Sendedatum: 28.07.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Gefahr durch Lebensmittel aus China?

von Verena von Ondarza

Aus Sicht vieler Verbraucher spricht einiges gegen den Import von Lebensmitteln aus China. Denn in keinem anderen Land der Welt werden so viele Pestizide verwendet. Auch die Umweltverschmutzung ist enorm. Selbst nach offizieller chinesischer Darstellung sind über 60 Prozent der Gewässer verseucht, ein Sechstel der Böden ist so stark mit Schwermetallen belastet, dass Landwirtschaft nicht mehr möglich ist. Immer wieder fallen Lebensmittel aus China bei offiziellen Lebensmittelkontrollen auf. Die EU dokumentiert alle Versuche, bei denen in Europa mit Lebensmitteln gehandelt wird, die nicht europäischem Recht entsprechen. Trauriger Spitzenreiter: China.

Diese Lebensmittel stammen aus China

Pomelos, Pilze und Erdnüsse im Labor

Zum Teil wurden die EU-Kontrollen von Lebensmitteln aus China verschärft. Markt wollte herausfinden, ob dennoch Produkte nach Deutschland gelangen, die mit Pestiziden belastet sind. Dazu wurden in einem akkreditierten Labor Pomelos (eine Zitrusfrucht), getrocknete Pilze und Erdnüsse aus China untersucht.

Nikotin in getrockneten Pilzen

Alarmierend waren die Ergebnisse der getrockneten Pilze. Einige Proben enthielten Nikotin, zum Teil dreimal so viel wie erlaubt. Nikotin wird in China auch als Mittel gegen Insektenbefall eingesetzt. In Europa und den USA aber ist der Einsatz von Nikotin als Pflanzenschutzmittel verboten. Der Lebensmittelimporteur muss dafür Sorge tragen, dass die von ihm importierten Produkte den gesetzlichen Grenzwert nicht überschreiten.

Pestizide in Wald- und Wildpilzen

In Produkten, die als "Waldpilze" oder "Wildpilze" verkauft werden, fand das Labor weitere Pestizide, deren Einsatz in der EU verboten beziehungsweise höchst umstritten ist. Die Ergebnisse blieben zwar im Rahmen der gesetzlichen Höchstmengen. Unklar ist jedoch, warum die Importeure ihren Vertragspartnern den Einsatz der EU-weit verbotenen Pestizide nicht untersagen.

Erdnüsse mit hohem Cadmium-Gehalt

Bild vergrößern
Die getesteten Pomelos aus China enthielten weniger Pestizide als maximal erlaubt.

Für die Pomelos gilt: Entwarnung. Hier fand das Labor nur bei Zitrusfrüchten übliche Pestizide und dies im Rahmen der gesetzlichen Höchstmengen. Bei den Erdnüssen enthielt eine Probe einen auffällig hohen Cadmiumwert. Allerdings gibt es in der EU keinen entsprechenden Grenzwert. In der Schweiz hingegen wären solche Erdnüsse nicht verkehrsfähig.

China-Zutaten oft in verarbeiteten Lebensmitteln

Chinas Aufstieg zur Weltmacht in der Obst- und Gemüseproduktion geschah nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit. Denn chinesische Zutaten finden sich oft in verarbeiteten Lebensmitteln. Hier sind die Hersteller zu keiner Herkunftsangabe verpflichtet. Auch auf Anfrage können sie die Auskunft verweigern. Markt hat stichprobenartig Produkte eingekauft, deren Rohstoffe laut Importstatistik oft aus China kommen. Auf die Nachfrage, woher die Rohstoffe stammen, gaben einige Hersteller keine Antwort. Nur wenige nannten als Herkunftsland China.

Lebensmittelskandal durch China-Erdbeeren

Bild vergrößern
Tiefgefrorene Erdbeeren aus China haben eine Epidemie mit dem gefährlichen Norovirus ausgelöst.

Skandale wie die Noroviren-Infektion von 11.000 Schülern in Berlin und Brandenburg im Jahr 2012 zeigen, dass Rohstoffe und Zutaten aus China auf unserem Speiseplan längst alltäglich sind. China ist der zweitwichtigste Importeur der deutschen Lebensmittelbranche für tiefgefrorene Erdbeeren. Ein Caterer hatte die Erdbeeren für eine Nachspeise verwendet. Seit der Masseninfektion herrschen verschärfte Einfuhrkontrollen für Erdbeeren aus China.

 

Dieses Thema im Programm:

Markt | 28.07.2014 | 20:15 Uhr