Stand: 09.06.2015 15:29 Uhr

Mehr Kinder nutzen Bildungs- und Teilhabepaket

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Nachhilfe ist nur eines von zahlreichen Angeboten des Bildungs- und Teilhabepakets.

Immer mehr bedürftige Kinder und Jugendliche in Hamburg nutzen die Angebote des Bildungs- und Teilhabepakets. "Wir haben fast überall mindestens zweistellige Steigerungsraten", sagte Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) am Dienstag. Insgesamt seien 2014 fast 46 Millionen Euro ausgegeben worden, wobei rund 37 Millionen vom Bund und etwa neun Millionen Euro von der Stadt kamen.

"Wichtiger Bestandteil für gleichberechtigte Teilhabe"

Zu Beginn war das Bildungspaket, eine Idee des Bundesfamilienministeriums, in Hamburg umstritten - unter anderem weil ein hoher bürokratischer Aufwand befürchtet wurde. Jetzt zog der Senat eine positive Bilanz. Scheele: "Auch wenn es nur zehn Euro im Monat sind, ist es doch inzwischen ein wichtiger Bestandteil, um Kindern aus benachteiligten Elternhäusern eine möglichst gleichberechtigte Teilhabe zu sichern." Besonders erfreut zeigte sich Scheele über den massiven Anstieg der Teilnehmerzahl bei Sport- und Kulturangeboten oder Freizeitaktivitäten von rund 7.400 im Jahr 2011 auf knapp 15.400 im vergangenen Jahr. Denn anders als etwa das Mittagessen oder Klassenfahrten würden diese nicht über Institutionen wie Kitas oder Schulen erbracht. Um diese Angebote wahrnehmen zu können, müssten sich vielmehr die Eltern für ihre Kinder selbst auf den Weg machen.

Steigendes Interesse an kulturellen Angeboten

Fast verdoppelt hat sich die Unterstützung bei Schulausflügen, beim Mittagstisch und die Lernförderung. Gleich vier Mal so hoch wie vor vier Jahren ist das Interesse an kulturellen Angeboten. So nutzen rund 4.800 Kinder jetzt kostenlos die Bücherhallen. Ein Grund sei die unbürokratischen Handhabung in Hamburg, findet Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos): "Der Erfolg gibt uns recht. Und ich denke, dass wird zunehmend wichtiger werden - vielleicht gerade auch in einer Stadt wie Hamburg." Denn besonders gefördert werden kulturelle Angebote in benachteiligten Stadtteilen.

Anspruch seit 2011

Das Bildungs- und Teilhabepaket ist Teil der 2010 vom Bundesverfassungsgericht angemahnten Reform der Hartz-IV-Leistungen. Arme Kinder haben seit 2011 Anspruch auf ein warmes Mittagessen, bei Bedarf Nachhilfe, Geld für mehrtägige Klassenfahrten und kostenlose Schülerbeförderung. Gleiches gilt für die sogenannte soziokulturelle Teilhabe. Während die Zahl der Teilnehmer seit 2011 gestiegen ist, ist die Zahl der Anspruchsberechtigten laut Sozialbehörde währenddessen um etwa 3.000 auf rund 90.000 gesunken.

Die sozialpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Mareike Engels, freute sich über die Zahlen. "Das zeigt, dass Hamburg auf dem richtigen Weg ist und die Leistungen des Pakets dort ankommen, wo sie gebraucht werden." Ähnlich äußerte sich die FDP-Opposition. FDP-Familienexperte Daniel Oetzel kündigte jedoch an, über eine kleine Anfrage zu klären, "ob Hamburg alle zur Verfügung stehenden Mittel auch wirklich ausnutzt." 2012 seien noch etwa 15 Millionen Euro Bundesmittel ungenutzt geblieben und im Haushalt versickert.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 09.06.2015 | 16:00 Uhr