Stand: 12.01.2015 17:31 Uhr

Peenemündes verspielte Seite

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Nur etwa die Hälfte des gesammelten Spielzeugs ist ausgestellt - immerhin rund 25.000 Stücke.

Puppen und Teddybären, Indianer und Cowboys, aber auch Soldaten und Panzer: Das Spielzeugmuseum Peenemünde auf der Insel Usedom führt den Besuchern die riesige Bandbreite unterschiedlicher Spielewelten vor Augen - von der Puppenküche des 19. Jahrhunderts bis zur Modell-Rakete.

Spielzeug-Trabis und Pittiplatschfiguren

Seit 20 Jahren sammelt Erhard Diller, der aus der thüringischen Spielzeugstadt Sonneberg stammt, gemeinsam mit einem Freund Spielzeug aus drei Jahrhunderten.

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Beim Anblick des Olympia-Maskottchens von 1980 und der Pittiplatsch-Figur werden bei manchem Besucher Kindheitserinnerungen wach.

Die Stücke fanden sie auf Dachböden, in Garagen und Scheunen, viele von ihnen waren beschädigt und mussten erst liebevoll repariert werden. Rund 50.000 Exponate kamen so zusammen, in den 2005 eröffneten Museumsräumen ist nur Platz für etwa die Hälfte. Der Rest wartet auf dem Dachboden auf seinen Einsatz. Viel Raum nimmt die Sammlung mit Spielzeug aus 40 Jahren DDR ein - Spielzeug-Trabis und Figuren des kleinen Kobolds Pittiplatsch, den die Kinder noch heute aus der TV-Sendung "Sandmännchen" kennen, zeugen davon, dass in der DDR eine große Spielwarenindustrie existierte.

Spielzeug als Spiegel der Gesellschaft

Spielzeugmuseum Peenemünde

Museumstraße 14
17449 Peenemünde
Tel. (038371) 25 57

Öffnungszeiten und Eintrittspreise siehe Website des Museums

Doch die Ausstellung präsentiert nicht nur harmlose Kindheitsbegleiter zum Kuscheln oder Toben, sondern macht auch deutlich, wie sich im Spielzeug der Kinder gesellschaftliche Werte und politische Ideologien widerspiegeln. So war auch zu DDR-Zeiten militärisches Spielzeug kein Tabu. Insbesondere die Sammlung von Spielzeug aus der NS-Zeit zeigt laut Diller anschaulich, "wie Spielzeuge in der Vergangenheit immer wieder ideologisch missbraucht worden sind", um Kinder zu angepassten Staatsbürgern zu erziehen.

Verspielter Gegenpol am früheren Militärstandort

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Mit Teddys und Puppen kuschelten schon unsere Urgroßeltern. Bis heute sind sie treue Kindheitsbegleiter geblieben.

Dass Diller ausgerechnet Peenemünde als Standort für sein Museum auswählte, ist kein Zufall: Bewusst wollte er einen Kontrast schaffen zu dem ansonsten technisch geprägten Ort mit seiner NS-Vergangenheit - in Peenemünde entwickelten und forschten im Zweiten Weltkrieg Ingenieure und Wiseenschaftler am Bau von Raketen für den Kriegseinsatz. Diese Geschehnisse dokumentiert das Historisch Technische Museum. Mit seinem Spielzeugmuseum wollte Diller an dem einstigen Militärstandort eine Art Gegenpol schaffen.

"Das Gesicht des Krieges"

Im Obergeschoss zeigt das Spielzeugmuseum noch bis mindestens Ende 2017 eine Sonderausstellung mit dem Titel "Gesicht des Krieges". Zu sehen ist eine Kunstinstallation, die sich mit dem Thema Krieg und Alltag vom 19. Jahrhundert bis heute befasst. Gezeigt wird auch Militärspielzeug.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / Nordtour / 20.12.2014 / 18:00 Uhr

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