Stand: 12.01.2016 18:12 Uhr

Haftstrafe für Polizisten wegen Kinderpornos

Das Amtsgericht Hamburg hat am Dienstag einen Polizisten wegen des Besitzes und der Verbreitung von kinderpornografischen Bildern und Videos zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt. Der 57-Jährige hat nach Auffassung des Gerichts zwischen den Jahren 2009 und 2013 kinderpornografische Videos über eine Internettauschbörse anderen Nutzern zur Verfügung gestellt und zudem 5.351 Dateien besessen. Ferner habe der Mann 25 Bild- und Videodateien aus dem Internet heruntergeladen.

Die digitalen Aufnahmen zeigen dem Gericht zufolge den schweren Missbrauch von Kindern im Alter zwischen vier Monaten und 13 Jahren. "Das sind Tausende Kinder, die auf schlimmste Art missbraucht wurden", sagte die Vorsitzende Richterin bei der Urteilsbegründung. Menschen wie der Angeklagte heizten den Markt für Kinderpornos immer weiter an, sagte sie. Da gäbe es keine Ausreden nach dem Motto: "Ich schau ja nur, ich mach ja nichts."

Gericht: Darstellung des Angeklagten unglaubwürdig

Der Polizist hatte im Prozess geschwiegen, ließ nur über seinen Verteidiger erklären, dass Stricher, die zeitweise bei ihm wohnten, sich ohne sein Wissen am Computer zu schaffen gemacht hätten. Er sei homosexuell, aber nicht pädophil. "Sehr konstruiert", fand Richterin Schorn diese Darstellung "Unterschiedliche Stricher hätten keinen Nutzen davon gehabt, weil sie nicht auf Dauer da blieben", sagte sie. Zudem habe ein Gutachten ergeben, dass der Angeklagte zu den Tatzeiten am Computer saß.

Absolut unglaubwürdig, sagte auch die Staatsanwältin dazu. Der Angeklagte, der fast täglich in entsprechenden Tauschbörsen unterwegs war, sei als Polizist nicht mehr tragbar. Die Anklage forderte eine Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Ganz anders sah es der Verteidiger: Es gehe nicht um den Missbrauch der Kinder, sondern um Bild- und Videomaterial. Da könne irgendjemand den Rechner seines Mandanten genutzt haben. Die Verteidigung forderte einen Freispruch.

Berufliche Konsequenzen sind strafmildernd

Ihr sei zwar klar, dass es ein pädophiler Polizist im Gefängnis schwer hat, aber rein gar nichts spräche für eine milde Strafe, sagte die Vorsitzende Richterin. Außerdem seien Polizisten härter zu bestrafen. Die beruflichen Konsequenzen, die dem Angeklagten nach dem Urteil bevorstehen, sind der Richterin zufolge strafmildernd: Er werde aus dem Beamtendienst entlassen und erhalte keine Pensionsbezüge. Damit werde er nach der Haftstrafe wohl zum Sozialfall. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 12.01.2016 | 18:00 Uhr