Stand: 09.02.2017 18:21 Uhr

Öffentlicher Dienst: Tausende legen Arbeit nieder

Im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes der Länder haben sich erneut Tausende Beschäftigte an Warnstreiks beteiligt. In Hamburg versammelten sich nach Gewerkschaftsangaben rund 3.000 Menschen, um ihrer Forderung unter anderem nach sechs Prozent mehr Lohn Nachdruck zu verleihen. Sie zogen vom Domplatz in der Innenstadt zum Gewerkschaftshaus, wo es eine Abschlusskundgebung gab. Bestreikt wurden Schulen und Hochschulen, aber auch Bezirksämter und Behörden. Die Gewerkschaft ver.di hatte zusammen mit der Lehrergewerkschaft GEW und der Gewerkschaft der Polizei (GdP) alle rund 28.000 Landesbeschäftigten zum Streik aufgerufen.

Forderung: Sechs Prozent mehr Lohn

Die Gewerkschaften wollen gemeinsam Druck machen, um ihre Forderung nach sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt durchzusetzen. Dafür habe die Stadt genug Geld, sagte ver.di-Tarifkoordinatorin Sieglinde Frieß und verwies auf die hohen Steuermehreinnahmen im vergangenen und laufenden Jahr. Zudem sollen unter anderem sachgrundlose Befristungen abgeschafft werden und es soll eine verbindliche Übernahmeregelung für Auszubildende vereinbart werden. Die Arbeitgeberseite, die Tarifgemeinschaft deutscher Länder, hatte wiederholt deutlich gemacht, dass sie die Gewerkschaftsforderung für viel zu hoch hält. Ein Angebot der Arbeitgeber gibt es trotz zweier Verhandlungsrunden noch nicht. Die dritte und vorerst letzte Verhandlungsrunde ist vom 16. bis 18. Februar in Potsdam geplant.

Die Forderungen im aktuellen Tarifkonflikt

Die Gewerkschaften im öffentlichen Dienst fordern in der Tarifrunde 2017 insgesamt sechs Prozent mehr Lohn. Auszubildende und Praktikanten sollen eine monatliche Erhöhung von 90 Euro erhalten. Außerdem verlangt die Arbeitnehmerseite strukturelle Verbesserungen im Tarifvertrag. So sollen die "sachgrundlosen Befristungen" von Arbeitsverträgen abgeschafft sowie eine verbindliche Übernahmeregelung für Auszubildende vereinbart werden. Bei den Verhandlungen geht es zunächst um die Entgelte von rund einer Million Angestellten der Länder.

"Wir wollen mehr Geld"

"Wir haben keinen Bock mehr auf warme Worte und irgendwelches Wertschätzungs-Blablabla. Wir wollen mehr Geld", sagte der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbunds (dbb) in Hamburg, Rudolf Klüver. Hamburgs GdP-Chef Gerhard Kirsch warf den Arbeitgebern Missachtung der Beschäftigten und eine "kalte Arroganz der vermeintlichen Macht" vor. Er erinnerte die Politik daran, dass während des Zustroms Hunderttausender Flüchtlinge im Wesentlichen der öffentliche Dienst "das totale Chaos" verhindert habe.

Die rund 28.000 Tarifbeschäftigten des öffentlichen Diensts in Hamburg teilen sich nach Gewerkschaftsangaben etwa 25.000 Vollzeitstellen. Darüber hinaus gehörten zum öffentlichen Dienst der Hansestadt rund 40.000 Beamte - etwa Lehrer, Feuerwehrleute oder Polizisten -, die sich 35 000 Vollzeitstellen teilten. Beamte dürfen nicht streiken. Gleichwohl sind sie nach GdP-Angaben direkt von den Tarifverhandlungen betroffen, da ein möglicher Abschluss auch auf sie übertragen werden soll.

Weitere Informationen

Gewerkschaften lassen die Muskeln spielen

Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst wollen sechs Prozent mehr Gehalt. Dafür gingen sie auch am Donnerstag wieder im Norden auf die Straße. Auch die Schulen waren betroffen. (01.02.2017) mehr

Warnstreik: Nicht alle Flieger pünktlich

Die Gewerkschaft ver.di hat Mitarbeiter am Hamburger Flughafen zum Streik aufgerufen. Rund 100 Mitarbeiter beteiligten sich am Ausstand, es kam vereinzelt zu Verspätungen. (08.02.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 09.02.2017 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

02:09

65-Jährige erschlagen: Vier Personen in U-Haft

17.10.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
01:57

Baustellen-Plage: Auf den Straßen ist es eng

17.10.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
03:06

Zwei Schiffswracks und ihre Geschichte

17.10.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal