Stand: 03.01.2017 06:01 Uhr

Der ganz legale Rententrick

von Jörg Pfuhl, NDR Info Wirtschaftsredaktion

In diesen Niedrigzins-Zeiten muss man sich umschauen, wo das Geld noch Rendite bringt. Null Prozent auf dem Girokonto, vielleicht ein Prozent als Tages- oder Festgeld, das ist nicht viel. Da wären zwei oder sogar drei Prozent doch verlockend. Und wo gibt es das? Bei der gesetzlichen Rentenversicherung. Ab Juli 2017 geht es sogar noch leichter.

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Rentenabschläge wegen vorzeitigen Renteneintritts können vermieden werden, indem die Rentenminderung durch eine Einmalzahlung ausgeglichen wird.

Wer heute jung ist, der mag sich zu Recht fragen, ob es sich lohnt, in die gesetzliche Rente einzuzahlen. Wer aber älter ist als 50, 55 oder 60 - für den steht die Rentenhöhe schon ziemlich sicher fest, so Dirk von der Heide, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung Bund: "Ein Versicherter, der zurzeit in Rente geht, kommt beispielsweise mit seiner Rente auf eine Rendite von derzeit drei Prozent. Langfristig wird die Rendite der gesetzlichen Rentenversicherung bei rund zwei Prozent liegen."

Errechnung des Ausgleichsbetrages

Zwei bis drei Prozent ist deutlich mehr als derzeit auf dem Kapitalmarkt zu bekommen ist. Es kann sich also lohnen, mehr in die gesetzliche Rente einzuzahlen, als man ohnehin muss. Das geht ab Juli dieses Jahres sogar schon für 50-Jährige - mit einem kleinen, ganz legalen Trick, wie kürzlich der Finanzmathematiker Werner Siepe in der ARD erklärte: "Sie teilen der Rentenversicherung mit, dass Sie mit 63 in Rente gehen möchten und bitten um die Berechnung des Ausgleichsbetrages. Sie brauchen dabei nicht zu erwähnen, dass Sie eventuell nachher etwas ganz anderes machen wollen."

Vorzeitiger Ruhestand bei voller Rente

Der Trick ist also, gegenüber der Rentenversicherung so zu tun, als wolle man vorzeitig in Rente gehen. Die Versicherung errechnet dann erstens, um wie viel die Rente dadurch geringer wird, die sogenannten Abschläge. Und sie errechnet zweitens, wie viel Geld ich heute auf einen Schlag einzahlen muss, um diese Abschläge auszugleichen. Das Ergebnis könnte zum Beispiel sein: Ein Jahr früher in Rente zu gehen bedeutet, dass die Rente von eigentlich 1.000 Euro monatlich um 36 Euro geringer ausfällt. Wer das vermeiden will, zahlt heute - auf einen Schlag - gut 8.000 Euro in die Rentenkasse ein. Damit erwirbt er sich das Recht, ein Jahr früher in Ruhestand zu gehen, bei voller Rente.

Regulärer Renteneintritt bei höherer Rente

Oder - und das ist der ganz legale Trick - er arbeitet ganz normal weiter bis zum regulären Rentenalter und kassiert anschließend für den Rest des Lebens eine höhere Rente: "Sie werden nicht gezwungen, mit 63 in Rente zu gehen, sie haben die volle Wahlfreiheit. Sie haben schlicht und einfach Geld aus freien Stücken in die gesetzliche Rentenversicherung investiert", sagt der Finanzmathematiker.

Für Frauen besonders lohnend

Das lohnt sich ganz besonders für Frauen, denn im Schnitt leben sie länger. Außerdem für privat Krankenversicherte, denn mit der Rente steigt entsprechend ihr Zuschuss zur Krankenversicherung. Erstaunlich ist, dass nur etwa tausend Menschen jährlich zusätzlich investieren in die gesetzliche Rente. Bisher konnten das nur Ältere, ab 55. Ab Juli 2017 dürfen das auch Jüngere, ab 50.

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NDR Info | 03.01.2017 | 10:40 Uhr

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