Stand: 04.09.2017 11:40 Uhr

Fertigprodukte: So ungesund ist Fruchtzucker

von Ann-Brit Bakkenbüll

Fruchtzucker (Fruktose) gilt bei vielen Verbrauchern als gesund. Die Zuckerart kommt von Natur aus in Obst und Gemüse vor. Den Einsatz von hochkonzentriertem Fruchtzucker, etwa in Fertigprodukten, sehen Experten wie der Hamburger Diabetologe Dr. Matthias Riedl kritisch: Als Ersatz für Zucker sei Fruktose "ein Turbo auf dem Weg zum Übergewicht und auch zur Diabetes-Entstehung". Fruchtzucker sei keineswegs gesünder als Haushaltszucker. Und mit dem Auslaufen der EU-Zuckermarktordnung dürfen Hersteller bald auch beliebig viel von der kostengünstigeren Isoglukose in Lebensmitteln verwenden.

In diesen Produkten steckt Fruchtzucker

Haushaltszucker aus Fruktose und Glukose

Fruchtzucker gehört zur Gruppe der Kohlenhydrate und zählt wie Traubenzucker (Glukose) zu den sogenannten Einfachzuckern (Monosaccharide). Diese bestehen aus vielen einzelnen Zuckermolekülen. Fruktose ist auch Bestandteil des herkömmlichen Haushaltszuckers (Saccharose). Dieser wird unter anderem aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr hergestellt und besteht zu jeweils der Hälfte aus den beiden Einfachzuckern Fruktose und Glukose. Beide Zuckerarten liefern pro Gramm eine Energie von rund vier Kilokalorien.

Warum zu viel Fruchtzucker schädlich ist

Im Gegensatz zur Glukose, die für die Energiegewinnung in den Zellen benötigt wird, ist der Körper auf die Zufuhr von Fruktose nicht angewiesen. Die Aufnahme vom Dünndarm ins Blut dauert sehr lang. Der Abbau normaler Fruktosemengen, wie sie in Obst und Gemüse enthalten sind, bereitet dem Körper keine Probleme. Werden jedoch durch den zusätzlich Einsatz in Getränken oder Süßwaren große Mengen Fruktose aufgenommen, drohen gesundheitliche Risiken wie Diabetes, Bluthochdruck, Fettleber und sogar Leberkrebs.

Anders als Glukose löst Fruktose kein Sättigungsgefühl im Körper aus. Wird Glukose aufgenommen, kommt es zur Ausschüttung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Dadurch wird dem Gehirn ein Sättigungsgefühl übermittelt. Beim Verzehr von Fruktose wird die Signalübertragung jedoch unterbunden - das Sättigungsgefühl bleibt aus.

Isoglukose: Noch mehr Fruchtzucker?

Mit dem Auslaufen der EU-Zuckermarktordnung könnte industriell hergestellte Fruktose in Form eines hochkonzentrierten Fruktose-Glukose-Sirups ab dem 1. Oktober 2017 vermehrt zum Einsatz kommen - durch die sogenannte Isoglukose. Das Zuckergemisch aus Weizenstärke und vor allem Maisstärke enthält als Hauptbestandteil Fruktose.

Im Vergleich zum herkömmlichen Rübenzucker ist Isoglukose deutlich günstiger herzustellen. Deshalb erwarten Experten, dass die Produktion von Isoglukose deutlich steigen könnte. Schon jetzt wäre es technisch möglich, 25 bis 30 Prozent der bisher in Lebensmitteln verwendeten Zuckerarten durch Isoglukose zu ersetzen. Dadurch würde der Fruktosegehalt ansteigen.

Isoglukose: Marktanteil in USA und Europa

In den USA liegt der Marktanteil von Isoglukose bei 50 Prozent. Dort wird der Sirup seit Jahrzehnten fast flächendeckend in hochkonzentrierter Form in Softdrinks und Lebensmitteln eingesetzt.

In Europa beträgt der Marktanteil von Isoglukose zurzeit fünf Prozent. Mit dem Wegfall der sogenannten Zuckerquote fällt jedoch ein umfangreiches System von Zöllen, Subventionen und Quoten, die den europäischen Zuckermarkt bislang geregelt haben. Auch die Quote für Isoglukose läuft aus.

Keine einheitliche Bezeichnung für Isoglukose

Für Verbraucher könnte es schwierig werden, Isoglukose zu erkennen. Die Zuckerart verbirgt sich hinter Bezeichnungen wie Fruktose-Glukose-Sirup, Glukose-Fruktose-Sirup, Maissirup oder High Fructose Corn Sirup.

Messglas und ein kleiner Berg Zucker.

Fertigprodukte: So ungesund ist Fruchtzucker

Markt -

Ärzte warnen vor Fruchtzucker in Fertigprodukten. Fruktose kann Erkrankungen wie Diabetes und Fettleber begünstigen. In welchen Lebensmitteln steckt der ungesunde Zucker?

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 04.09.2017 | 20:15 Uhr

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