Stand: 12.06.2017 14:30 Uhr

Seehundjäger: Unterwegs mit dem Heuler-Helfer

Sie sind wenige Wochen alt, völlig entkräftet und von ihrer Mutter allein gelassen: Heuler an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste. Mehr als 3.500 Seehunde kommen hier jedes Jahr zur Welt. Die Hälfte von ihnen überlebt das erste Jahr im Normalfall nicht. Die 40 Seehundjäger im Land helfen, dass ein Teil von Ihnen es doch schafft. Einer von ihnen ist Karl-Heinz Kolle aus Büsum. Eigentlich ist er Gastronom, aber zurzeit verbringt er mehr Zeit am Deich als in der Küche - und das ehrenamtlich. Seit Ende Mai ist Heulersaison.

Heuler brauchen Flüssigkeit und Elektrolyte

Karl-Heinz Kolle macht den Job seit mehr als 20 Jahren - immer auf der Suche nach einsamen Seehundebabys. Viele sind die nur wenige Tage alt. "Im Moment finden wir viele junge Seehunde, die von ihrer Mama getrennt sind durch den Sturm. Nach ein oder zwei Tagen kommen die dann auf den Strand." Und da können die Heuler nicht lang überleben. Sie brauchen so schnell wie möglich Flüssigkeit und Elektrolyte.

"Manchmal müssen wir einen erschießen"

Etwa 200 Seehundebabys im Jahr bringen Kolle und seine Kollegen in die Seehundstation Friedrichskoog. Dort kommen sie in Quarantänebecken, werden untersucht und aufgepeppelt. Doch nicht alle Heuler, die Kolle findet, sind fit genug für die Aufpäppel-Kur. Todkranke muss der Seehundjäger erlösen. "Manchmal müssen wir einen erschießen. Gerne machen wir das nicht, wenn solche Augen einen angucken. Das ist schon hart. Aber es kommt ja nicht so oft vor", sagt Kolle.

Ein Job, der Leben rettet

Fast 200 Einsätze hat der Seehundjäger jedes Jahr - Tag und Nacht. Er hat auch schon Seehunde aus dem Eis befreit und sogar einen, der sich ins Vorkühlbecken eines Kernkraftwerks verirrt hatte: "Wenn man Wildtieren helfen kann, ist das immer wieder ein Erlebnis, wenn man so ein kleines Tier in der Hand hat." Etwa 90 Prozent der geretteten Tiere kommen durch und können wieder in die Nordsee ausgewildert werden. Und spätestens dann weiß Karl-Heinz Kolle, dass sein Job Leben rettet.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 12.06.2017 | 19:30 Uhr

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