Stand: 07.11.2014 18:00 Uhr  | Archiv

Geschäft mit dem Trend: Pelzmode aus Hundefell

Die aktuellen Absatzzahlen für pelzbesetze Mode zeigen, Pelz an der Kleidung gefällt vielen Menschen. Aber vermutlich möchte kaum einer Hund oder Katze tragen. Und doch ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass viele Menschen einen Bommel aus Hundefell an der Mütze tragen oder Hundefell ihren Kapuzenkragen säumt. Denn Echtfell aus China, dem mittlerweile größten Fellproduzenten weltweit, stammt vor allem von einem Zuchttier: dem Marderhund, einer Wildhundeart.

Marderhund auf einem Rasenstück. © picture alliance / blickwinkel/W Fotograf: W. Layer Waschbär läuft auf einem Ast entlang. © picture alliance / ZB Fotograf: Patrick Pleul
Zum Vergleich von Marderhund und Waschbär einfach den Schieberegler nach links oder rechts ziehen.

Aus der Bezeichnung "Marderhund" wird "Waschbär" gemacht

Verkauft wird das Fell des Marderhundes jedoch oft mit der englischen Bezeichnung "Racoon" - übersetzt Waschbär. Der Marderhund heißt auf Englisch "Racoon Dog". Der Namensteil "Dog", also Hund, wird aber gern unterschlagen. Der Marderhund gehört zur Familie der Hunde, der Waschbär zur Familie der Kleinbären. In China bedürfte es sogar einer speziellen Ausfuhrgenehmigung für sein Fell. Waschbär gilt als schwer zu züchten, während der Marderhund leichter zu "farmen" ist.

  • Wie lässt sich Webpelz von echtem Fell unterscheiden?

    Nicht jeder puschelige Fellbesatz besteht tatsächlich aus echtem Pelz. Manchem Kunstfell sieht man es sofort an, dass es nicht echt ist. Andere sind aber so gut gemacht, dass das nicht so leicht ist. Im Prinzip besteht Pelzimitat aus einer Mischung von Baumwoll- und synthetischen Fäden. Tierfell lässt sich von Webpelz anhand folgender Eigenschaften unterscheiden:

  • Probe 1: Wie sieht das Fell aus und wie fühlt es sich an?

    Ein echter Pelz besitzt auch die natürlichen Unterwollhaare des Tierfells. Die machen ihn weich und flauschig. Die einzelnen Haare sind erkennbar und unterschiedlich lang. Wenn man auch nur ganz leicht darüber pustet, bewegen sie sich. Bei einem Kunstpelz hingegen sind alle Haare eher gleich lang und nicht so dicht. Zudem reagieren sie nicht so leicht auf einen Luftzug.

  • Probe 2: Auf welchem Trägermaterial haftet das Fell?

    Für echten Pelz werden die Tiere gehäutet, das Fell also mit der Haut, beziehungsweise dem Leder verarbeitet. Um festzustellen, worauf das Fell haftet, einfach die Haare auseinanderziehen: Ist Leder oder Stoff zu sehen? Bei echtem Leder handelt es sich auch um einen echten Pelz.

  • Probe 3: Wie riecht das Fell?

    Dieser Test lässt sich leider nicht im Geschäft durchführen, denn dazu muss man ein paar Haare des Fells verbrennen. Riechen sie wie verbrannte Menschenhaare, handelt es sich um echten Pelz. Klumpen sie zusammen und verbreiten einen synthetischen Geruch, ist es textiler Pelz. Problematisch ist allerdings, dass in manchem Kunstpelz auch echte Tierhaare daruntergemischt werden. In diesen Fällen hilft nur eine Laboranalyse.

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Die beiden Tierarten haben "überhaupt nichts miteinander zu tun", erklärt der Hamburger Zoologe Prof. Thomas Kaiser. "Aber die Pelzindustrie bedient sich im Grunde dieser Verwechslung, um die Herkunft dieses Fells zu kaschieren und damit die Kunden letztlich zu täuschen."

Der offenbare Übersetzungsfehler hilft also zu verschleiern, dass für Fellbesatz an unserer Kleidung Hunde getötet werden. Bei den Recherchen für ihre Dokumentation "Die Wahrheit über Pelz" ist Autorin Antonia Coenen auf etliche Verkäufer gestoßen, die falsch informiert wurden. Dass es sich bei vielen Teilen der aktuellen Pelzmode um Marderhund handelt, steht nirgendwo. Nach deutschem Recht muss es das auch nicht. Deshalb kontrolliert niemand die korrekte Bezeichnung und auch nicht, ob es sich um Echtfell oder Kunstpelz handelt.

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Dieses Thema im Programm:

45 Min | 02.11.2015 | 22:00 Uhr

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