Stand: 29.07.2013 09:44 Uhr  | Archiv

Tomatenernte: Schuften für einen Cent pro Kilo

Ohne Tomatensugo ist eine Pizza keine Pizza. Die Früchte für die industrielle Produktion stammen oft aus Italien oder auch Spanien. Für Tiefkühlpizza ist passiertes Tomatenfleisch unerlässlich. Aber: Wer pflückt eigentlich die Tomaten, die viele Pizza-Hersteller in Deutschland verwenden? Und vor allem: zu welchen Bedingungen?

Den Arbeitern fehlt es an fast allem

Eines der Haupt-Anbauländer ist Italien. Für ihre Dokumentation "Deutschland, Deine Pizza", sind die Autoren in die Region um die Stadt Foggia in den Süden Italiens gefahren. Mitarbeiter der Gewerkschaft "Federazione Lavoratori Agroindustria" (Verband der Arbeiterschaft in der Agrarindustrie) kümmern sich um Erntehelfer, die auf den Tomatenfeldern arbeiten.

Sie kommen aus Bulgarien, Rumänien und verschiedenen Ländern Afrikas, auch Italiener sind dabei. "Eigentlich fehlt es ihnen an allem: Sie haben keinen Arbeitsvertrag, sie bekommen keinen vernünftigen Lohn, sie sind abhängig von ihren Vorarbeitern", so fasst Daniele Calamita, der Vorsitzende der örtlichen Gewerkschaftsgruppe, die Lage zusammen.

Ein einziger Cent für ein gepflücktes Kilo

Karte: Tomatenanbaugebiet im Süden Italiens

"Nach dem regulären Vertrag soll ein Arbeiter am Tag 48 Euro verdienen, für sechseinhalb Stunden", sagt Calamita. "Meistens wird aber nach Akkord abgerechnet, nach Kisten. Die Leute bekommen drei Euro für eine Kiste mit 300 Kilo Tomaten. Dafür braucht ein normaler Arbeiter eine Stunde. Er verdient also drei Euro die Stunde. Um 30 Euro mit nach Hause zu nehmen, müssen sie zehn Stunden arbeiten." Das macht pro gepflücktes Kilo Tomaten ein Cent Lohn.

Die italienischen Arbeiter bekommen etwas mehr - aber auch nur 40 Euro pro Tag, wie sie erzählen. Selbst das ist vielen Bauern noch zu teuer. Deshalb heuern sie lieber illegale Einwanderer aus Afrika oder Osteuropa an. Diese arbeiten für noch weniger Lohn. Einer der Arbeiter empört sich über die Lage: "Die Ausländer hier sind Sklaven. Ihre Situation ist sehr schlecht. Die italienische Regierung muss etwas tun. Wenn sie das nicht schafft, müssen die anderen Länder in Europa eingreifen. Wir sind doch in der Europäischen Union."

Erntehelfer: Illegal, ausgebeutet, gestrandet

Dieses Thema im Programm:

45 Min | 18.08.2013 | 22:00 Uhr

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