Stand: 07.09.2015 13:28 Uhr

Fußpflege: Mängel bei Hygiene und Behandlung

von Jennie Radü
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Hält ein Fußpfleger die Hygienestandards nicht ein, können Infektionen die Folge sein.

Professionelle Fußpfleger versprechen gepflegte und gesunde Füße. Sie kürzen Nägel, entfernen Hornhaut und Hühneraugen und pflegen die Fußhaut. Doch nicht bei allen Anbietern entspricht die Fußpflege professionellen und hygienischen Standards. In einer Stichprobe von Markt haben sich Testpersonen in sechs zufällig ausgewählten Fußpflege-Studios behandeln lassen. Nur mit einer Behandlung war eine unabhängige Expertin für Fußgesundheit (Podologin) zufrieden. In vier Studios stießen die Tester auf Hygienemängel.

Fußpflege: Mängel bei Hygiene und Behandlung.

Fußpflege: Mängel bei Hygiene und Behandlung

Markt -

In einer Stichprobe hat Markt untersucht, wie gut professionelle Fußpfleger arbeiten. Oft waren Behandlung und Hygiene mangelhaft. Wie erkennt man seriöse Fußpflege-Studios?

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Nagelbett verletzt: Eintrittspforte für Infektionen

Eine der Testerinnen hat bereits gesunde und gepflegte Füße. Nach Ansicht der Podologin Caren Genieser hätte sie nur wenig Beratung gebraucht. Doch ihre Nägel wurden so kurz geschnitten, dass das Nagelbett leicht verletzt wurde. Die so entstandenen Wunden können Eintrittspforten für Viren, Pilze und Bakterien sein, die schwere Infektionen hervorrufen können. Auch bei den anderen Testern war die Fußpflege alles andere als professionell: Entzündungen wurden nicht erkannt, Vorerkrankungen nicht abgefragt und viele Fußpfleger schnitten die Nägel zu kurz und zu unregelmäßig.

Einige Fußpfleger arbeiten ohne Handschuhe

Bei der Fußpflege können kleine, kaum sichtbare Verletzungen entstehen. Darüber können Bakterien, Pilze und Infektionskrankheiten wie Hepatitis oder HIV übertragen werden. Deshalb sollten Fußpfleger bei der Behandlung Handschuhe tragen. In der Stichprobe behandelten jedoch drei von sechs Fußpflegern mit bloßen Händen. "Die Kunden können nicht sicher sein, dass man alle Maßnahmen trifft, um eine Übertragung von Erregern von einem Kunden zum nächsten zu vermeiden", sagt Hygienikerin Dr. Susanne Huggett.

Weitere Hygiene-Mängel in der Stichprobe:

  • Ein Fußpfleger legte den Fuß der Testerin während der Behandlung auf seinem Oberschenkel ab - auf der bloßen Jeans, ohne ein Handtuch darunterzulegen.
  • Die Frage, wie er seine Instrumente desinfiziert, bringt einen Fußpfleger offensichtlich aus dem Konzept.
  • In einem Fußpflege-Studio fällt der Testerin auf, dass der Boden dreckig und der Desinfektionsmittelbehälter leer ist.

So erkennen Sie hygienische Fußpflege-Studios

  • Desinfektion

    In jedem Behandlungsraum sollte ein Handwaschbecken angebracht sein. Auch ein Spender mit Desinfektionsmittel für die Hände sollte nicht fehlen.

  • Materialschrank

    Instrumente wie Scheren und Skalpelle sowie das Arbeitsmaterial sollten in einem abgeschlossenen Schrank untergebracht sein.

  • Fußboden

    Der Fußboden im Behandlungsraum sollte abwischbar sein.

  • Fräsgeräte

    Beim Einsatz elektrischer Fräsgeräte sollte abgetrennte Haut aufgesaugt werden.

  • Arbeitskleidung

    Der Fußpfleger sollte während der Arbeit einen Kittel und Schutzhandschuhe tragen, beim Fräsen von Hornhaut zusätzlich eine Schutzbrille.

  • Behandlungsstuhl

    Optimal ist ein Patientenstuhl mit teilbaren und ausziehbaren Fußstützen.

  • Hygieneplan

    Lassen Sie sich den Hygieneplan zeigen. Der Fußpfleger sollte erklären können, auf welche Weise und wie oft er Hygienemaßnahmen durchführt, also zum Beispiel Geräte und Räume desinfiziert.

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Nicht jeder Fußpfleger hat eine Podologie-Ausbildung

Eine Ursache für die mangelhafte Behandlung und Hygiene sehen Experten wie die Podologin Caren Genieser in der oft unzureichenden Ausbildung der Fußpfleger:

  • Zu einem staatlich geprüften Fußpfleger kann man sich zwei Jahre in Vollzeit oder drei Jahre in Teilzeit ausbilden lassen. Nur dann darf man den Titel "medizinischer Fußpfleger" oder "Podologe" tragen.
  • Wer ein kosmetisches Fußpflege-Studio eröffnen möchte, braucht nur einen Gewerbeschein. Eine Ausbildung muss man nicht vorweisen.
  • Viele Fußpfleger belegen Kurse an Fußpflege-Schulen, die nur wenige Tage oder Wochen dauern. Den Titel "medizinischer Fußpfleger" dürfen sie laut Podologen-Gesetz nicht tragen, wohl aber mit der Tätigkeitsbeschreibung "medizinische Fußpflege" werben.

Vier der sechs von Markt überprüften Fußpfleger haben keine Podologie-Ausbildung, werben aber mit "medizinischer Fußpflege". Für Kunden kann die Bezeichnung missverständlich sein. Der Bundesgerichtshof sieht das anders: Die Richter haben die Bezeichnung "medizinische Fußpflege" in einem Urteil im September 2013 als nicht irreführend bewertet. Was ein Fußpfleger unter dem Begriff "medizinische Fußpflege" versteht und ob er dafür qualifiziert ist, sollte man als Kunde daher genau erfragen.

Weitere Informationen

"Eincremen sollte man die Füße täglich"

Welche Creme ist die richtige für die Fußpflege? Wie viel Hornhaut sollte man an den Füßen entfernen? Dermatologin Dr. Melanie Hartmann gibt im Interview Tipps. mehr

Dieses Thema im Programm:

Markt | 07.09.2015 | 20:15 Uhr