Stand: 22.06.2015 12:49 Uhr

Berufsunfähigkeit: Die Tricks der Versicherer

von Christian Jekat
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Berufsunfähigkeit ist meist ein hartes Schicksal - umso schlimmer, wenn dann die Versicherung nicht zahlt.

Nicht mehr selbst für sein Einkommen sorgen zu können, ist für die meisten Menschen eine Horrorvorstellung. Eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit soll vorsorgen. Dafür zahlen Verbraucher viel Geld, denn eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist relativ teuer. Trotzdem werden rund 23 Prozent aller Anträge auf Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung abgelehnt, teilte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft auf Anfrage mit.

Berufsunfähigkeit nur schwer zu bestimmen

In den meisten Vertragsbedingungen steht, dass eine Rente gezahlt wird, sobald der Versicherte mindestens zu 50 Prozent berufsunfähig ist. Der genaue Prozentsatz ist jedoch in der Praxis nur sehr schwer zu bestimmen. Damit ist der Streit zwischen den Versicherungen und ihren Kunden programmiert.

Darauf müssen Sie beim Vertragsabschluss achten

  • Sinn der Versicherung klären

    Um zu klären, ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung wirklich sinnvoll ist, sollten Verbraucher sich die Frage stellen: Was müsste passieren, dass man seinen Beruf nicht mehr ausüben kann? Je eindeutiger sich die Frage beantworten lässt, umso sinnvoller ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung. In der Regel trifft das auf handwerkliche Tätigkeiten zu. In akademischen Berufen steigt die Zahl psychischer Erkrankungen wie Burn-out.

  • Vorerkrankungen nennen

    Bei einem Streit mit Berufsunfähigkeitsversicherern geht es oft um die Verletzung sogenannter Anzeigepflichten. Dazu kommt es, wenn Kunden Vorerkrankungen oder Arztbesuche bei Vertragsabschluss nicht angegeben haben. Verbraucher sollten sich daher genug Zeit nehmen, um die Gesundheitsfragen detailliert zu beantworten. Um auf der sicheren Seite zu sein, kann man zum Beispiel den Arzt oder die Krankenkasse um einen Krankheitsverlauf bitten.

  • Verweisungsklausel meiden

    Abzuraten ist von Verträgen mit einer sogenannten abstrakten Verweisungsklausel. Dann können Versicherte im Fall einer Berufsunfähigkeit auf andere, verwandte Tätigkeiten verwiesen werden.

  • Mehrere kleine Verträge abschließen

    Versicherungsrechtler Professor Hans-Peter Schwintowski von der Humboldt-Universität Berlin rät Verbrauchern, mehrere kleinere Verträge abzuschließen, also das Risiko einer Berufsunfähigkeit auf mehrere Versicherungen zu verteilen. Der Vorteil: "Eine einzige Versicherung muss dann nicht gleich so einen großen Batzen Geld auf einmal bezahlen, wenn es wirklich zur Berufsunfähigkeit kommt."

  • Rechtsschutz versichern

    Kommt es zum Streit mit einem Versicherer, fallen für den Rechtsweg oft hohe Kosten an. Einige Experten raten daher, sich zuerst um eine Rechtsschutzversicherung zu kümmern, und erst danach eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Dabei ist es ratsam, sich für die Rechtsschutz- und Berufsunfähigkeitsversicherung jeweils unterschiedliche Gesellschaften zu suchen.

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Hauke Schippmann sitzt auf einem Sofa und liest in den Versicherungsunterlagen

Berufsunfähigkeit: Die Tricks der Versicherer

Markt -

Berufsunfähigkeitsversicherungen lehnen fast jeden vierten Antrag auf Leistungen ab. Markt erklärt, worauf Verbraucher beim Vertragsabschluss achten müssen.

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Markt | 22.06.2015 | 20:15 Uhr