Sendedatum: 02.06.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Mikroplastik in Mineralwasser und Bier

von Heike Dittmers

Mineralwasser und Biere sind teilweise mit mikroskopisch kleinen Fasern aus Plastik verunreinigt. Nach Recherchen von Markt besteht der Verdacht, dass diese Fasern von Textilien aus sogenanntem Fleece-Material stammen können. Die Plastikfasern können beim Waschen über das Abwasser in die Umwelt gelangen. Dort verteilen sie sich und können vermutlich im Zusammenhang mit der Produktion in die Getränke gelangen. Bei den analysierten Mineralwassern und Bieren handelt es sich um die in Deutschland meistverkauften Marken. Alle enthielten Mikroplastik.

In diesen Produkten steckt Mikroplastik

Gefahr für den Menschen?

Verunreinigungen mit Mikroplastik sind ein generelles Umweltproblem. "Wir haben das synthetische Material weiträumig festgestellt, nicht nur in Lebensmitteln, sondern auch in der Luft", sagt Professor Gerd Liebezeit. "Mikroplastik stellt auch für uns Menschen früher oder später eine Gefahr dar", sagt Professor Stephan Pflugmacher Lima, Ökotoxikologe vom Institut für Ökologie der Technischen Universität Berlin. Seine Experimente mit Muscheln haben gezeigt, dass Mikroplastik-Fasern sich im Gewebe anreichern. In hohen Konzentrationen könne dies sogar zum Tod der Tiere führen. Ob Mikroplastik auch für Menschen gefährlich sein kann, ist wissenschaftlich derzeit nicht bewiesen.

Bundesministerien halten sich für nicht zuständig

Sowohl das Bundesumweltministerium als auch das Bundesministerium für Ernährung erklärten auf Anfrage von Markt, für die Problematik nicht zuständig zu sein - und verwiesen jeweils auf das andere Ressort.

Hersteller streiten Vorwürfe ab

DerDeutsche Brauer-Bund antwortet Markt: "Ihre Anfrage an verschiedene Brauereien hatten diese zum Anlass genommen, ihrerseits bei mehreren renommierten unabhängigen Instituten wie etwa der TU München eingehende Untersuchungen in Auftrag zu geben. Diese eingehenden und aufwändigen, mehrtägigen Untersuchungen weisen nach, dass sich in den vom NDR untersuchten Bieren, aber auch in dem zum Brauen verwendeten Wasser keinerlei Mikroplastikfasern finden ließen. Aus diesem Grund weisen wir die von Ihnen getroffenen Aussagen erneut entschieden zurück."

Die Mineralwasser-Hersteller äußerten sich ähnlich. Ihre genauen Untersuchungsmethoden legten sie gegenüber Markt nicht offen.

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Markt | 02.06.2014 | 20:15 Uhr