Stand: 06.04.2016 16:17 Uhr  | Archiv

Tipps zur Geldanlage bei niedrigen Zinsen

von Julia Becker

Während Sparer an den niedrigen Zinsen verzweifeln, sehen viele angehende Hausbauer in ihnen eine große Chance. Doch welche Entscheidungen sind in der aktuellen Niedrigzins-Phase richtig, welche falsch? Wichtige Tipps der Verbraucherzentrale Hamburg zum Sparen, zur Rente, zum Haus- und Ratenkauf im Überblick.

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Das Sparschwein bringt garantiert null Prozent Zinsen.

Für Menschen, die ihr Geld klassisch auf dem Sparbuch oder -konto angelegt haben, sind die aktuellen Konditionen nicht gerade gewinnbringend. Die Zinsen sind auf einem Rekordtief und die Verbraucher bekommen für ihre Einlagen bei den Banken nur noch Erträge, die gegen null tendieren. Auch auf die Altersvorsorge wirken sich die extrem niedrigen Zinsen negativ aus. Es gibt aber auch positive Effekte: Manche Menschen sehen in ihnen eine Chance, sich endlich ihren Lebenstraum verwirklichen zu können - beispielsweise vom Eigenheim. Noch nie war es so günstig, so scheint es, sich Geld bei der Bank zu leihen.

Doch ist es wirklich für jeden sinnvoll und ratsam, trotz der niedrigen Zinsen einen Kredit aufzunehmen? Und was können Sparer tun, um doch noch auf ihre Kosten zu kommen? Die wichtigsten Tipps der Verbraucherzentrale im Überblick:

Sparen

  • Sparbuch und Festgeld: Auch in Niedrigzinszeiten machen Verbraucher beim Sparen mit Tages- oder Festgeld, Sparbuch, Sparbrief oder Banksparplänen keine Fehler - hier ist das Geld immerhin sicher. Aber: Liegen die Zinsen für die Bankeinlagen unter der Inflationsrate, sollte der Kunde handeln, denn es schmälert die Kaufkraft seines Ersparten. In Zeiten absoluter Zinsflaute ist das zwar nicht unbedingt einfach, aber wenn man über den Tellerrand der eigenen Hausbank hinausblickt, kann es durchaus gelingen. Es gibt Anbieter, die Tagesgeldkonten mit 1 Prozent und Festgeld mit bis zu 1,5 Prozent verzinsen. So können Verbraucher wenigstens die Inflationsrate ausgleichen.

  • Aktienfonds: Wenn Verbraucher bereits eine größere Summe - etwa im Wert eines Autos - als Festgeld angelegt haben und das Risiko nicht scheuen, kommen auch Aktienfonds mit der Option auf eine höhere Rendite als Sparform in Betracht. Empfehlenswert sind Indexfonds (ETFs), weil sie den Börsentrend abbilden und ein breit gestreutes Risiko haben. Weitere Vorteile: Es gibt keinen Ausgabeaufschlag und die Verwaltungskosten sind gering. Allerdings sollten Verbraucher hierfür Geduld mitbringen und auf das Geld für einen längeren Zeitraum verzichten können.

  • Versteckte Kosten: Für die Verwaltung des Geldes verlangen die Geldinstitute oft ein Entgelt, etwa für Kontoführung, Depotkosten, Ausgabeaufschlag, Verwaltungskosten oder Provisionen. Das kann die Rendite schmälern. Der Verbraucher sollte also bei sämtlichen Finanzprodukten sehr genau auf die Kosten achten und sich den preiswertesten Anbieter heraussuchen. Achtung: Manche Kosten werden nicht offengelegt, also sollten Kunden ausdrücklich danach fragen.

  • Risiken streuen: Risiken sollten möglichst über verschiedene Anlageformen gestreut werden. Der Kunde sollte auf Flexibilität und versteckte Kosten achten und nur solche Finanzprodukte abschließen, die er tatsächlich verstanden hat.

  • Windige Versprechen: Niemandem vertrauen, der hohe Renditen oder Steuervorteile ins Blaue hinein verspricht. Hohe Renditen gibt es nur im Doppelpack mit einem hohen Verlustrisiko. Und viele Anlageberater locken ihre Opfer mit angeblichen Steuervorteilen ins finanzielle Verderben.

Altersvorsorge

  • Riester-Rente und Banksparplan: Die Riester-Rente ist nur dann sinnvoll, wenn der richtige Vertrag abgeschlossen und die staatliche Förderung wirklich genutzt wird. Mit einem Banksparplan für Sicherheitsliebende oder einem Fondssparplan für risikofreudigere Anleger lassen sich auch heute gute Rücklagen zur Altersvorsorge bilden. Verbraucher sollten darauf achten, dass sie mindestens vier Prozent ihres Einkommens einzahlen, erst dann schöpfen sie die volle staatliche Förderung aus.

