Stand: 02.06.2017 05:00 Uhr

Verbote auf Sylt: Strandlust oder Strandfrust?

von Simone Steinhardt
Bild vergrößern
So weitläufig die Strände auf Sylt sind, so streng sind die Regeln in der Strandsatzung.

Mit einer Flasche Wein hat es sich Florian Feld aus Aachen mit seiner Familie am Strand der Insel Sylt gemütlich gemacht. Kein Problem, oder? Wenn es die Familie bei einer Flasche belässt, wohl nicht. Denn Alkoholkonsum "in nicht geringen Mengen" ist verboten. "Satzung der Gemeinde Sylt über die Einschränkung des Gemeingebrauchs am Meeresstrand" - so der sperrige Name des sechs Paragraphen umfassenden Reglements, das insgesamt 16 Verbote beinhaltet.

Keine Drohnen und Jetskis

Nicht nur zu viel Bier zum Sonnenuntergang ist Thema. Lautstark feiern, Musik machen oder hören? Verboten. Romantisches Lagerfeuer, Strandburgen bauen, am Strand übernachten, Möwen füttern? Verboten. Große Aufregung um die Satzung gab es im März, als verschiedene Medien über das Verbot von Foto- und Filmaufnahmen zu gewerblichen Zwecken berichteten. Das regelt allerdings bereits die Strandsatzung vom Dezember 2012 - ebenso die meisten anderen Verbote. Neu ist lediglich das Drohnenflugverbot sowie das Verbot von Motorbooten und Jetskis für den Privatspaß. Die dürfen lediglich zur Absicherung von Wassersportevents oder zu Rettungszwecken ins Wasser gelassen werden. Ausgerechnet Sylt als ultimative Spaßbremse - die Insel, die von Vielen gezielt zum Partymachen angesteuert wird? Und wissen Gäste oder auch Einheimische eigentlich über die Verbote Bescheid?

Strandzeit - Doch was ist erlaubt?

Mehr Aufklärung wünschenswert

"Dass man keine Strandburgen bauen darf, wussten wir. Und dass Lenkdrachen verboten sind, da hat mich schon mal jemand drauf angesprochen", sagt Florian Feld. Dass Alkohol und Party am Strand zum Problem werden können, war den Felds aus Aachen aber nicht klar. "Eingeschränkt fühlen wir uns aber nicht", sagt die Familie.

Die jungen Sylterinnen Saskia und Josefine erfuhren von dem Verbot eher zufällig. "Wir saßen am Strand zusammen und haben etwas getrunken. Da sagte jemand zu uns, dass man das eigentlich nicht mehr darf", erzählt Saskia. Sie wünscht sich mehr Aufklärung zu dem Thema. "Man könnte doch Flyer machen und die in Hotels und Pensionen auslegen", schlägt sie vor. Ein bisschen eingeschränkt fühlen sich die beiden durch die Satzung schon. Aber: "Der Strand ist doch das Schönste, was wir hier haben. Es ist völlig ok, das zu schützen", sind sich Saskia und Josefine einig.

"Es geht uns nicht um Kontrolle"

Auf organisierten Großevents wie dem Windsurf-Worldcup oder dem Weinfest auf der Westerländer Promenade kann man grundsätzlich unbeschwert feiern. Auch das bekannte Strandbistro "Buhne 16" hat mit der Strandsatzung noch nie Probleme gehabt, sagt Betreiber Sven Behrens. Und sogar das romantische Lagerfeuer gibt es hier, "zur Midsommernacht in Abstimmung mit der Gemeinde Kampen. Musik machen wir nur am Laden, das schallt nicht runter bis zum Strand", so Behrens. Also alles halb so wild?

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 02.06.2017 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

01:54

Mutmaßliche Salafisten aus SH vor Gericht

16.10.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:22

Vollsperrung der A 7 - ohne Ankündigung

16.10.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
03:31

Von der NS-Kultstätte zur Freilichtbühne

14.10.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin