Stand: 19.02.2016 18:30 Uhr

Der G20-Gipfel in Hamburg - ein Streitgespräch

Im Sommer 2017 wird in Hamburg der G20-Gipfel staffinden. Die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Nationen treffen sich dann im Rathaus. Während Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) die Entscheidung für Hamburg als Austragungsort begrüßt, halten die Grünen und Die Linke die zweitägige Großveranstaltung für problematisch. Auch bei NDR 90,3 sind die Meinungen geteilt. Jörn Strähler-Pohl ist gegen den Gipfel und sieht Hamburg zu einer Kulissen verkommen. Reinhard Postelt ist für die Veranstaltung und setzt auf die Macht der Bilder. Ein Streitgespräch.

Reinhard Postelt: Hamburg ist eine weltoffene Stadt und wir gehören auch in die oberste Kategorie. Die Bilder, die wir bekommen, wenn die 20 größten Staatsmänner und -frauen vor dem Rathaus stehen, sind einfach unbezahlbar. Das sind Bilder, wie wir sie sonst nur zu den Olympischen Spielen hätten bekommen können. Und dafür hätten wir Milliarden bezahlen müssen. Das heißt: Wir kriegen den Aufwand von Olympia für den Preis einer Landesmeisterschaft.

Staats- und Regierungschefs beim G20-Gipfel in Antalya 2015

Streitgespräch zum G-20 in Hamburg

NDR 90,3 - Thema der Woche -

2017 findet in Hamburg der G20-Gipfel statt. Schon jetzt debattiert die Stadt über Sinn und Unsinn. Auch die NDR 90,3 Redaktion ist sich da nicht einig - ein Streitgespräch.

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Jörn Straehler-Pohl: Auch der G20-Gipfel wird relativ teuer und Hunderte von Millionen Euro kosten. Wobei die Frage natürlich ist, was die Stadt davon zahlt.

Reinhard Postelt: Ich glaube, die größte Summe wird die Bundesregierung bezahlen. Fast alles sogar.

Jörn Straehler-Pohl: Den Preis, den wir als Bürger Hamburgs zahlen, ist verdammt hoch. Wir zahlen mit der Einschränkung der Bürgerrechte, mit Scharfschützen auf den Dächern und Einschränkungen des Demonstrationsrechts. Das halte ich für einen sehr hohen Preis unabhängig von den anderen Kosten.

Reinhard Postelt: In Hamburg gilt immer schon ein liberales Demonstrationsrecht. Das wird auch dieses Mal so sein, ich glaube sogar, dass der Senat die friedlichen Gegenveranstaltungen unterstützen wird.

"Hamburg verkommt zu einer Kulisse"

Jörn Straehler-Pohl: Trotzdem bleibt die Frage für mich: Warum braucht Hamburg diese Fernsehbilder? Wir haben den Kreuzfahrtboom, da kommen die Touristen für einen halben Tag in die Stadt und gehen wieder. Wir haben die Musicals und die Harley-Days, die haben letztendlich nichts mit der Stadt zu tun. Hamburg verkommt zu einer Kulisse, so ein bisschen Disneyland wird das hier.

Reinhard Postelt: Ich höre die Dauer-Nörgler natürlich auch schon, die jetzt sagen: Oh, beim Gipfel bleibt der Verkehr in der Stadt stehen. Mich erinnert das immer an diese Kleingeister, die im Schrebergarten sitzen und sagen: Da darf bloß kein Fremder vorbei kommen, sonst könnten die Rotkehlchen gestört werden und die Gartenzwerge kippen um.

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Gegner des Gipfels in Toronto haben 2010 mit einer friedlicher Sitzblockade protestiert. In Hamburg könnte das anders aussehen.

Jörn Straehler-Pohl: Nein, überhaupt nicht! Ich bin der Meinung, der Hamburger ist nicht so provinziell, wie Du ihn jetzt darstellst. Was wir hier in Hamburg brauchen, ist eine Stadtentwicklung und eine Kultur, die aus der Stadt selbst kommt. Ich erinnere an den Pudel-Club, der ja abgebrannt ist. Damit waren wir überregional in den Medien, mit so einem Graswurzel-Ding, das von unten und aus der Stadt gekommen ist.

Reinhard Postelt: Ich glaube nicht, dass wir mit dem Pudel-Club ins chinesische Fernsehen kommen.

Jörn Straehler-Pohl: Um es zugespitzt zu sagen: Ich wünsche mir lieber drei Pudel-Clubs für die Stadt und meinetwegen auch zwei Rote Floras. Ich wünsche mir eine bunte, lebendige und innovative Stadt, die stolz auf sich sein kann. Aber doch nicht mit so einem G20-Gipfel.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Thema der Woche | 20.02.2016 | 08:40 Uhr

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