Stand: 04.11.2015 14:49 Uhr

Gewalt gegen Flüchtlinge? - Verfahren eingeleitet

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Der Rauswurf passierte laut Augenzeugen auf der Strecke Kiel-Hamburg.

Nach der Anzeige gegen einen Bahnmitarbeiter, der zwei Flüchtlinge aus einem Regionalexpress geworfen haben soll, hat die Staatsanwaltschaft Itzehoe jetzt ein offizielles Ermittlungsverfahren eingeleitet. Wie ein Sprecher mitteilte, wird wegen des Verdachts der Nötigung, Körperverletzung und Sachbeschädigung ermittelt.

Zeugen beobachteten den Vorfall

Ein Kieler Anwalt hatte den Bahnmitarbeiter angezeigt, weil er zwei Flüchtlinge während eines Haltes in Wrist (Kreis Steinburg) brutal aus einem Regionalzug geworfen haben soll - offenbar, weil sie keine Tickets hatten. Der Vorfall ereignete sich nach Informationen von NDR 1 Welle Nord und Schleswig-Holstein Magazin am vergangenen Sonnabend auf der Strecke Kiel-Hamburg.

"Er war sehr aggressiv, er argumentierte mit deutsch-nationalen Phrasen und hatte keinerlei Schuldgefühle", sagte der Anwalt Alexander Hoffmann, der die Strafanzeige gestellt hat. Er war selbst in dem Zug unterwegs und hat gemeinsam mit anderen Reisenden den Vorfall beobachtet. "Was wir sahen, war, dass ein junger Mann mit heruntergelassenen Hosen und Unterhosen aus der Zugtüre stürzte." Später habe sich herausgestellt, dass es sich um einen Flüchtlinge gehandelt habe. Der Mann und sein Begleiter hätten dann erzählt, dass der Schaffner einen der Männer mit Gewalt von der Toilette gezogen und ihn geschlagen habe, sagte Hoffmann. Außerdem habe der Zugbegleiter das Handy eines der Männer unter den Zug geworfen.

Bahn und Staatsanwaltschaft prüfen

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Hat den Bahnmitarbeiter angezeigt: Rechtsanwalt Alexander Hoffmann aus Kiel.

"Mit einer Fahrkartenkontrolle oder einer Aufforderung, den Zug zu verlassen, hatte das gar nichts zu tun", sagte Hoffmann. Wenn es stimme, dass der Mann kein Ticket gehabt habe, habe der Bahnmitarbeiter zwar agieren müssen. Die Art und Weise sei aber menschenunwürdig und unangemessen gewesen - zumal Polizisten im Zug mitgefahren seien. Bahn und Staatsanwaltschaft wollten sich zu den Einzelheiten nicht äußern - prüfen den Vorfall aber nach eigenen Angaben. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe sagte, man gehe der Anzeige nach und werde gegebenenfalls die Ermittlungen aufnehmen.