Stand: 09.03.2017 16:17 Uhr

Die Bundesregierung kann den Sparern helfen!

Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt bleibt trotz gestiegener Inflation bei ihrer Nullzinspolitik und ihrer konjunkturpolitischen Philosophie. Der EZB-Rat beschloss, den Leitzins in der Eurozone bei null Prozent zu belassen. Was aber macht nun der deutsche Anleger, wenn er Geld für später beiseite legen will - und sich dieses Geld nicht selbst verzehren soll?

Ein Kommentar von Petra Lehnert, NDR Info

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Die Bundesregierung könnte einen Teil der Milliarden, die sie derzeit an Zinszahlungen spart, dazu verwenden, die Altersvorsorge zu fördern, meint Petra Lehnert.

Sparen macht schon lange keinen Spaß mehr. Zinsen von unter einem Prozent sind wahrhaftig kein Anreiz, Geld auf die hohe Kante zu legen. Derzeit verliert das zurückgelegte Kapital sogar real an Wert. Denn die Inflationsrate fällt in diesem Frühjahr höher aus als viele Sparzinsen - und so schrumpft die Kaufkraft des Geldvermögens.

Trotzdem werden Millionen Deutsche nicht ihre Konten plündern, um teure Reisen oder Schmuck zu kaufen. Für viele Deutsche sind auch riskante Anlagen keine Alternative. Denn sie sparen ja nicht um des Sparens willen, sondern sie wollen vorsorgen für Notlagen und für das Alter. Zähneknirschend werden sie folglich ihre Verluste wegstecken und die Europäische Zentralbank verwünschen: "Können die Währungshüter nicht endlich ihre extrem lockere Geldpolitik aufgeben?"

Ärgerlich für die Sparer, aber ein Gewinn für Schuldner

So einfach ist das aber nicht, denn die EZB hat den Auftrag, für Stabilität im gesamten Euroraum zu sorgen. Die überaus lockere Versorgung der Eurozone mit Geld hat zwei Seiten. Die niedrigen Zinsen sind ärgerlich für die Sparer, aber auf der anderen Seite ein Gewinn für Schuldner. Das weiß jeder, der ein Auto auf Kredit kauft oder gar ein Haus baut.

Die größten Schuldner aber sind die Staaten. Der deutsche Staat hätte im vergangenen Jahr 250 Milliarden Euro mehr an Zinsen zahlen müssen, würden heute die Zinssätze von vor zehn Jahren verlangt. Das hat Bundesbankchef Jens Weidmann ausgerechnet. Noch schlimmer sähe die Lage für Italien oder Griechenland aus.

Druck auf die EZB wird steigen

Die hohe Verschuldung der europäischen Staaten zwingt die Notenbank, sehr behutsam vorzugehen, wenn sie die Zügel der Geldpolitik wieder anziehen will. Noch hält sie das nicht für nötig. Sie will weiter Wirtschaft und Staaten mit billigem Geld versorgen. Das ist nicht ohne Risiko, zumal die finanzpolitische Leitnation USA wohl nächste Woche die Zinsen erhöhen wird. Der Druck auf die EZB wird steigen, dem amerikanischen Beispiel zu folgen.

Selbst wenn das demnächst geschehen sollte, werden die Zinsen nicht nach oben schnellen. Die Währungshüter werden sich Zeit lassen und so die Sparer in Europa weiter Grund zum Klagen haben.

Altersvorsorge fördern

Ist die EZB also daran schuld, dass sich in Deutschland Vorsorgen fürs Alter kaum rechnet? Die Banker sind verantwortlich für die Zinsen, aber nicht für die anderen Rahmenbedingungen. Es war die Bundesregierung, die die beliebteste Sparform der Deutschen nahezu unattraktiv gemacht hat. Sie hat die Erträge von Lebensversicherungen mit Steuern belegt. Die betriebliche Vorsorge wurde mit Krankenversicherungsbeiträgen belastet.

Es wäre an der Zeit, dass die Bundesregierung das Ruder herum reißt und den Sparern hilft. Sie könnte einen Teil der Milliarden, die sie derzeit an Zinszahlungen spart, dazu verwenden, die Altersvorsorge zu fördern. So könnten auch niedrige und mittlere Einkommen von den Vorteilen der niedrigen Zinsen profitieren.

Tagesschau.de
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Spanien und der Leitzins-Bumerang

Die Europäische Zentralbank bleibt bei ihrer Nullzinspolitik, die seit nunmehr einem Jahr gilt. Für Spanien könnte sich der EZB-Kurs als Bumerang erweisen. Mehr bei tagesschau.de. extern

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NDR Info | Kommentare | 09.03.2017 | 17:08 Uhr

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