Stand: 16.10.2015 07:05 Uhr

Junge Union erwartet Merkel in Hamburg

Die Junge Union veranstaltet ihren Deutschlandtag nach mehr als 40 Jahren wieder in Hamburg. Von heute bis Sonntag diskutieren etwa 1.000 junge CDU-Mitglieder. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt. Eine Stunde lang wird sie reden und sich den Fragen der JU-Mitglieder stellen. Hauptthema wird die Flüchtlingspolitik sein. Die JU hat bereits angekündigt, zum Ende der Tagung eine "Hamburger Erklärung" zu verabschieden. In der will sie auf Distanz zum Willkommens-Kurs der Kanzlerin gehen. Wie ist die Stimmung vor der Diskussionsrunde?

Von Elisabeth Weydt, NDR Info

Bild vergrößern
Die Bändchen liegen schon bereit: Dieses Jahr findet der Deutschlandtag der JU in Hamburg statt.

Vor dem Ludwig-Erhard-Haus an der Alster trainieren Ruderer im Vierer, drinnen laufen die Vorbereitungen zu ihrer jährlichen Tagung. "Wir sind stolz darauf, dass wir den Deutschlandtag hier nach Hamburg geholt haben", sagt Niclas Heins. Er ist 21 Jahre alt und stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Union. In Hemd, Pullunder und Jackett sitzt er zwischen leeren Flaschen, Kartons mit Flyern, Heften und Eintrittsbändchen unter dem Dach des altehrwürdigen Hauses.

Ein Wochenende mit viel Diskussion

Er ist sicher, dass es am Wochenende im Congress Center Hamburg (CCH) viele Diskussionen geben wird: "Ich glaube, wir können feststellen, dass einige Mitglieder etwas verunsichert sind. Sie fragen sich: 'Wie geht es weiter? Schaffen wir das mit der Zahl der Flüchtlinge?'" Er selbst stehe hinter Merkel, will jetzt von der Kanzlerin aber konkrete Schritte sehen. Nach dem "Wir schaffen das" müsse immer auch ein "wenn" kommen. Heins wünscht sich eine Positionierung der Kanzlerin. Sie müsse zeigen, dass in Deutschland klare Regeln gelten, dass das Grundgesetz gilt und dass das alles Voraussetzungen für Integration sind.

"Stammtischparolen bringen nicht weiter"

Bild vergrößern
Niclas Heins freut sich auch auf die JU-Mitglieder aus Bayern, wünscht sich aber eine maßvolle Argumentation.

Auch müsse es ein begrenztes Kontingent an Flüchtlingen geben. Dazu benötige man seiner Meinung nach dringend ein Zuwanderungsgesetz und eine härtere Abschiebepraxis. Die harsche Kritik von der CSU führe da aber nicht weiter, sagt Heins. "Umso mehr freue ich mich, dass auch die bayerischen Freundinnen und Freunde der Jungen Union und auch der CSU nach Hamburg kommen." Ihnen will er mit auf den Weg geben, dass man maßvoll argumentieren müsse. "Wir müssen auf der einen Seite natürlich Dankbarkeit zeigen für den Beitrag, den Bayern da leistet, aber letztendlich bringen uns Stammtischparolen nicht weiter", sagt er.

Vertrauen in Merkel?

Im Erdgeschoss des Hauses läuft eine Informationsveranstaltung zum umstrittenen Freihandelsabkommen TTIP. Laura Dieball hat aufmerksam zugehört und sich Notizen gemacht. Sie ist 21 und seit einem Jahr bei der Jungen Union. "Grundsätzlich ist mein Vertrauen in Frau Merkel unerschüttert", sagt sie. Sie findet, dass Merkel das Richtige mache, weil es darum gehe, Menschen zu helfen, die vor Krieg fliehen. "Die Menschen könnten sich alle mal wieder ein bisschen beruhigen." Sie erwarte von einer Bundeskanzlerin, dass sie nicht immer nach Mehrheit und Umfragewerten regiere, sondern nach dem, was sie für richtig hält und was auch in den Werten der Partei festgeschrieben ist.

"Pragmatikmodus bitte, Frau Merkel"

Jakob Schrot gehört zur Jungen Union Brandenburg. Er wünscht sich eine klare Positionierung der Jungen Union gegen die eine oder andere CSU-Forderung. "Ich glaube, die Kanzlerin hat richtig emotional impulsiv gehandelt, aber jetzt muss sie wieder auf Pragmatikmodus schalten, wie das gelöst wird." Er könne sich keinen vorstellen, der die Lage besser verwalten und gestalten würde als die Kanzlerin.

Weitere Informationen

Asylpolitik: Merkels Basis geht auf die Barrikaden

Der Landtagsabgeordnete Marc Reinhardt hat als einziger CDU-Politiker aus MV einen Protestbrief gegen die Asylpolitik von Bundeskanzlerin Merkel unterzeichnet. Darin wird ein Umsteuern gefordert. (08.10.2015) mehr

CSU fordert Obergrenze für Kriegsflüchtlinge

21.09.2015 06:08 Uhr
NDR Info

Der Vorsitzende der CSU-Landtagsfraktion in Bayern, Thomas Kreuzer, hat auf NDR Info eine Obergrenze für die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen gefordert. Damit widersprach er Kanzlerin Merkel. (21.09.2015) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 16.10.2015 | 06:50 Uhr