Stand: 26.07.2016 15:15 Uhr

Wann geht's mal wieder auf den Fernsehturm?

Schon seit 15 Jahren ist das mit 279 Metern höchste Gebäude Hamburgs mittlerweile geschlossen. Es gibt jetzt - mal wieder - einen kleinen Hoffnungsschimmer, dass Hamburger und Touristen bald wieder den imposanten Blick vom Fernsehturm über die Dächer der Stadt genießen können. Um den Heinrich-Hertz-Turm wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, führt die Stadt Gespräche mit der Eigentümergesellschaft Deutsche Funkturm GmbH (DFMG), einer Tochter der Telekom. Das bestätigte Senatssprecher Jörg Schmoll am Dienstag NDR.de. "Viele Hamburgerinnen und Hamburger fänden es gut, wenn der Fernsehturm wieder für Besucher geöffnet wäre. Das sehen wir auch so.“

So schön ist der Ausblick vom Fernsehturm

Telekom-Sprecherin: Suche nach Lösung - aber nichts Konkretes

Auch Telekom-Sprecherin Stefanie Halle bestätigte Gespräche: "Es ist richtig, dass wir nach einer dauerhaften Lösung suchen. Ein möglicher Betreiber muss allerdings viel Geld investieren. Es muss ein finanziell tragfähiges und seriöses Konzept sein", sagte Halle. Daran seien bisher alle Vorhaben, den Turm wiederzubeleben, gescheitert. Immerhin werden die Kosten auf 25 Millionen Euro geschätzt. Die Telekom würde jedenfalls nicht als Betreiber fungieren, so Halle. Senatssprecher Schmoll ergänzte: "Auch die Stadt nimmt es nicht in die Hand. Sie kann nicht als Betreiber oder Pächter auftreten, sondern nur als Vermittler."

"Wer will, dass dort etwas passiert, sollte vorher nicht so viel darüber reden", betonte Halle. "Deshalb kommentieren wir die Sache auch nicht weiter." Ein Seitenhieb gegen die zahlreichen Visionäre, die in den vergangenen Jahren zwar Ideen - aber nicht das nötige Geld für die Wiedereröffnung hatten. Auch die Stadt setzt auf vertrauliche Gespräche. Wenn Ideen in der Öffentlichkeit diskutiert würden, wäre das oft nicht zielführend, so Schmoll.

2001 geschlossen - bisher kein Betreiber gefunden

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Der Hamburger Fernsehturm ist mit 279 Metern das höchste Gebäude der Stadt.

2001 war der Turm wegen Asbestbelastung geschlossen worden. Nach der Sanierung fand die DFMG allerdings keine neuen Mieter. Immer wieder gab es Versuche, den auch "Telemichel" genannten Turm wieder zu öffnen, aber regelmäßig scheiterten die Pläne - vor allem am Denkmalschutz und eben an den hohen Sanierungskosten. Nach Informationen des "Hamburger Abendblatts" wollen Stadt und DFMG nun gemeinsam mit der TV Turm Alexanderplatz Gastronomiegesellschaft mbh, die den Fernsehturm in Berlin betreibt, prüfen, wie profitabel eine Bewirtschaftung des Turmes an den Messehallen sein könnte. Das wollten allerdings weder Schmoll noch Halle so bestätigen. "Es muss grundsätzlich ein Betriebskonzept sein, das auch funktioniert. Dafür braucht man Know-How. Die Betreiber aus Berlin könnten uns mit ihrer Expertise sicher helfen", sagte Schmoll nur.

Stiftung "Fernsehturm - Hamburg aufwärts" erarbeitete Konzept

Die im Juli 2015 gegründete Stiftung "Fernsehturm – Hamburg aufwärts" bemüht sich derzeit auch um die Wiederbelebung - bisher allerdings ohne Erfolg. Dabei liegen die Voraussetzungen für eine Sanierung grundsätzlich vor: Das Bezirksamt Mitte erteilte der Arbeitsgemeinschaft Fernsehturm (Arge) einen positiven Bauvorbescheid. Die Stiftung stellte im Herbst 2015 ein Konzept zur Wiederbelebung des Turms vor, es gab bereits einen Pachtvertragsentwurf. Der Bezirk genehmigte das Konzept, das unter anderem einen Ausbau mit nichtbrennbaren Baustoffen, neuer Fahrstuhltechnik und einer modernen Entrauchungsanlage vorsieht.

