Sendedatum: 28.07.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Sonnencreme greift Autolack an

von Verena von Ondarza
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Bei Hitze kann sich Sonnencreme im Autolack festbrennen. Der Schaden lässt sich nur durch eine Neulackierung beheben.

Milchige Flecken, Abdrücke von Fingern oder Handballen: Viele Autofahrer wundern sich im Sommer über Flecken auf dem Autolack, die sich nicht mehr entfernen lassen. Die Ursache: Sonnencreme wandert unter die obersten Lackschichten und setzt sich dort fest. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung im Auftrag von Markt. Fast alle Automarken sind betroffen.

Wissenschaftler der Fachhochschule Niederrhein in Krefeld haben verschiedene Sonnencremes auf einem Standardautolack aufgetragen und anschließend Wärme und UV-Strahlung ausgesetzt. Das Ergebnis: Jede Sonnencreme hat im Lack Spuren hinterlassen. "Am massivsten waren die Schäden bei Wärme. Wir haben 70 bis 80 Grad gewählt, weil das bei einem dunklen Auto in der Sonne durchaus vorkommen kann. Die Sonnencreme ist ähnlich wie auf der Haut in den Lack eingedrungen. Der Lack quillt auf und es entstehen dicke Runzeln auf der Oberfläche", warnt Professor Thomas Brock von der Fachhochschule Krefeld.

Problem schon seit Jahren bekannt

Besonders brisant: Der Automobilindustrie ist das Problem seit Jahren bekannt. Schon in einem VW-Dokument aus dem Jahr 2008 wird der Schaden so beschrieben: "Teilweise sind Finger- und Handballenabdrücke sichtbar." Und: "Diese Verfärbungen sind durch Anschleifen, Polieren und auch durch Erwärmen nicht zu entfernen."

Auf Anfrage von Markt gibt der Verband der Automobilindustrie (VDA) zu: "Dieser Effekt tritt bei allen Cremes auf, somit auch bei Sonnencremes. Das Öl in der Creme verhindert an warmen Tagen das Verdampfen des Schweißes, der bei der Berührung des Autos dann in den Autolack dringt. Die Autohersteller weisen ihre Kunden in den Bedienungsanleitungen grundsätzlich darauf hin, dass Verunreinigungen, wie auch Sonnencreme, schnellstmöglich entfernt werden sollten."

Keine Garantie für Lackschäden durch Sonnencreme

Praktisch für die Automobilindustrie: Lackschäden durch Sonnencreme sind von der Garantie ausgeschlossen, kritisiert der Autojournalist und Maschinenbau-Ingenieur Andreas Keßler: "Offenbar hat die Industrie erkannt, dass chemische Beschädigungen der Lackoberfläche häufiger auftreten. Und was tut sie? Sie ändert nicht etwa die Lackqualität, sondern die allgemeinen Garantiebedingungen."

Wer sich also eingecremt hat, sollte besonders an heißen Tagen darauf achten, mit den Händen keinen Fettfilm auf dem Auto zu hinterlassen. Sind die Flecken erst als milchige Spuren im Lack sichtbar, kann es teuer werden. Dann sind Teile der Creme in den Lack gewandert. Hier hilft oft nur noch eine professionelle Aufbereitung oder Neulackierung.

Die Stellungnahmen der Sonnencreme-Hersteller

  • Aldi (Sonnencreme Ombra)

    "Wir schätzen die Relevanz des Themas aufgrund der sehr deutlichen Reklamationsstatistik als gering ein. Sollten jedoch bei Verbrauchern eventuelle Schäden am Autolack nachweislich in Verbindung mit Ombra-Sonnenschutzmitteln auftreten, wird sich die Reklamationsabteilung unseres Lieferanten selbstverständlich dieses Themas annehmen."

  • Alverde Naturkosmetik

    "Ihr Testergebnis (...) deckt sich nicht mit unseren Erkenntnissen. Aufgrund der Natrue-Zertifizierung sind in den Produkten ausschließlich pflanzliche Öle und Fette sowie mineralische UV-Filter in Form von Titandioxid enthalten. Es sind lediglich leichte weiße Rückstände zu erwarten (...). In der Regel lässt sich dies, ähnlich wie alle Schmutzreste auch, wieder vollständig durch Politur entfernen."

  • Ladival

    "Zu Schutzeigenschaften von Auto- oder anderen Lacken können wir uns nicht äußern."

  • Nivea

    "Oberflächliche weiße Flecken auf Autolacken könnten möglicherweise durch die in Sonnencremes enthaltenen Öle und Emulgatoren hervorgerufen werden. Soweit wir informiert sind, führen die Automobilindustrie bzw. deren Zulieferer mit jedem eingesetzten Lack umfangreiche Tests mit verschiedensten Substanzen Nahrungsmittel, Kosmetika, Öle & Fette...) durch. Insgesamt haben wir in Deutschland in den letzten drei Jahren acht Hinweise auf Lackverfärbungen erhalten. Sonnenschutzprodukte werden ständig weiterentwickelt, wobei der Schutz des Verbrauchers vor den schädlichen Folgen von UV-Strahlung im Vordergrund steht."

  • Rossmann

    "Weder sind uns diesbezügliche Reklamationen bekannt, noch haben unsere Hersteller Daten zur nicht bestimmungsgemäßen Verwendung von Sonnenschutzmitteln erhoben (Ausnahme Materialien, die in direktem Kontakt stehen, d.h. Textilien). Grundsätzlich sind alle kosmetischen Erzeugnisse (Cremes, Öle, Fette) nicht zur Wagenpflege bestimmt, lassen sich aber mit einer Autowäsche wieder entfernen."

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Markt | 28.07.2014 | 20:15 Uhr