Stand: 12.02.2016 10:38 Uhr

Freie Schulen beklagen verzerrtes Abi-Ranking

Bild vergrößern
Mehrere Vertreter der freien Schulen kritisieren die Abiturnoten-Statistik von Bildungsminister Brodkorb. (Archivbild)

Zwischen Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) und den freien Schulen im Land gibt es erneut Streit. In seiner aktuellen Statistik über Abitur-Durchschnitte ließ der Minister die Leistungen der Schüler an den 17 Privat-Gymnasien unberücksichtigt. Mehrere betroffene Schulen werfen dem Minister vor, er liefere ein verzerrtes Bild.

500 Abiturienten fehlen in der Statistik

Unter dem Titel "Die besten Schulen in Mecklenburg-Vorpommern" veröffentlichte Brodkorb am vergangenen Mittwoch ein Ranking der Durchschnitts-Abiturnoten an 82 Gymnasien. Allerdings hat der Minister dabei nur die rund 3.700 Abiturienten an den staatlichen Schulen berücksichtigt. Die freien Schulen und ihre gut 500 Absolventen spielen keine Rolle. Brodkorbs Statistik liefere ein falsches Bild, meinen die Privatschulen. Denn mindestens zwei Privat-Gymnasien, das CJD in Rostock (Abi-Schnitt 1,78) und das Schlossinternat in Torgelow bei Neubrandenburg (1,93), haben Spitzenergebnisse. Sie liegen mindestens gleichauf mit den beiden von Brodkorb ausgemachten "besten Schulen des Landes".

Freie Schulen fühlen sich "an die Seite gestellt"

Das Gymnasium Torgelow beklagte eine mangelnde Objektivität der Statistik. Das Bildungsministerium sei für alle Schulen da, sagte ein Sprecher. Die Durchschnittsnoten würden in Schwerin vorliegen, sie würden vom Ministerium sogar eingefordert, blieben aber dennoch unberücksichtigt. "Wir sind Teil des Schulwesens und gehören in die Statistik", sagte Geschäftsführer Mario Lehmann. Brodkorb solle die freien Schulen endlich als Bereicherung der Schullandschaft und nicht als lästige Konkurrenz sehen. Ähnlich äußerte sich der Leiter des CJD in Rostock, Steffen Kästner. Die freien Schulen würden "erneut an die Seite gestellt". Dabei müssten auch sie ihre Noten-Durchschnitte nach Schwerin melden. Diese würden aber - wie immer - unbeachtet bleiben.

Grünen-Expertin kritisiert Brodkorb

Rückendeckung bekommen die freien Schulen von der bildungspolitischen Sprecherin der Grünenfraktion, Ulrike Berger. Brodkorb zeige einmal mehr, dass er sich nicht als Bildungsminister aller Schülerinnen und Schüler verstehe, so Berger. Erneut ignoriere er die beachtlichen Leistungen, die auch an freien Schulen erbracht würden. Dort würden mittlerweile zwölf Prozent aller Schüler unterrichtet.

Ministerium: Keine Aufsicht über freie Schulen

Das Ministerium widerspricht. Es habe nicht die Schulaufsicht über die freien Schulen: "Zuständig für die Schulaufsicht der freien Schulen ist die Arbeitsgemeinschaft freier Schulen", erklärte ein Ministeriumssprecher. Die Privatgymnasien seien für die Veröffentlichung selbst zuständig, deshalb würden sie freie Schulen heißen. Außerdem meldeten nicht alle freien Schulen ihre Ergebnisse, so der Sprecher auf Anfrage. Zu der Kritik, das Ministerium lasse die Leistungen der 500 Abiturienten an freien Schulen unberücksichtigt, äußerte er sich nicht.

Weitere Informationen

Bestnoten für Abiturienten in MV

4.248 Schüler haben 2015 in Mecklenburg-Vorpommern das Abitur abgelegt - immerhin 1.200 von ihnen mit einem Einser-Schnitt. Bildungsminister Brodkorb sieht das Abitur in zwölf Jahren gestärkt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 12.02.2016 | 06:00 Uhr