  • Kapitallebensversicherung: Nur, weil ein Finanzprodukt eine lange Laufzeit hat, ist es nicht besser für die Altersvorsorge geeignet. So bieten sich beispielsweise Kapitallebens- und private Rentenversicherungen eher nicht an, um fürs Alter vorzusorgen. Sie haben viel zu lange Laufzeiten, das Abbruchrisiko ist hoch und die Rendite mager. Ein hoher Anteil des Ersparten geht außerdem für (versteckte) Verwaltungskosten drauf. Auch mit Tagesgeld, Festgeld oder Sparbriefen können Anleger langfristig etwas für ihren Ruhestand beiseite legen - und zwar ohne die genannten Nachteile.

  • Alte Verträge prüfen: Verbraucher sollten ihre bestehenden Verträge auf den Prüfstand stellen. Fakt ist, in Niedrigzinszeiten wird die private Altersvorsorge weniger einbringen als angenommen. Sollte sich eine Versorgungslücke auftun, muss nachgebessert werden.

Hauskauf

  • Eigenkapital: Das Eigenkapital des potenziellen Hausbauers sollte zwanzig Prozent des Kaufpreises und idealerweise sämtliche Nebenkosten betragen - noch mehr ist noch besser. Gesparte Zinsen sind die beste Geldanlage.

  • Zusätzliche Kosten: Verbraucher sollten alle Erwerbsnebenkosten ermitteln - etwa Notarkosten, Maklerprovision, Grunderwerbssteuer. Gleiches gilt für die Kosten eines eventuellen Renovierungs-/Sanierungsbedarfs. Beide Punkte sollten bei der Kalkulation vollständig angesetzt werden.

  • Höhe der Belastung: Die Belastung durch Zinsen und Tilgung sollte durchgerechnet werden. Eine durchschnittliche Rate soll vier Prozent in der Regel nicht unterschreiten - mehr ist besser. Aber der Kunde sollte mit der Belastung immer auch in einem "bequemen" Bereich bleiben. Das heißt: Die Raten sollten nicht mehr als vierzig Prozent, besser maximal dreißig Prozent vom Nettoeinkommen betragen. Wenn am Jahresende Geld übrig ist, können Hauskäufer es in eine Sondertilgung stecken.

  • Zuschüsse vom Staat: Es lohnt sich eine Prüfung, ob und welche Zuschüsse vom Staat in Betracht kommen, etwa für Familien, energetisches Bauen oder Sanieren. Förderung gibt es beispielsweise von der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) sowie regional bei der IFB (Hamburg), IB (Schleswig-Holstein) oder NBank (Niedersachsen).

  • Kombi-Produkte: Kombi-Modelle oder komplizierte Finanzierungen sollten Interessenten meiden. Kombi-Modelle mit Bausparverträgen oder Lebensversicherungen rechnen sich in der Regel nicht. Kunden sollten nur das unterschreiben, was sie verstehen. Komplizierte Konstrukte mit vielen Verträgen und verschiedenen Laufzeiten können später zu Problemen führen.

Ratenkauf

  • Null-Prozent-Finanzierung: Hände weg von "Null-Prozent-Finanzierungen". Geschenkt bekommen Kunden nichts - stattdessen sind die Produktpreise oft entsprechend höher kalkuliert. Ein Blick auf die Preise der Konkurrenz ist ratsam. Da der Kunde auch hier einen Darlehensvertrag mit einem Kreditinstitut abschließt, kann es bei Zahlungsverzug teuer werden. Es sollte geprüft werden, ob nicht doch versteckte Kosten im Vertrag enthalten sind.

  • Verständliche Verträge: Der Verbraucher sollte prüfen, ob sämtliche Bedingungen des Ratenkredits klar und verständlich aus dem Vertrag ersichtlich sind. Hierzu gehören die Höhe der Monatsraten, die Laufzeit, die Zinshöhe, der Brutto-Darlehensbetrag sowie eventuelle Restschuld- oder Ratenschutzversicherungen. Der Vertrag sollte auf alle Kosten hin überprüft werden.

  • Effektiver Jahreszins: Für Kunden ist der effektive Jahreszins entscheidend - dies ist der Preis des Kredites, anhand dessen die Angebote verschiedener Banken und Sparkassen miteinander verglichen werden können.

  • Selbstüberschätzung: Der Verbraucher sollte prüfen, ob er die monatlichen Raten auch wirklich bis zum Ende der Laufzeit aufbringen kann. Gibt es eine hohe Schlussrate? Die Kreditraten sollten bei den Haushaltsausgaben mit eingerechnet werden.

  • Versicherungen: Restschuldversicherungen, Kreditausfallversicherungen oder Ratenschutzversicherungen sind nicht empfehlenswert. Sie verteuern den Kredit ebenfalls nur unnötig. Kunden sollten sich außerdem nicht noch andere Verträge wie Versicherungen oder Bausparverträge aufschwatzen lassen.

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