Stand: 07.10.2010 07:17 Uhr

Alt Tellin: Ferkelaufzucht kann gebaut werden

"Grünes Licht" für den Bau der größten Aufzuchtanlage für Sauen und Ferkel Europas in Alt Tellin: Nach rund zweijähriger Prüfung hat das staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt in Neubrandenburg die Baugenehmigung für das Großprojekt im Kreis Demmin erteilt.

250.000 Ferkel jährlich

Damit kann der niederländische Investor Adrian Straathof auf einem ehemaligen LPG-Gelände Ställe für insgesamt 10.500 Sauen errichten. Sie sollen pro Jahr bis zu 250.000 Ferkel werfen, die später in anderen Anlagen bis zur Schlachtreife gemästet werden. Die Genehmigung gilt sowohl für den Bau einer Biogasanlage als auch für Lagerbehälter von Gülle und Gärresten.

Baubeginn noch 2010

Straathof will auf dem Gelände insgesamt rund 15,6 Millionen Euro investieren. Der Unternehmer hatte bereits im Vorfeld der Entscheidung angekündigt, möglichst noch in diesem Jahr mit dem Bau der Anlage zu beginnen. Nach eigenen Angaben betreibt der Niederländer bundesweit insgesamt sieben Schweinezucht- und -mastanlagen, darunter seit 2006 einen Schweinemastbetrieb im unweit von Alt Tellin gelegenen Medow mit rund 2.200 Sauen und 8.000 Ferkeln.

Jede Investition ist ein Plus fürs Land

Der Landesbauernverband begrüßte die Genehmigung. Jede Investition in Veredelung sei ein Plus für das Land, egal in welcher Größe, sagte Präsident Rainer Tietböhl. Ähnlich äußerte sich die CDU-Agrarexpertin im Landtag, Beate Schlupp. Ihr Kollege von der Linksfraktion, Fritz Tack, hingegen sprach von einer "völlig überdimensionierten Anlage". Sie stehe im Widerspruch zu nachhaltiger Agrarproduktion und regionalen Wirtschaftskreisläufen.

Umweltschützer und Bürgerinitiativen enttäuscht

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Die geplante Anlage sorgte bei Umweltschützern und Bürgerinitiativen für Proteste.

Die Gegner des Vorhabens zeigten sich von der Entscheidung enttäuscht. Sie befürchten eine Überdüngung der Gewässer im Tollensetal und kritisieren das massive Gülleaufkommen, die zu erwartende Geruchs- und Lärmbelästigung sowie mögliche Nachteile für die kleine, ländliche Tierhaltung. Nach Auffassung vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und der Bürgerinitiative "Leben am Tollensetal" widerspricht die Anlage zudem geltendem Tierschutz- und Umweltrecht. Die Bürgerinitiative befürchtet eine Beeinträchtigung des Tourismus, ein höheres Verkehrsaufkommen und sinkende Immobilienpreise.

40 bis 50 Arbeitsplätze sollen geschaffen werden

Nach Angaben von Bauleiter Peter Meyer wird die Anlage mit einer dreistufigen Abluftfilter- und -reinigungsanlage sowie sieben abgedeckten Großbehältern für Gülle ausgestattet. Insgesamt würden 40 bis 50 Arbeitsplätze geschaffen. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft befürchtet jedoch, dass industrielle Tierproduktionsanlagen Arbeitsplätze in der konventionellen Landwirtschaft vernichten.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.10.2014 | 12:00 Uhr

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