Stand: 27.09.2013 15:50 Uhr  | Archiv

Was bringen Zahnzusatzversicherungen?

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Seit 2005 müssen Patienten für viele Behandlungsleistungen ihres Zahnarztes privat aufkommen.

Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) zahlen ihren Mitgliedern seit 2005 für Zahnbehandlungen nur noch sogenannte befundbezogene Festzuschüsse. Allein bis September 2011 konnten private Krankenversicherer daher gut 13 Millionen Zahnzusatzversicherungen verkaufen. Lohnt sich der Abschluss einer solchen Versicherung wirklich?

Versicherte müssen hohen Eigenanteil zahlen

Die GKV übernimmt von den Zahnarztkosten lediglich den "befundbasierten Festzuschuss". Das sind bei einer Regelversorgung mindestens 50 Prozent der Kosten. Geht ein Patient allerdings regelmäßig zur Vorsorge und lässt das in einem Bonus-Heft dokumentierten, sind auch bis zu 65 Prozent Kostenübernahme möglich. Bei finanziellen Härtefällen kann es sein, dass auch ein doppelter Festzuschuss gezahlt wird, wenn das monatliche Bruttoeinkommen unter bestimmten Grenzen liegt. In den meisten Fällen bleibt für die Patienten aber ein Eigenanteil übrig. Diese Differenzkosten zwischen dem Festzuschuss-Betrag und der Gesamtsumme für die Behandlungsleistung müssen privat gezahlt werden.

Expertin: "Günstiger Vertrag bedeutet meist schlechte Leistungen"

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"Es gibt keinen Versicherer, der 100 Prozent der Kosten tatsächlich übernimmt", sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten.

Die privaten Krankenversicherer versprechen den Patienten, genau für diesen privaten Anteil aufzukommen. Die Tarife, für die eine Zahnzusatzversicherung zu haben ist, haben eine große Spannbreite. Manche Verträge werden schon für wenige Euro angeboten. Andere dagegen können sogar mehr als 30 Euro im Monat kosten. Die  Versicherungsexpertin Bianca Boss vom Bund der Versicherten rät: "Wenn man so eine Versicherung abschließt, sollte man sich nicht vom Beitrag leiten lassen. Denn ein günstiger Beitrag bedeutet meist auch schlechte Leistungen."

Kostenübernahme: 100 Prozent wovon?

Wie viel eine Zahnzusatzversicherung leistet, zeigt sich unter anderem daran, wie hoch der Prozentsatz ist, den sie zu übernehmen verspricht. Versicherungen verheißen in der Werbung eine "optimale Versorgung" oder die "beste Absicherung". Manche Versicherungen versprechen sogar "hundertprozentige Erstattung". Bianca Boss warnt jedoch: "Selbst wenn Krankenversicherer sagen: 'Wir erstatten 100 Prozent', ist die Frage, worauf sich diese 100 Prozent beziehen."

  • Variante 1: Zahnzusatzversicherung verspricht etwa: 'Wir erstatten 100 Prozent der Regelversorung durch die gesetzliche Krankenversicherung.' Der private Versicherer übernimmt aber nicht den gesamten restlichen Rechnungsbetrag, nach Abzug der Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), wie viele Versicherungsnehmer denken. Von der privaten Zusatzversicherung wird lediglich ein Rechnungsanteil in derselben Höhe wie der der GKV gezahlt. Patienten müssen also nach wie vor einen Eigenanteil zahlen.

  • Variante 2: Eine Zahnzusatzversicherung verspricht 80 oder gar 90 Prozent des gesamten Eigenanteils (Rechnungsbetrag) zu erstatten. Trotzdem bleibt dem Patienten ein privat zu bezahlender Anteil - dieser kann aber wesentlich geringer sein als bei Variante 1.

Wie gut eine Zahnzusatzversicherung wirklich ist, zeigt sich daran, ob sie auch dann hohe Erstattungssummen verspricht, wenn der Eigenanteil auf mehrere hundert oder sogar einige tausend Euro steigt. Dazu kommt es, wenn ein Patient höherwertigen Zahnersatz wie beispielsweise Implantate bekommen soll oder möchte.

Wer eine Zahnzusatzversicherung abschließt, sollte Folgendes wissen, gibt Versicherungsexpertin Bianca Boss zu bedenken: "Es gibt keinen Versicherer, der 100 Prozent der Kosten tatsächlich übernimmt."

Dieses Thema im Programm:

Markt | 15.03.2010 | 20:15 Uhr