per Einschreiben mit Rückschein.

  • Schlichtung im Streifall

    Kommt es zu keiner Einigung mit der Versicherung, lassen Sie den Fall zunächst von einem Rechtsanwalt oder einer Verbraucherzentrale prüfen. Anschließend können Sie (kostenlos) Beschwerde beim Ombudsmann für Versicherungen einreichen.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 07.04.2014 | 20:15 Uhr