Stand: 26.09.2014 12:27 Uhr  | Archiv

Was bringen Wasserfilter für Trinkwasser?

von Nadine Becker

Wasserfilter für Leitungswasser sind beliebt. Die Geräte sollen meist den Kalkgehalt im Trinkwasser reduzieren und Keime filtern. Doch eine Untersuchung von Markt hat ergeben: Bei einigen Modellen war das Wasser schlechter als vorher.

Wie gut sind Wasserfilter?

Dreimal so viele Keime wie im Trinkwasser erlaubt

In einer Stichprobe hat Markt vier handelsübliche Wasserfilter untersuchen lassen:

  • Tischfilter Brita Elemaris Cool
  • Tischfilter BWT Penguin 2,7 l
  • Einbaufilter Amway eSpring
  • Samsung-Filter "HAFEX/Exp" zum Anschluss an Kühlschränke mit Wasserspender

Dabei wurde das Wasser jeweils vor und nach dem Filtern von einem Labor untersucht. Bei drei Geräten war das Wasser nach dem Filtern stärker mit Keimen belastet: Bei den Filtern von Samsung und Amway stieg die Keimzahl nur in geringem Maße. Bei BWT war sie nach dem Filter dreimal so hoch wie es nach der Trinkwasserverordnung erlaubt wäre.

Keime vermehren sich auf feuchter Aktivkohle

Umweltexperte Dirk Petersen nennt einen möglichen Grund für die Verunreinigung: Im Filter fließe das Wasser über Aktivkohle. Auf deren Oberfläche könnten sich Keime ansiedeln: "Im feuchten Milieu können sie sich wunderbar vermehren und vom Filter in das Wasser abgegeben werden." Auf Anfrage von Markt schreibt der Hersteller BWT, es handele sich nicht um krankmachende Keime. Amway beteuert, der Filter gebe keine zusätzlichen Keime in das Trinkwasser. Samsung gibt keine Stellungnahme ab.

Zwei Filter gaben Silber ans Trinkwasser ab

Die Tischfilter von Brita und BWT haben im Praxistest Silber an das gefilterte Wasser abgegeben. Das Schwermetall wird häufig eingesetzt, um eine Verkeimung der Wasserfilter zu verhindern. Umweltexperte Dirk Petersen hält die Verwendung von Silber aber für fragwürdig: "Silber hat im Wasser nichts zu suchen", sagt er. Die Firma Brita schreibt, ihrem Wasserfilter sei eine Gebrauchsanweisung beigefügt, in der auf die Abgabe von Silber hingewiesen wird. Bei dem von uns getesteten Exemplar, war dies nicht der Fall. Die Hersteller schreiben, die geringen Silbermengen im gefilterten Wasser seien gesundheitlich unbedenklich.

Leitungswasser hat meist eine gute Qualität

Leitungswasser ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland. Es unterliegt den strengen Regularien der Trinkwasserverordnung und wird mehrmals täglich in den örtlichen Wasserwerken überprüft. Umweltexperte Dirk Petersen: "Das deutsche Trinkwasser hat eine hervorragende Qualität". Wasserfilter seien deshalb meist unnötig. Durch die Filter steige auch der Preis pro Liter erheblich: "Das Hamburger Leitungswasser kostet durchschnittlich 0,5 Cent pro Liter". Berücksichtige man die Anschaffungskosten und das Verbrauchsmaterial des Filters, seien es bis zu 16 Cent pro Liter.

Wasserqualität prüfen lassen

Sollte die Leitungswasserqualität doch nicht einwandfrei sein, liegt die Ursache dafür meistens auf dem eigenen Grundstück. Denn ab dem Grundstückseingang sind Eigentümer und Vermieter selbst für ihre Leitungen verantwortlich. Durch veraltete Rohre kann es passieren, dass Kupfer und Blei in das Leitungswasser geraten. Laut Trinkwasserverordnung muss der Bleigehalt unter 0,01 Milligramm, der Kupfergehalt unter zwei Milligramm pro Liter liegen. Sollten Verbraucher in ihrem Leitungswasser eine Verunreinigung vermuten, können sie eine Probe von ihrem örtlichen Wasserversorger oder privaten Laboren untersuchen lassen (Kosten: circa 30 Euro). Außerdem ist es sinnvoll, das Wasser nicht längere Zeit in der Leitung stehen zu lassen, sondern es frisch ablaufen zu lassen.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 29.09.2014 | 20:15 Uhr