Stand: 26.03.2016 15:49 Uhr

Henry Posner - der Bahn-Schreck aus den USA

Er ist ein ungewöhnlicher Bahnchef. Wenn er durch seine Züge schlendert, dann begrüßt er jeden Fahrgast einzeln. "Immer", sagt Henry Posner der Dritte. Er versucht es zumindest. Bei jedem Gast wiederholt der Chef der amerikanischen Railroad Development Corporation (RDC) seine einstudierten Worte. Es sind die wenigen Worte Deutsch, die der große, schlanke Manager aus Pittsburgh spricht: "Guten Tag. Mein Name ist Henry Posner. Ich bin Geschäftsführer. Dankeschön. Gute Fahrt." Einige Fahrgäste verstehen das nicht und reagieren irritiert bis abweisend. Er ist der Mann, der der Deutschen Bahn das lukrative Monopol mit den Autozügen nach Sylt streitig macht.

"Ich bin Bahn-Liebhaber"

In Deutschland betreibt er über eine Tochterfirma seit 2012 den Hamburg-Köln-Express (HKX), einen Personenzug zwischen Hamburg und Frankfurt (Main) - ebenfalls in direkter Konkurrenz zur Deutschen Bahn. Wenn er dort mitfährt - und nicht gerade die Fahrgäste begrüßt - liest er Bahn-Fachzeitschriften oder den Plan, in dem alle Verbindungen innerhalb Europas stehen. "Ich bin schon mein ganzes Leben lang Bahn-Liebhaber. Vor allem fasziniert mich, dass Bahn-Unternehmen auf der ganzen Welt so unterschiedlich sind", sagt er im Interview mit dem Schleswig-Holstein Magazin. Es ist das erste Fernsehinterview in Deutschland. Bislang hat der Mann aus den USA immer seine beiden deutschen Geschäftsführer vorgeschickt.

RDC - ein kleiner Global-Player

In den 1970er Jahren hat er Transportwesen an der Universität von Princeton studiert. 1977 stieg er beim US-Bahnunternehmen Conrail ein. "Damals war die Branche am Ende. Die Bahn war dabei zu verschwinden", sagt Posner. Trotzdem gründete er 1987 die Railroad Development Corporation und kaufte Anteile der Iowa Interstate, einer Güterbahn. Weitere Linien im Ausland folgen, unter anderem in Guatemala, Malawi, Mosambik. Heute betreibt RDC - zum Teil mit Partnern - in zwölf Ländern Züge.

RDC ist ein Global Player, aber im Vergleich zu anderen Unternehmen ein Zwerg. Im Hauptquartier in Pittsburgh arbeiten gerade einmal sechs Mitarbeiter. Mit dem Hamburg-Köln-Express in Deutschland sind in drei Jahren rund 1,5 Millionen Menschen gefahren. Die Deutsche Bahn hat mehr als zwei Milliarden Fahrgäste - jedes Jahr.

"Begeisterung und wirtschaftliche Vernunft"

Trotzdem nimmt Posner den Kampf mit dem großen Mitbewerber auf - auf einer der lukrativsten Strecken, die es in Deutschland gibt: der Bahnverbindung von Niebüll über den Hindenburgdamm nach Sylt. Der Markteintritt ist teuer: Die Waggons für den Autozug sind einzigartig. Die kann er nicht einfach auf dem Markt kaufen oder leihen, wie es etwa bei Lokomotiven oder Personal geht. "Ich habe schon ein sehr emotionales Verhältnis zur Eisenbahn. Aber wenn es um das Geschäft geht, versuche ich die Begeisterung mit der nötigen Portion wirtschaftlicher Vernunft zu kombinieren. Und so entscheide ich, was ich machen kann und was nicht."

Die Bahn kämpft um ihre lukrative Strecke

Kommentar
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Um Posner von der Strecke fernzuhalten, fährt die Deutsche Bahn seit Dezember mit dem Sylt Shuttle Plus. Das sind angehängte Personenwagen, die bereits in Bredstedt starten und in Niebüll mit dem Autozug verbunden werden. Nach Angaben einer Pendlervereinigung nutzt kaum jemand dieses Angebot. Als einer der Züge bei einer der vielen Rangierfahrten entgleiste, war ebenfalls kein Fahrgast an Bord. Der Sylt Shuttle Plus fährt deutlich länger und kostet mehr als der Nahverkehr. "Diese Geisterzüge haben wir nicht erwartet, weil sie eigentlich nicht zur Deutschen Bahn passen. Wir erwarten für die Zukunft, dass wir ein ernstzunehmender Mitbewerber auf dieser wichtigen Strecke werden. Auf der Basis von Fairness und der Nachfrage des Marktes", sagt Posner. Der Streit über die Vergabe beschäftigt inzwischen auch die Bundespolitik.

Die Bahn versucht derweil, das Problem anders zu lösen. Sie hat angekündigt, die regulären Fahrpreise für den Sylt Shuttle Plus im April zu senken und Fahrräder dann kostenlos mitzunehmen. Preislich ein Vorteil - vor allem für Inhaber einer BahnCard, die zusätzliche Rabatte bekommen. Auch sie müssen ihre Fahrräder allerdings über mehrere Stufen in den Zug schleppen. Der Sylt Shuttle Plus hat keinen ebenerdigen Einstieg, ist also nicht barrierefrei.

Wann starten die neuen Autozüge?

Eigentlich darf RDC seit Dezember auf der Strecke nach Sylt fahren. Allerdings fehlt noch die notwendige Zulassung durch das Eisenbahnbundesamt. Wann genau Posners Autozug startet, steht deshalb immer noch nicht fest. Bislang gab es nur einige wenige Testfahrten über den Hindenburgdamm. Wenn seine ersten Züge regulär nach Sylt rollen, wird Henry Posner der Dritte wohl dabei sein. Persönlich begrüßen müsste er seine Fahrgäste dann allerdings am Verlade-Terminal. Auf den offenen Wagen des Autozugs dürfte das schwieriger werden als im HKX.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 26.03.2016 | 19:30 Uhr