Stand: 02.08.2017 11:37 Uhr

Megaprojekt für Strom: XXL-Seekabel taucht ab

Von Sebastian Baak

Es ist kaum zu erkennen, so langsam bewegt sich das dicke Drahtseil vorwärts. Nur drei Meter schafft es pro Minute, fast Schneckentempo. In einer Bucht nahe der südnorwegischen Stadt Flekkefjord haben Spezialisten des Kabellegers "Nexans Skagerrak" in gut 30 Metern Tiefe das Seekabel für die deutsch-norwegische NordLink-Stromverbindung an ein Stahlseil montiert. Nun kriecht es den gut 400 Meter langen Mikrotunnel Richtung Land nach oben. Gut zweieinhalb Stunden wird es dauern, bis das Kabel an Land ist. Dort wird es in einem geschützten Gebäude an Überlandleitungen angeschlossen.

NordLink-Kabel-Planung

NordLink-Kabel: Norwegen startet Verlegung

Schleswig-Holstein Magazin -

Über 500 Kilometer ist die geplante NordLink-Trasse zwischen Schleswig-Holstein und Norwegen lang, drei Jahre dauert der Bau. Die ersten 124 Kilometer werden jetzt verlegt.

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120 Kilometer Kabel an Bord

Die Verlegung des Seekabels von Norwegen nach Deutschland sei ein wichtiger Meilenstein, sagen die beiden Projektleiter, Stein H. Auno von der norwegischen Statnett und Gunnar Spengel vom Netzbetreiber Tennet in Deutschland. Schon seit mehr als zwei Jahren wird vor allem an den notwendigen Anlagen auf dem Festland gebaut, jetzt hat die Verlegung des insgesamt mehr als 500 Kilometer langen Seekabels zwischen Büsum (Kreis Dithmarschen) und Norwegen begonnen. Für den ersten Abschnitt ist das Verlegeschiff "Nexans Skagerrak" mit etwas mehr als 120 Kilometern Kabel beladen. Es ist gelb, etwa armdick und bringt rund 6.000 Tonnen auf die Waage.

Geschützt tief auf dem Meeresboden

Wie eine Nabelschnur werde das Kabel auf den Meeresboden gelegt, erklärt Ragnhild Katteland von Nexans Norwegen. Die Firma produziert das Kabel und verlegt es auch mit ihrem eigenen Schiff. Noch vor der norwegischen Küste wird mit mehr als 400 Metern der tiefste Punkt des Meeresbodens erreicht. Zum Schutz wird das Kabel mithilfe eines zweiten Schiffs und einem speziellen Verfahren gut einen Meter tief eingegraben. Bei felsigem Grund kommt eine Schutzschicht aus Sand auf das Kabel. Knapp zehn Tage wird die "Nexans Skagerrak" benötigen, um die geladenen 120 Kilometer Kabel zu verlegen. Danach folgt der nächste Abschnitt.

Mega-Kabel in norwegischer Fjordidylle

Anlagen auf Festland schon seit Jahren im Bau

An den Endpunkten des NordLink-Kabels, im norwegischen Tonstad und in Wilster (Kreis Steinburg), wird schon länger gebaut. In Wilster laufen die Arbeiten an einer großen Konverterhalle. Noch gigantischer sind die Ausmaße der Bauarbeiten in Norwegen. Dort haben Arbeiter schon vor zwei Jahren damit begonnen, Felsen zu sprengen und ein ganzes Moor, das Ertsmyra auszubaggern und mit Felsschutt aufzufüllen. Auf dieser Fläche von gut zwölf Hektar entstehen oberhalb der Ortschaft Tonstad im Sirdal riesige Hallen, Trafostationen und Umspannanlagen. Von hier aus schlängeln sich inzwischen 53 Kilometer lange, leistungsfähigere Freileitungen über die Berge und Täler - bis hin zur Kabelstation nahe Flekkefjord, wo das Seekabel anlandet.

Tausche Wasserkraft gegen Windkraft

Dass die Norweger Tonstad als Standort ihrer Konverterstation gewählt haben, ist kein Zufall. Die Berge rund um den Ort haben es sprichwörtlich in sich: Hier erzeugen zahlreiche Wasserkraftwerke massenhaft Strom. Und darum gehe es auch, sagt Tennet-Projektleiter Spengel. Mit NordLink entstehe eine Trasse, über die grüner Wasserkraftstrom und grüner Windstrom ausgetauscht werden können. Das sei ein wichtiger Schritt, um die Klimaziele in Europa zu erreichen. Das Kabel zwischen Deutschland und Norwegen gibt aus Sicht des norwegischen Projektleiters Auno Preissicherheit und Versorgungsstabilität. Norwegische Wasserkraftwerksbetreiber könnten ihre Anlagen nun besser auslasten. In Norwegen gibt es allerdings auch Stimmen, die einen Anstieg der Strompreise befürchten, wenn die Nachfrage aus dem Ausland steigt.

Grüner Strom soll ab 2020 fließen

Sowohl das NordLink-Seekabel wie auch die Anlagen an Land sollen bis 2019 fertig sein und nach Tests im Jahr 2020 in Betrieb gehen. Dann wird sich zeigen, ob der geplante Austausch von grünem Strom zwischen Norwegen und Deutschland reibungslos klappt. Die Kooperationspartner lassen sich ihr Megaprojekt einiges kosten. Auf knapp zwei Milliarden Euro werden die Investitionen geschätzt. Und es müssen nicht die letzten sein. Wenn mit NordLink die Ziele erreicht werden, könnten weitere Stromverbindungen folgen, sagt der Norweger Stein H. Auno. Die Idee für ein Kabel nach Niedersachsen gibt es bereits, und einen Projektnamen auch: NorGer.

Weitere Informationen

NordLink-Trasse: Spezialschiff verlegt Seekabel

Etwa 520 Kilometer lang und pro Meter mehr als 50 Kilogramm schwer: In Norwegen haben Arbeiter per Spezialschiff damit begonnen, die Seekabel für die gigantische Stromtrasse NordLink auf dem Meeresboden zu verlegen. Es führt in die Nähe von Büsum. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 02.08.2017 | 19:30 Uhr

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