Stand: 28.10.2014 18:57 Uhr

Ein Jahr danach: Spuren des Orkans "Christian"

von Sebastian Parzanny

Geschafft! Axel de Hahn und Simon Laros stehen auf dem Dach des Hauptgebäudes der Universität Flensburg. Von hier oben aus kann man die gesamte Stadt sehen, doch die beiden haben dafür kaum ein Auge: Sie schauen auf das frisch reparierte Dach. Der Gebäudemanager und der Doktorand hatten in den vergangenen Monaten gut zu tun: Am Nachmittag des 28. Oktober 2013 hatte nur eine einzige Böe von Sturmtief "Christian" ein großes Stück des Daches abgerissen und zu Boden gewirbelt.

Neues Dach für Flensburger Uni

Die Studenten, die sich zu der Zeit im Hauptgebäude befanden, durften den gesamten Nachmittag über das Haus nicht verlassen, da die Gefahr bestand, dass weitere Teile hinabstürzen. "Gott sei Dank wurde niemand verletzt", sagt Gebäudemanager de Hahn. Das Regenwasser sorgte dann zusätzlich dafür, dass die Räume, die dann ohne Dach waren, zerstört wurden: Zwei Stockwerke wurden grundsaniert. Dann kam der Fachbereich Energie und Umweltmanagement ins Spiel und mit ihm Doktorand Simon Laros: An der Uni war die Idee entstanden, einen Teil des neuen Daches mit Solarplatten zu bestücken und den Strom direkt auf dem Campus zu nutzen.

Schaden an der Hochschule: 2,5 Millionen Euro

Seit einigen Wochen ist nun alles fertig. "Ich bin froh, dass ich mich nach fast zwölf Monaten endlich wieder um andere Dinge als um die Sturmschäden kümmern kann", sagt Axel de Hahn. "Es ist viel liegen geblieben und ich habe viele Überstanden gemacht seit Christian", berichtet der Gebäudemanager der Hochschule. Die Verwaltung der Uni hat mittlerweile berechnet, dass die Beseitigung der Schäden die durch Sturmtief "Christian" entstanden waren, rund 2,5 Millionen Euro gekostet haben.

Therapiezentrum in Trümmern

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Daniela Hahn steht vor dem zerstörten "Geniushof" - hier hatte ein Therapiezentrum für Kinder mit Behinderung Platz.

Von Wiederaufbau ist in Esgrus im Kreis Schleswig-Flensburg noch nichts zu sehen. Hier steht Daniela Hahn vor einem Trümmerhaufen. Die 1. Vorsitzende des Vereins "Geniushof" hatte mit ihrem Team auf dem Resthof bei Kappeln ein Therapiezentrum für Kinder mit Behinderung aufgebaut. Heute bekommt sie noch immer eine Gänsehaut, wenn sie an den Nachmittag des 28. Oktober 2013 denkt. Manchmal steigen ihr beim Erzählen auch Tränen in die Augen: "Eine halbe Stunde vorher war ich noch mit einem Praktikanten und einem Kind in einem Therapieraum in dem alten Hofgebäude. Dann sind wir raus, denn wir mussten einen Wohnwagen befestigen, der drohte sich selbstständig zu machen. Dann gab es nur noch einen lauten Knall und die Ziegel flogen."

Streit mit der Versicherung

Der Sturm hatte das gesamte Dach des alten Hofes abgedeckt. Außerdem stürzten die beiden oberen Geschosse ein. Es steht heute noch alles so da wie vor einem Jahr. Daniela Hahn darf weder das Gebäude noch den Umkreis des zerstörten Hauses betreten. Denn das Ganze ist noch immer ein Fall, der die Rechtsanwälte beschäftigt.

Mittlerweile hat die Vereinsvorsitzende mehrere Aktenordner voll mit Schreiben von ihrer Versicherung. Das Problem: Daniela Hahn möchte einen Neubau für den Verein, da aus ihrer Sicht gar nicht klar ist, ob aus dem Trümmerhaufen überhaupt wieder ein Gebäude aufgebaut werden könnte. In einem Gutachten, das die Versicherung erstellt hat, fehlt das Thema Statik. Daher ist nicht klar, ob ein Wiederaufbau überhaupt möglich wäre. Alle bisher angefragten Bauunternehmen würden den Wiederaufbau des Hofes nicht übernehmen.

Keine Verletzten

"Irgendwie ist man wie in einem Vakuum: Es geht nicht vor und nicht zurück. Trotzdem möchte ich natürlich eine gütliche Einigung mit der Versicherung erreichen", sagt die ursprünglich aus Hessen stammende Frau. Bis jetzt ist nur ein Teil der Summe geflossen, auf die man im Verein glaubt, ein Recht zu haben. Hahn sagt, dass sie sehr unter dem Stress leidet, den sie seit Christian täglich hat. Trotzdem, ergänzt sie, war es irgendwie ja auch Glück: Schließlich wurden weder Kinder oder einer aus ihrem Team und auch nicht sie selbst verletzt. Und das ist ja schließlich die Hauptsache.

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Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Beitrags ist uns ein Fehler unterlaufen. Sturm "Christian" wütete natürlich nicht am 28. November 2013 in Schleswig-Holstein, sondern am 28. Oktober 2013.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Guten Morgen Schleswig-Holstein | 28.10.2014 | 06:40 Uhr