Stand: 21.01.2016 17:43 Uhr

"Hätte er Stopp gesagt, hätte ich aufgehört"

Mit einem umfassenden Geständnis des Angeklagten hat der Prozess gegen einen ehemaligen Jugend-Fußballtrainer des TuS Holstein Quickborn begonnen. Er soll drei Jungen aus seiner Mannschaft sexuell missbraucht haben - insgesamt 16 Mal von 2013 bis 2015. Der Mann ist 41 Jahre alt, die mutmaßlichen Opfer neun und zehn. Er könne sich selbst nicht erklären, warum er die Jungs angefasst habe, so der Angeklagte am Donnerstag vor dem Landgericht Itzehoe. Anschließend habe er immer ein schlechtes Gewissen gehabt. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft.

Jungs müssen nicht aussagen

Eine Mutter hatte Anzeige gegen den Trainer erstattet. Für die Angehörigen war es offensichtlich kein leichter Gang in den Verhandlungssaal. Vor der Tür brach eine Frau in Tränen aus, als der Angeklagte hereingeführt wurde. Während der Mann später die Fragen der Richterin nach dem genauen Hergang der Übergriffe ruhig beantwortete, schüttelten einige Zuhörer immer wieder den Kopf. Der Angeklagte sagte zu dem Missbrauch eines Jungen: "Ich wollte ihn auf andere Gedanken bringen." Und zu einem anderen: "Hätte er Stopp gesagt, hätte ich aufgehört." Durch sein Geständnis ersparte der Angeklagte den mutmaßlichen Opfern eine Befragung vor dem Gericht.

Verein fordert Führungszeugnis

Die sexuellen Übergriffe sollen sich während gemeinsamer Trainingscamps abgespielt haben - nach dem Training in der Dusche oder im Auto. Zu einem der mutmaßlichen Opfer soll der Mann ein enges Verhältnis gehabt haben - samt gemeinsamen Kinobesuchen und Geschenken. Die arglosen Eltern des Jungen sollen den Trainer sogar darum gebeten haben, Ausflüge mit ihrem Kind zu unternehmen.

Der TuS Holstein Quickborn hat den Angeklagten inzwischen fristlos entlassen und eine vereinseigene Kinderschutzbeauftragte eingesetzt. Außerdem muss jeder, der dort Trainer werden will, ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

Mit Ampel-Projekt gegen sexuelle Übergriffe

Ansprechpartner sensibilisieren

Der Landessportverband Schleswig-Holstein und die Sportjugend setzen auf Prävention in den Vereinen, um solchen Missbrauchsfällen vorzubeugen. Zusammen mit dem Kinderschutzbund haben sie das Projekt "Aktiv im Kinderschutz" gestartet und mehrere Maßnahmen erarbeitet. So werden Ansprechpartner innerhalb der Vereine ausgebildet. Sie sollen sexuellen Missbrauch im Verein an Kindern erkennen und dann richtig agieren. Die Ansprechpartner werden zum Beispiel darin geschult, wie Täter typischerweise agieren und wo es fachliche Beratung gibt.

Vereine fit machen gegen Missbrauch

Zudem bietet das Projekt Kompaktqualifizierung für Sportvereine an, bei der Vereinsvorstand, Trainer und Vereinskinder dafür sensibilisiert werden, sexuellen Missbrauch zu erkennen. Außerdem gibt es eine Intensivqualifizierung für die Vereine. Hier geht es zum Beispiel darum, wer bei Verdachtsfällen informiert und einbezogen wird.

"Grüne" und "rote" Verhaltensweisen

Ein wichtiges Element des Projektes "Aktiv im Kinderschutz" ist das "Ampel-Projekt". Hier stellen Kinder und Erwachsene eines Vereins gemeinsam Regeln auf. Verhaltensweisen ordnen sie in grün, gelb und rot - also von "in Ordnung" bis zur "Regelverletzung" ein. Diese Verhaltensregeln hat auch die TuS Reinbek (Kreis Stormarn) aufgestellt. Das Thema Kinderschutz werde auf allen Ebenen des Vereins mitgetragen, sagt Basketball-Trainer Martin Bokeloh, der auch der Kinderschutzbeauftragte des Klubs ist. Als Trainer musste er eine Ehrenerklärung und ein erweitertes Führungszeugnis abgeben. Inzwischen wurde die TSV Reinbek für ihren aktiven Kinderschutz schon mehrfach ausgezeichnet.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.01.2016 | 17:00 Uhr