Stand: 09.02.2015 11:41 Uhr  | Archiv

Filterkaffee: Warnung vor Acrylamid

von Heike Dittmers

Kaffee ist beliebt: In Deutschland trinkt jeder durchschnittlich 165 Liter Filterkaffee pro Jahr. Damit liegt Kaffee vor Mineralwasser (140 Liter) und Bier (107 Liter). Doch der Genuss bestimmter Kaffeesorten könnte womöglich unerwünschte Nebenwirkungen haben: In einer Untersuchung von Markt liegen vier von acht Proben über dem Signalwert für Acrylamid von 2010. Der Stoff steht im Verdacht, krebserregend und erbgutschädigend zu sein. Beim Überschreiten des Signalwerts mussten die Überwachungsbehörden der Länder die Hersteller darauf hinweisen, den Acrylamidwert im Kaffee zu senken. Seit 2011 gilt für Acrylamid ein höherer europäischer Richtwert.

Wie viel Acrylamid steckt in Filterkaffee?

Acrylamid entsteht durch kurzes, heißes Rösten

Werden Lebensmittel wie Pommes Frites, Chips oder Kaffeebohnen über 170 Grad erhitzt, kann sich Acrylamid bilden. Je kürzer das Erhitzen und je höher die Temperatur, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Acrylamid entsteht. In Industrieröstereien werden Kaffeebohnen oft nur zwei Minuten bei 400 Grad erhitzt. Für Hersteller ist das kostengünstiger, als die Bohnen längere Zeit bei niedriger Hitze zu rösten.

Vier Kaffees überschreiten deutschen Signalwert von 2010

In der Stichprobe überschreiten die Filterkaffees Eduscho Gala Nr. 1, Tchibo Feine Milde, Jacobs Krönung und Jacobs Auslese zum Teil deutlich den Signalwert von 280 Mikrogramm pro Kilogramm, der bis 2010 in der Bundesrepublik galt. Seit 2011 gibt es für Acrylamid einen einheitlichen europäischen Richtwert von 450 Mikrogramm pro Kilogramm, der in keinem der untersuchten Filterkaffees überschritten wird.

Krebsgefahr: Acrylamid in Lebensmitteln minimieren

Verbraucherschützer wie Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg sind dennoch alarmiert: "Acrylamid ist ein Schadstoff, der in Tierversuchen eindeutig krebserregend und erbgutschädigend ist." Um eine Gefahr für den Menschen auszuschließen, müsse man den Gehalt von Acrylamid in Nahrungsmitteln minimieren.

Bereits seit 2002 seien Hersteller aufgefordert, den Acrylamidgehalt in Lebensmitteln möglichst gering zu halten. Doch der 2011 eingeführte, rund 60 Prozent höhere europäische Richtwert widerspreche dem Minimierungskonzept: "Das bedeutet eine höhere Acrylamidbelastung für die Verbraucher in Deutschland", sagt Armin Valet.

Das sagen die Kaffeehersteller

Auf Anfrage von Markt schreiben die Hersteller, dass sie sich an die europäischen Richtwerte halten. Jacobs hält eine Verringerung des Acrylamidgehalts "ohne Auswirkungen auf Geschmack und Qualität" für nicht möglich. Dem Kaffeeröster Tchibo, der auch den Eduscho-Kaffee herstellt, sind nach eigenen Angaben "nur sehr begrenzte Minimierungsmöglichkeiten bekannt". Dass es auch anders geht, zeigen Dallmayr und Melitta. Ihre Kaffees enthalten weniger als die Hälfte Acrylamid, verglichen mit den anderen Kaffees der Stichprobe. Auch Aldi und Mövenpick haben niedrige Acrylamid-Werte.

Verbraucher bezahlen Wasser im Kaffee mit

Nach dem Rösten werden Kaffeebohnen mit Wasser abgekühlt. Davon bleibt einiges im Filterkaffee: In der Stichprobe lagen die Kaffees von Aldi, Jacobs Auslese und Mövenpick nur knapp unter dem gesetzlichen Grenzwert von fünf Prozent Wasser. Verbraucher bezahlen das Wasser mit - bei Mövenpick zum Beispiel 32 Cent pro Packung. In kleinen Röstereien wird Kaffee häufig noch an der Luft gekühlt. Das dauert länger und ist somit teurer, dafür enthalten luftgekühlte Kaffeebohnen in der Regel nur ein bis zwei Prozent Restwasser.

Die Hersteller schreiben, dass sie sich an die "Kaffeeverordnung" halten. Zudem sei es eine "gängige Praxis in der Kaffeewirtschaft". Mövenpick erklärt, man kühle "mit Hilfe der Umgebungsluft".

 

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Markt | 09.02.2015 | 20:15 Uhr