Stand: 26.02.2016 15:43 Uhr

Fall Tayler: CDU fordert Rücktritte

Bild vergrößern
CDU-Fraktionschef André Trepoll fordert personelle Konsequenzen nach dem Tod Taylers.

Die Hamburger CDU-Bürgerschaftsfraktion verlangt nach dem gewaltsamen Tod des einjährigen Tayler personelle Konsequenzen bei den Behörden: Sozialstaatsrat Jan Pörksen und Bezirksamtsleiterin Liane Melzer (beide SPD) sollten zurücktreten, forderte CDU-Fraktionschef André Trepoll am Freitag.

"Kontroll- und Führungsrolle vernachlässigt"

Melzer als verantwortliche Bezirkschefin in Altona habe ihre Kontroll- und Führungsrolle im Jugendamt vernachlässigt, sagte Trepoll. Und Sozialstaatsrat Pörksen hätte in seiner Funktion durchsetzen müssen, dass in den Jugendämtern alle Vorschriften angewendet werden. Das sei gründlich misslungen, wie man am Fall Tayler feststellen könne, kritisierte der CDU-Fraktionschef.

Auch die Schonfrist für Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) sei abgelaufen: Sie gebe sich als Beobachterin, dabei stehe sie an der Spitze der Verantwortlichkeit, sagte Trepoll. Leonhard selbst hatte nach dem Tod Taylers die Arbeit des Jugendamts Altona mehrfach scharf kritisiert. Zuletzt sagte sie der "Bild"-Zeitung: "Offenbar haben manche ein Problem damit, neue Regeln für sich anzunehmen. Das muss sich ändern. Alle in der Jugendhilfe - vom Mitarbeiter bis zur Führungskraft - müssen dafür sorgen, dass Regeln bekannt sind und befolgt werden."

Sozialbehörde verteidigt Pörksen

Bild vergrößern
Zu wenig Durchsetzungsvermögen? Sozialstaatsrat Jan Pörksen soll nach Willen der CDU zurücktreten.

Marcel Schweitzer, Sprecher der Sozialbehörde, wies die Rücktrittsforderung gegen Pörksen zurück: Der Sozialstaatsrat setze sich seit Jahren für die bessere Arbeit der Jugendämter ein. An seinen Fähigkeiten bestünden keine Zweifel, somit gebe es keine Gründe für seinen Rücktritt, erklärte Schweitzer gegenüber NDR 90,3.

Der zwölf Monate alte Tayler war am 19. Dezember 2015 an einem mutmaßlichen Schütteltrauma gestorben. Er war am 12. