Stand: 05.02.2014 11:30 Uhr  | Archiv

Wikinger auf dem Weg zum Weltkulturerbe

von Jörn Rollfinke, NDR.de

Sie entdeckten Amerika, kamen sogar bis Bagdad - und prägten auch die norddeutsche Landschaft und Geschichte mit: Die Wikinger haben bis heute nichts von ihrer Faszination verloren. Künftig könnten die hiesigen Spuren der Nordmänner auf einer Stufe stehen mit Monumenten wie dem Taj Mahal oder den Pyramiden von Gizeh - die Werke der Wikinger sollen zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt werden.

Und so, wie die Wikinger schon früher keine Grenzen kannten, wurde auch der Antrag bei der UNESCO international vorbereitet. Neben Deutschland sind auch Island, Dänemark, Norwegen und Lettland mit im (Wikinger-)Boot. Im Januar 2014 reichten die Länder ihren gemeinsamen Antrag ein. Die Bewertung durch die UNESCO beginnt im Sommer. Eine Entscheidung wird voraussichtlich 2015 fallen.

Die Spuren der Wikinger

Einmaliges Projekt für den UNESCO-Titel

Das "Welterbe Wikinger" wäre einmalig auf der Welt: Zwar gibt es schon andere Stätten, die auf mehrere Länder verteilt sind. Doch wie zum Beispiel bei der Seidenstraße sind die einzelnen Orte miteinander verbunden. Die Wikingerstätten hingegen sind voneinander unabhängig und teilweise sehr unterschiedlich. So gehören dänische Runensteine, norwegische Grabhügel oder ein Versammlungsplatz bei Reykjavik zur multinationalen Bewerbung.

Haithabu und Danewerk - zwei herausragende Wikingerstätten

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Die Waldemarsmauer ist Teil der alten Befestigungsanlage Danewerk, mit der sich die Wikinger vor den Sachsen und Slawen schützten.

In Deutschland sollen zwei Stätten zum Welterbe ernannt werden - und beide liegen in Schleswig-Holstein. Eines davon ist Haithabu. Mit etwa 2.000 Einwohnern war das Handelszentrum der Wikinger im frühen Mittelalter schon eine echte Metropole. Das größte Handelszentrum Nordeuropas war mit einer Fläche von 24 Hektar so groß wie das damalige Köln.

Mit dabei ist auch das Danewerk - so etwas wie der Limes der Nordmänner, mit denen sie Haithabu und ihre Grenzen beispielsweise gegen die Angriffe der Sachsen verteidigten. Die rund 26 Kilometer lange Verteidigungsanlage besteht aus Wällen, Mauern, Gräben, Palisaden und einem Seesperrwerk.

Danewerk: Größtes archäologisches Denkmal Nordeuropas

Matthias Maluck, der für das Archäologische Landesamt Schleswig den UNESCO-Antrag mit ausgearbeitet hat, gerät bei der Beschreibung der Stätten schier ins Schwärmen. So sei das Danewerk mit seinen Wällen heute das größte archäologische Denkmal Nordeuropas. "Die Wikinger banden für die Konstruktion zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert die hiesige Landschaft geschickt mit ein. Niederungen, Moore und Gewässer wurden so zum Teil des Bollwerks." Strategisch klug platziert, konnten die Nordmänner mit dem Danewerk einerseits das Land nach Süden absichern, gleichzeitig aber auch die Handelswege in alle Richtungen kontrollieren. Den besonderen Reiz mache vor allem die Verbindung von Geschichte und unberührter Natur aus - denn das Danewerk ist auch Naturschutzgebiet.

  • Alle Stätten des Wikinger-Welterbeantrags

    Neben Haithabu und Danewerk sind noch folgende Stätten im Welterbe-Antrag aufgeführt:

  • Vestfold (Norwegen)

    Zu Zeiten der Wikinger galt die Region als Zentrum der Macht. Entsprechend vielfältig sind die archäologischen Funde, am bekanntesten sind die gut erhaltenen Wikingerschiffe. Rund um den Oslofjord finden sich aber auch die meisten Grabhügel der Wikingerzeit.

  • Hyllestadt (Norwegen)

    Die Steinbrüche im Südwesten des Landes lieferten das Rohmaterial zum Beispiel für Mühlensteine. Noch heute lässt sich erkennen, wie die Steine in großer Menge gebrochen und anschließend überall in Skandinavien gehandelt wurden - eine frühe Massenproduktion!

  • Seeland (Dänemark)

    Im Westen der Insel befindet sich eine um 981 erbaute Ringburg, die Platz für ca. 1.300 Menschen bot. Diese Burgen des Trelleborg-Typs, die es auch in Fyrkat und Aggersborg (Jütland) gibt, zeigen eindrucksvoll das hohe technische Wissen der Wikinger.

  • Jelling (Dänemark)

    Die beeindruckenden Runensteine sind bereits heute als UNESCO-Welterbe gelistet. Der Königssitz von Jelling ist aber auch ein Zeugnis der Geschichte von Harald Blauzahn, der aus Dänemark ein christliches Königreich machte.

  • Thingvellir (Island)

    Bei Reykjavik befand sich schon um 930 ein parlamentarischer Versammlungsplatz. Dort wurden Gesetze geschrieben und Urteile gefällt, die bereits für die gesamte Insel galten.

  • Grobina (Lettland)

    Die Gräberfelder dokumentieren, wie weit die Wikinger auch in den Osten Europas voran kamen. Die Nordmänner traten dabei nicht nur als Eroberer auf, sondern vor allem als Händler, die sich niederließen und mit der einheimischen Bevölkerung verbanden.

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Ganze Region soll profitieren

Sollte der Welterbe-Titel an die Wikingerstätten gehen, würde die ganze Region rund um die Schlei profitieren, ist sich Maluck sicher. Zum einen könnte der Tourismus mit einem neuen Alleinstellungsmerkmal auf eine breitere Basis gestellt werden, zum anderen sollen auch die Menschen vor Ort etwas davon haben. Denn erklärtes Ziel der Bewerbung ist auch die Erhöhung der Lebensqualität in den Gemeinden - beispielsweise durch neue Parkanlagen oder andere Freizeiteinrichtungen.

Karte: Haithabu und Teile des Danewerks
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