Stand: 21.01.2016 20:04 Uhr

In Dänemarks Nachtleben ist Deutsch sexy

von Sebastian Parzanny

"SechZehn", "Gefährlich" oder auch "Zwei Große" - wer durch Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen schlendert, könnte den Eindruck bekommen, viele der Cafés, Bars und Clubs werden von ausgewanderten Deutschen betrieben. Tatsächlich gilt Deutsch in Dänemark aber einfach nur als chic. An der Uni Kopenhagen forscht Lene Vinther Jensen zu dem Thema: "Englisch ist in Dänemark mittlerweile zu gewöhnlich geworden. Das Deutsche ist anders. Es ist kantiger, klingt für uns hart. Wer heute auffallen will, lässt sich einen deutschen Namen einfallen", sagt die Germanistin.

Deutsch ist angesagt in Dänemark

In Kopenhagens Nachtleben ging alles los

In den vergangenen Jahren hat Vinther Jensen mehr als 500 Beispiele gesammelt und akribisch dokumentiert. Ihre Forschungsergebnisse zeigen: Der Trend begann im Nachtleben der Hauptstadt Kopenhagen. Längst wird er aber auch in ländlichen Gegenden übernommen. Eine landesweite Diskothekenkette nennt sich "Heidis Bierbar". Und auch in anderen Bereichen gibt es längst viele deutsche Namen: Werbeagenturen, Musik-Bands oder Internetseiten werden "cool-deutsch" benannt.

Der Klang entscheidet, Fehler sind egal

Teilweise lassen sich die Dänen Kurioses einfallen: Eine Band nennt sich "Das lustige Fahrrad", ein Musiker "Mäusegerät", ein Internetportal "Das Autozug", ein Imbiss "Das Wurst". Dass die Kreationen häufig keinen Sinn ergeben oder gar falsch sind, stört die Namensgeber übrigens kaum: In einer Umfrage, die die Uni durchgeführt hat, gaben mehr als die Hälfte aller Unternehmer an, dass sie einen deutschen Namen nur gewählt haben, weil er gut klang, berichtet Vinther Jensen.

Französisch und Italienisch zu fein

Um den guten Klang ging es auch Jens Mikkel Hyllestedt. Der Diskothekenbetreiber nannte seinen Club schon vor mehr als zehn Jahren "Gefährlich". Er war damit einer der ersten: "Meine Kollegin Eva und ich brauchten einen tollen Namen für unsere Mischung aus Club, Bar und Restaurant. Wir wollten nichts Dänisches, das war klar. Französisch oder Italienisch klang dann aber zu fein. Wir wollten etwas Raues, Bodenständiges. Da passte Deutsch gut." In Evas Zimmer hing ein Plakat mit der Aufschrift "lebe wild und gefährlich". Das Wort "gefährlich" gefiel ihnen. "Irgendwie klingt es auch nach Berlin, und die Stadt finden viele junge Dänen hip", sagt der junge Mann mit dem Zopf und dem roten Rauschebart.

Eine Trendsprache, die niemand spricht?

Viele junge Dänen interessieren sich offenbar nicht nur für die Bars mit deutschen Namen, sondern auch für die Sprache selbst: "Es gibt einen Trend zum Deutschen in der Umgangssprache", sagt Professor Ken Joensen Farø von der Uni Kopenhagen. "Es kann vorkommen, dass sich junge Leute mit 'Grüß Gott' begrüßen und mit 'Tschüss' verabschieden. Ein dänischer Entertainer hat damit anfangen in seiner Show, nun wird es übernommen." Zu einem Andrang in seinem Fachbereich habe der Trend bisher aber nicht geführt, berichtet der Professor. Die Anzahl der Deutschstudenten ist an der Universität Kopenhagen seit Jahren auf einem konstant niedrigen Niveau. Das fördert den Trend aber eher, sagt der Germanist: "Eine Nischensprache kann viel einfacher trendy sein als eine Sprache, die viel gesprochen wird."

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