Die Stiftung hatte ursprünglich das Ziel, schon bis Ende 2016 etwa 15 Millionen an Spenden zu sammeln, um mit dem Projekt starten zu können. "Es war aber leider noch nicht möglich, große Sponsoren zu finden, da es noch keinen unterschriebenen Pachtvertrag gab. Wir konnten nicht richtig los legen", erklärte der Stiftungsvorsitzende Heinfried Strauch. Mehrere Tausend Euro seien aber schon durch Kleinspenden zusammen gekommen.

Absichtserklärung widerrufen - Stiftung hofft auf Gemeinschaftsprojekt

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Der Heinrich-Hertz-Turm steht direkt neben den Messehallen.

Mittlerweile hat die DFMG jedoch eine getroffene Absichtserklärung widerrufen. Dennoch wäre die Stiftung weiter an einer Zusammenarbeit mit der Stadt und der DFMG interessiert. "Wenn wir eine gemeinsame Lösung mit der Stadt, der Stiftung und der DFMG finden, um das Projekt zu realisieren, dann wäre das die beste Lösung", sagte Strauch. Er betonte, man werde alles daran setzen, wieder ins Geschäft zu kommen. Ein Gesprächstermin sei bereits vereinbart. "Ich bin zuversichtlich, dass es diesmal klappen kann, eigentlich gibt es kein Zurück mehr. Jetzt haben wir die große Chance."

Finanzierung ist größtes Hindernis

Die Stiftung geht von Kosten in Höhe von rund 25 Millionen Euro aus. Allein 12,5 Millionen Euro müssten in Sicherheit und Brandschutz investiert werden. Dazu kommen etwa fünf Millionen Euro für den Sockel und den Eingangsbereich. Nur ein Restaurant im Turm zu betreiben, hält die Stiftung für wirtschaftlich nicht tragbar. "Besser wäre, wenn wir den Turm auch bespielen könnten", sagte Strauch. Der Besuch müsse ein Erlebnis werden. Nach Berechnungen der Stiftung könnten 435 Besucher gleichzeitig die Aussicht von den beiden Heinrich-Hertz-Plattformen genießen. 600.000 Besucher könnten es pro Jahr sein. Strauch betonte, dass das Stiftungs-Konzept nachhaltig und seriös sei. Der Businessplan sei für 20 Jahre erstellt worden.

Ob - wie ursprünglich von der Stiftung geplant - schon zum 50. Jubiläum des Fernsehturms am 1. Mai 2018 Eröffnung gefeiert werden kann, ist allerdings mehr als fraglich. Zumal Schmoll sagte: "Es gibt noch keinen Zeitplan - und auch keinen Zeitdruck."

Der Hamburger Fernsehturm

Der Hamburger Fernsehturm - auch Telemichel genannt - gehört zu den wichtigsten Wahrzeichen der Stadt. Der Heinrich-Hertz-Turm wurde von 1965 bis 1968 in Stahlbetonweise erbaut. Die Baukosten betrugen 57,2 Millionen D-Mark. Die offizielle Eröffnung wurde am 1. Mai 1968 gefeiert. Bis zu seiner Schließung am 1. Januar 2001 wegen Asbestbelastung hatten Hamburger und Touristen die Möglichkeit, mit einem Fahrstuhl hochzufahren. Die untere Aussichtsplattform liegt auf 124 Metern, die Restaurantplattform auf 127 Metern Höhe. In einer Höhe von 204 Metern endet der Stahlbetonteil des Turms. Darüber ist der stählerne Gittermast mit der aufmontierten Rundfunk- und Fernsehsendeantenne errichtet. Der Mast und die Antenne erreichen zusammen eine Länge von 75,2 Metern. Die Gesamthöhe des Turms ist 279,2 Meter, es ist das höchste Gebäude der Stadt. Das Gesamtgewicht beträgt 43.000 Tonnen. Der Fernsehturm dient nach wie vor als Träger von Telekommunikations- und Sendeeinrichtungen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 26.07.2016 | 15:00 Uhr

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