Stand: 07.06.2015 10:00 Uhr

Küchenmesser: So tricksen manche Hersteller

von Julia Offen

Beim Messerkauf greifen viele Verbraucher gern zu Markenprodukten aus deutscher Herstellung, weil sie eine besonders gute Qualität erwarten. Doch bei Küchenmessern ist die Qualität nicht immer so gut wie angegeben und die Werbung "Made in Germany" stimmt auch nicht immer. Markt hat sieben Messer im Labor untersuchen lassen (Preise im Online-Shop des Herstellers):

  • Fissler Passion für 82,50 Euro
  • Fissler Signum Cut für 119 Euro
  • KHG Messerblock für 19 Euro (gekauft bei Möbel Höffner)
  • WMF Classic Line für 29,95 Euro
  • WMF Spitzenklasse plus für 74,95 Euro
  • Zwilling Twin Point für 29,95 Euro
  • Zwilling Twin Profection für 99,95 Euro

Messerklingen im Labortest

Gute Klingen bleiben lange scharf und rosten nicht

Die Qualität eines Messers hängt vor allem vom verwendeten Stahl und von der Verarbeitung ab. Für Markt hat die amtliche Materialprüfungsanstalt in Bremen die chemische Zusammensetzung des Klingenstahls untersucht. Sie gibt Aufschluss darüber, wie lange die Klinge nach dem ersten Gebrauch scharf bleibt ("Schnitthaltigkeit") und wie widerstandsfähig sie gegen Rost ist:

  • Die Schnitthaltigkeit hängt vor allem davon ab, wie viel Kohlenstoff dem Stahl zugefügt wurde. Je schnitthaltiger ein Messer ist, umso länger dauert es, bis die Klinge nachgeschärft werden muss.
  • Für die Rostbeständigkeit der Klinge sorgt vor allem das chemische Element Chrom.

Bei Küchenmessern wird häufig der Stahl "X50CrMoV15" verwendet - häufig zu erkennen am Aufdruck auf der Klinge. Das X steht für die Art der Legierung, die 50 für einen Kohlenstoffanteil von 0,50 Prozent und die 15 für einen Chromgehalt von 15 Prozent. Molybdän ("Mo") und Vanadium ("V") machen die Klingen beständiger gegen Rost.

Tipps für den Messerkauf

  • Griff: Die richtige Form

    Der Griff sollte ausreichend lang und in der Mitte etwas dicker sein. Ein nach unten gebogenes Ende verhindert, dass die Hand beim Schneiden abrutscht. Probieren Sie am besten im Laden aus, welches Messer am besten in Ihrer Hand liegt.

  • Griff: Das richtige Material

    Kunststoff ist robuster als Holz und bleibt durch seine glatte, verschlossene Oberfläche auch nach Jahren hygienisch rein.

  • Klinge: Das richtige Material

    Edelstahl ist unempfindlich, scharf und praktisch rostfrei. Normaler Stahl ist härter und bleibt länger scharf, rostet aber. Klingen aus Keramik sind rostfrei und extrem scharf, können aber leicht brechen. 

  • Klinge: Kante schützt vor Verletzungen

    Bei einigen Messern wird die Klinge in Richtung Griff dicker und bildet eine Schutzkante ("Kropf") gegen das Abrutschen der Finger.

  • Klinge: Verlängerung sorgt für Stabilität

    Oft wird die Klinge teilweise von zwei Griffhälften und Nieten zusammengehalten. Die Verlängerung der Klinge in den Griff ("Erl") sorgt für Stabilität.

  • Klinge: Die richtige Spitze

    Universell einsetzbar sind Klingen mit leicht gekrümmter und spitz zulaufender Schneide.

  • Die richtige Verarbeitung

    Alle Teile des Messers sollten so zusammengesetzt sein, dass keine Spalten zu sehen sind. Darin könnten sich im Laufe der Zeit Bakterien einnisten.

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Labor: Qualitätsmängel bei untersuchten Fissler-Messern

Der Kochgeschirr-Hersteller Fissler verkauft Messer der Premiumserie "Passion" unter falscher Qualitätskennzeichnung. Die im Labor untersuchten Messerklingen mit dem Aufdruck "X50CrMoV15" entsprechen nicht der Qualitätsstufe. Sie enthalten weniger Kohlenstoff und weniger Chrom, es wurde weder Molybdän noch Vanadium zulegiert. Damit erfüllen die Klingen nur die Anforderungen der Qualitätsstufe "X39Cr13".

Deshalb wirft die Wettbewerbszentrale Hamburg dem Traditionsunternehmen einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht vor und hat aufgrund der Markt Recherchen ein Verfahren gegen das Unternehmen eingeleitet. "Der Verbraucher wird in die Irre geführt über ein wesentliches Produktmerkmal. Und das ist lauterkeitsrechtlich verboten", kritisiert Peter Brammen von der Wettbewerbszentrale in Hamburg.

Messer aus China mit "Made in Germany" beworben

Die Messer-Serie "Signum Cut" von Fissler wurde in einer Hamburger Karstadt-Filiale offensiv mit "Made in Germany" beworben, obwohl die Messer nachweislich aus China stammen. Auch in diesem Fall sieht die Wettbewerbszentrale eine Irreführung über die geografische Herkunft der Ware und einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht.

Fissler will Messer kostenlos umtauschen

Nach Angaben von Fissler ist nur eine Charge der "Passion"-Serie betroffen. Man habe eigene Untersuchungen an Messerklingen aus unterschiedlichen Chargen durchgeführt, alle entsprächen dem Qualitätsstahl X50CrMoV15. Dennoch will Fissler alle Messer der von Markt untersuchten Charge aus dem Verkehr ziehen und versichert: "Wir werden alle Korrosionsreklamationen bei 'Passion'-Messern großzügig behandeln und den betroffenen Verbrauchern über unseren Kundenservice einen kostenfreien Austausch anbieten."

Dieses Thema im Programm:

Markt | 08.06.2015 | 20:15 Uhr

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