Stand: 03.08.2015 10:15 Uhr

Direktsaft oft nicht besser als Konzentrat

von Jennie Radü
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Fruchtsaft aus Konzentrat ist besser als sein Ruf.

Direktsaft - das klingt nach einem natürlichen Produkt, frisch vom Baum direkt in die Flasche. Bei Saft aus Konzentrat sind einige Verbraucher skeptisch: Sie vermuten, dass Zucker oder Zusatzstoffe hinzugefügt werden. Tatsächlich ist der Unterschied zwischen Direktsaft und Saft aus Konzentrat meist gering. Sobald der Begriff "Fruchtsaft" auf dem Etikett steht, ist ein Fruchtgehalt von 100 Prozent vorgeschrieben. Konservierungs- und Farbstoffe dürfen nicht zugesetzt werden. Hinzugefügte Vitamine müssen gekennzeichnet werden. In Bio-Säften sind keine Vitamin-Zusätze erlaubt.

So unterscheiden sich Fruchtsäfte

So wird Fruchtsaft hergestellt

Bei der Herstellung von Fruchtsaft aus Konzentrat wird der frisch gepresste Saft erhitzt. Weil das Wasser verdampft, reduziert sich das Volumen deutlich. Zurück bleibt das Konzentrat - eine klebrige, süß-säuerliche Masse. Der Fruchtgeschmack ist darin nicht enthalten. Das Aroma wird durch Destillation isoliert. Es ist eine klare Flüssigkeit, die stark nach Frucht schmeckt. Vor dem Abfüllen des Saftes werden Konzentrat, Aroma und Wasser wieder zusammengefügt.

Direktsaft wird ebenfalls erhitzt, damit er lange haltbar ist - er wird pasteurisiert. Seit 2013 dürfen die Hersteller den Saft anschließend rearomatisieren, also natürliches Fruchtaroma zusetzen, ohne dies auf dem Etikett angeben zu müssen.

Saft aus Konzentrat ist günstiger herzustellen

Für die Hersteller hat Saft aus Konzentrat viele Vorteile. Die Transportkosten sind niedriger, wenn nur das Konzentrat und das Aroma verschifft werden, nicht aber das Wasser. Auf langen Strecken, etwa bei Saftimporten aus Brasilien, rechnet sich das. Bei Saft aus heimischen Früchten können die Hersteller Lagerkosten sparen.

Verbraucher zahlen höhere Preise für Direktsaft

Dennoch scheint es sich zu lohnen, Direktsaft herzustellen. Viele Verbraucher halten ihn für einen besonders hochwertigen Saft. Der Verband der Fruchtsaftindustrie schreibt dazu auf seiner Internetseite: "In den letzten Jahren ist der Direktsaft in der Gunst der Verbraucher kontinuierlich gestiegen. Man ist auch bereit, den in der Regel höheren Preis zu zahlen."

Direktsaft ist nicht gesünder

Nach Ansicht von Experten ist Direktsaft nicht gesünder als Saft aus Konzentrat. Zwar enthält ein Apfel sekundäre Pflanzenstoffe, denen eine vorbeugende Wirkung gegen Krebs zugeschrieben wird. Doch beim Pressen der Frucht bleibt ein Großteil der sekundären Pflanzenstoffe in den ausgepressten Rückständen, dem Trester, zurück. Unterschiedlich gesund sind aber naturtrüber und klarer Apfelsaft. Denn beim Klären des Saftes geht ein weiterer Teil der gesunden Inhaltsstoffe verloren. Verglichen mit dem ursprünglichen Apfel sind im klaren Apfelsaft nur etwa zehn Prozent der gesunden Inhaltsstoffe enthalten.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 03.08.2015 | 20:15 Uhr

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