Stand: 29.02.2016 20:29 Uhr

Kran birgt erste Atommüll-Fässer in Brunsbüttel

Mit einem Portalkran und speziellen Greifwerkzeugen haben Experten am Montag die ersten beiden Atommüll-Fässer aus den Lagerräumen des Atomkraftwerks Brunsbüttel gehoben. Bei dem ersten handelte sich um ein Fass mit Filterkonzentrat aus Kaverne 4, wie Betreiber Vattenfall mitteilte. Bei der Öffnung von Kavernen 2 und 4 seien zuvor keine erhöhten Feuchtigkeitswerte gemessen worden. Auch eine radiologische Messung lieferte den Angaben zufolge keine erhöhten Werte. Alle 632 Fässer sollen einzeln und ferngesteuert aus unterirdischen Kavernen nach oben geholt werden. Je nach Grad der Beschädigung nutzen die Experten unterschiedliche Greifer, damit keine Abfälle austreten. Laut Vattenfall überwachen Mitarbeiter des TÜV Nord und der Atomaufsicht die Bergungsarbeiten. In den Behältern lagern schwach- und mittelradioaktive Abfälle.

Habeck spricht von "Pionierarbeit"

Anfang vergangener Woche hatte sich der für Atomaufsicht zuständige Energieminister Robert Habeck (Grüne) im abgeschalteten Kernkraftwerk Brunsbüttel im Kreis Dithmarschen über Einzelheiten der Bergungspläne informiert. "Was hier zu leisten ist, ist Pionierarbeit", sagte der Minister. Die Fässer, die zum Teil schon mehr als 30 Jahre in Brunsbüttel lagern, hätten viel zu lange nahezu unbeobachtet in den Kavernen vor sich hingerostet.

Komplette Bergung dauert Jahre

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Mit einem Greifer heben Mitarbeiter die Fässer aus den Kavernen.

"Es werden wohl drei Jahre vergehen, bis die sechs Kavernen vollständig geräumt, gereinigt und wieder verschlossen sein werden", sagte der Leiter der Abteilung Atomaufsicht, Jan Backmann. Es ist geplant, die Fässer in einer speziellen Anlage nachzutrocknen, um die Restfeuchte zu reduzieren. Anschließend werden die radioaktiven Konzentrate aus den Fässern abgesaugt und in endlagergerechte Container gepumpt. Diese sollen zunächst auf dem Gelände in Brunsbüttel gelagert werden - in einem Zwischenlager, das noch errichtet werden muss. Später werden die Container in das zentrale Endlager Schacht Konrad in Salzgitter gebracht, mit dessen Inbetriebnahme aber laut Energieministerium nicht vor 2022 zu rechnen ist.

Jedes vierte Fass schwer beschädigt

Vor gut drei Jahren war bei Untersuchungen von 573 Fässern mit einer Spezialkamera festgestellt worden, dass 154 davon schwer beschädigt sind. Bei dem Abfall handelt es sich um Filterharze und Verdampferkonzentrate, die während des Kraftwerksbetriebs bis 2007 angefallen waren. Damals war die Möglichkeit langfristiger Rostschäden offenbar nicht erkannt worden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 29.02.2016 | 08:00 Uhr