Sendedatum: 21.07.2014 20:15 Uhr

Plastikteilchen in Lebensmitteln gefunden

von Heike Dittmers
Bild vergrößern
In 19 Honigen wurden Plastikfragmente gefunden, in vier Proben außerdem Plastikkügelchen.

Honig und Trinkwasser sind teilweise durch mikroskopisch kleine Plastikkugeln verunreinigt. Es besteht der Verdacht, dass diese auch aus Pflegeprodukten wie Duschgelen, Peelingcremes oder Zahnpasta stammen können. Das sogenannte Mikroplastik gelangt über das Abwasser in die Umwelt und verteilt sich dort. Experimente an Miesmuscheln haben gezeigt, dass die Partikel sich im Gewebe einlagern. Dort bildeten sich anschließend Entzündungen.

In diesen Pflegeprodukten steckt Mikroplastik

Mikroplastik reinigt mechanisch

Die zumeist aus Polyethylen hergestellten Mikroplastik-Teilchen sollen den Pflegeprodukten zu einem mechanischen Reinigungseffekt verhelfen. Unter anderem werden die Mikroplastik-Teilchen in Pflegemitteln mit Peelingeffekt und speziellen Zahncremes eingesetzt. Bei manchen Produkten beträgt der Anteil der Plastikkügelchen am Gesamtinhalt bis zu zehn Prozent.

 

Weitere Informationen
mit Video

Mikroplastik in Mineralwasser und Bier

Bier und Mineralwasser sind teilweise mit mikroskopisch kleinen Plastikfasern verunreinigt. Das ergab eine Untersuchung von Proben der meistverkauften Marken in Deutschland. mehr

Experte: Plastikteilchen auch in der Luft

Bild vergrößern
Professor Liebzeit fordert, den Einsatz von Plastikkügelchen in Pflegeprodukten zu verbieten.

"Wir können davon ausgehen, dass das Mikroplastik überall in der Atmosphäre zu finden ist", sagt Gerd Liebezeit, emeritierter Professor am Institut für Chemie und Biologie des Meeres der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg. Die Vermutung: Das Plastik gelangt über die Luft auch in Lebensmittel. Der Wissenschaftler hat in 19 untersuchten Honigen Fasern und Plastikfragmente gefunden, in vier Proben befanden sich außerdem Plastikkügelchen. Auch in Regenwasser ist Plastikmaterial entdeckt worden, wie es in Kosmetika verwendet wird. Professor Liebezeit fordert deshalb: "Die Verwendung von Plastikteilchen in Kosmetik- und Reinigungsprodukten sollte verboten werden."

Hersteller wollen künftig auf Mikroplastik verzichten

Das Bundesumweltministerium erklärte auf Anfrage, dass bereits Forschungsaufträge vergeben worden seien, die Auswirkungen des Mikroplastiks auf die Umwelt untersuchen sollen. Die Behörde erklärte weiter, dass es eines freiwilligen zeitnahen Ausstiegs aus der Verwendung von Mikroplastik bedürfe. Die mit den Recherchen von Markt konfrontierten Hersteller der Pflegemittel räumten einen Handlungsbedarf ein. Sie kündigten an, in naher Zukunft auf den Einsatz von Plastik in ihren Produkten verzichten zu wollen. Der Hersteller AOK verzichtet inzwischen in seinem Seesand-Peeling auf Mikroplastik. Auf der Liste der Inhaltsstoffe steht jetzt Silica, eine Art Sand. Und auch Elmex ersetzt inzwischen Mikroplastik in der Zahncreme durch Silicia.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 21.07.2014 | 20:15 Uhr