Stand: 04.11.2015 09:11 Uhr

Hapag-Lloyd: Nur 20 Euro pro Aktie

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Mit dem Erlös aus dem Börsengang will Hapag-Lloyd unter anderem neue Großcontainerschiffe kaufen.

Dem Börsengang von Hapag-Lloyd steht nichts mehr im Wege. Die Hamburger Traditionsreederei hat nun doch genügend Interessenten für ihre Aktien gefunden - allerdings zu einem deutlich niedrigeren Preis als ursprünglich vorgesehen. Die angebotenen Aktien seien für 20 Euro je Stück verkauft worden, teilte das Unternehmen am Dienstagabend mit. Das ist das untere Ende der bereits gesenkten Preisspanne von 20 bis 22 Euro. Zuvor wollte Hapag-Lloyd noch 23 bis 29 Euro haben. Aber zu diesem Preis fanden sich nicht ausreichend Interessenten. Den Börsengang verschob das Unternehmen vom Ballindamm deshalb um eine Woche.

Der angepeilte Bruttoemissionserlös von rund 300 Millionen US-Dollar wird wegen der angehobenen Aktienzahl dennoch erreicht. Am Freitag soll die Hapag-Lloyd-Aktie zum ersten Mal an der Börse gehandelt werden.

Tschentscher: "Ein wichtiger Schritt"

"Der Börsengang von Hapag-Lloyd ist trotz des niedrigen Emissionspreises ein wichtiger Schritt für das Unternehmen, das sich damit neue Handlungsmöglichkeiten für die Zukunft eröffnet", erlärte Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD). Der erzielte Emissionspreis sei den schwierigen Bedingungen an den Kapitalmärkten geschuldet und spiegele nicht den fundamentalen Unternehmenswert wider. Die Stadt Hamburg wie auch die anderen Aktionäre könnten in Zukunft von der Möglichkeit profitieren, Aktien zu verkaufen, ohne die Stabilität von Hapag-Lloyd zu gefährden, sagte Tschentscher.

Kritik von der Opposition

Das Prinzip, dass die Stadt ihr Geld zurück bekommen wolle, gelte weiter, so der Finanzsenator. Der Fraktionschef der Grünen, Anjes Tjarks, sagte NDR 90,3: "Es ist wichtig, dass wir einen langen Atem haben. Und wenn wir diesen langen Atem haben, dann besteht zumindest die Wahrscheinlichkeit." Scharfe Kritik kommt dagegen von der Opposition. Norbert Hackbusch von der Linken glaubt nicht, dass die Stadt ihre Milliarde für Hapag-Lloyd zurück bekommt. "Der Senat muss der Wirklichkeit ins Auge sehen. Wir müssen gegenwärtig feststellen, dass die Situation um Hapag-Lloyd sehr kritisch ist für die Stadt." Und Michael Kruse, FDP, nannte den Zeitpunkt verfehlt: "Ich denke, dass der Börsengang überhastet war."

Geld für Riesen-Containerschiffe?

Hapag-Lloyd will von dem Erlös des Börsengangs unter anderem Schiffe und Container kaufen. Vermutlich wird die Reederei erstmals in das Segment der Schiffe mit bis zu 20.000 Standardcontainern Tragfähigkeit einsteigen, den größten Schiffen der Welt. Sie werden vor allem auf der Route zwischen Asien und Europa eingesetzt, wo die Frachtraten am niedrigsten sind. Die Reedereien sind deshalb auf besonders effiziente und konkurrenzfähige Schiffe angewiesen, um im Wettbewerb bestehen zu können.

Hamburgs Anteile wohl weniger wert

Die Stadt Hamburg bleibt auch nach dem Börsengang einer der größten Anteilseigner. Allerdings muss die Stadt laut NDR 90,3 ihre Anteile voraussichtlich um die Hälfte abwerten - ein Verlust von rund einer halben Milliarde Euro innerhalb weniger Jahre. Finanzsenator Tschentscher erklärte, dass für die Stadt weder der Ausgabepreis noch der sich zum Jahresende ergebende Börsenkurs für die Bewertung ihrer Beteiligung an Hapag-Lloyd maßgeblich sei. Erst im kommenden Jahr werde sich herausstellen, ob von einer Wertminderung des Aktienbestandes auszugehen sei.

Hapag-Lloyd ist nach der Fusion mit der chilenischen Reederei CSAV mit 188 Schiffen die viertgrößte Container-Reederei der Welt. Rund um den Globus beschäftigt das Unternehmen rund 10.000 Mitarbeiter, gut ein Zehntel von ihnen in Hamburg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.11.2015 | 08:00 Uhr

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