Stand: 12.01.2016 09:10 Uhr

Thermenschießerei: Kein Haftbefehl gegen Rocker

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Der Angeklagte soll inzwischen in Thailand eine zweite Ehe geschlossen haben.

Das Urteil im Prozess um die Rocker-Schießerei vor der Therme in Kaltenkirchen (Kreis Segeberg) war eindeutig: Am Freitag hatte das Kieler Landgericht einen Rocker zu einer Freiheitsstrafe von mehr als vier Jahren verurteilt. Der Mann muss aber offenbar nicht ins Gefängnis. Das Kieler Landgericht lehnte einen entsprechenden Haftantrag der Staatsanwaltschaft ab, wie Verteidiger Michael Gubitz bestätigte. Nach seinen Angaben ist eine Vollstreckung des Urteils nicht verhältnismäßig.

Streit zwischen verfeindeten Rockern

Wegen gefährlicher Körperverletzung war das Mitglied der mittlerweile verbotenen "Hells Angels" zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der heute 42-Jährige den Angriff vor der Therme mit geplant und vorbereitet hatte. Motiv für den Überfall war aus Sicht des Richters eine langjährige persönliche Abneigung. Das Opfer, ein Mitglied der verfeindeten "Bandidos", ist seit der Tat schwerbehindert.

Angeklagter kam nicht zur Urteilsverkündung

Der Angeklagte fehlte bei der Urteilsverkündung. Er befindet sich nach Erkenntnissen des Gerichts in Thailand. Dort soll er ein zweites Mal geheiratet haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt deswegen wegen Bigamie. Der Mann wird wahrscheinlich nur acht Monate Haft verbüßen müssen, da in seine Gesamtfreiheitsstrafe die Rechtsstrafe eines früheres Urteils einbezogen wurde. Zudem gelten wegen der überlangen Verfahrensdauer sechs Monate bereits als verbüßt. Der Verteidiger wollte aus Mangel an Beweisen Freispruch.

Oberschenkel zertrümmert

Im Januar 2009 beauftragte der Verurteilte zwei Männer, einen Mann vor der Therme in Kaltenkirchen niederzuschießen. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft wollte er damit die Macht- und Gebietsansprüche seiner Rocker-Gruppe deutlich machen. Dem "Bandidos"-Mitglied wurde bei dem Attentat der Oberschenkel zertrümmert. Der Mann ist seitdem erwerbsunfähig. Bei einer Infektion droht laut einem Gutachten eine Amputation des Beines.

Nebenkläger will 80.000 Euro Schmerzensgeld

Der Verurteilte ist hier in Deutschland mit der jungen Frau verheiratet, die das Opfer damals in den Hinterhalt gelockt haben soll. Über das Internet hatte sie mit dem Opfer Kontakt aufgenommen und sich dann mit ihm zum Besuch in der Therme verabredet. Dort lauerten die maskierten Angreifer, deren Identität bis heute nicht geklärt ist. Die damals 19-Jährige wurde deswegen bereits rechtskräftig verurteilt.

Blutige Feindschaft

Die "Hells Angels" und die "Bandidos" hatten sich rund um Neumünster eine blutige Fehde geliefert. Inzwischen sind beide Rocker-Gruppen verboten. Auch zwischen dem Angeklagten und dem Opfer hatte sich laut Staatsanwalt spätestens ab 2007 eine Feindschaft entwickelt. An deren Beginn soll der Angeklagte dem Opfer den Kiefer gebrochen und dessen Bruder ihn dafür niedergestochen haben. 2008 wurde der Angeklagte dann ein zweites Mal bei einer Schlägerei zwischen rivalisierenden Rockern niedergestochen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.01.2016 | 17:00 Uhr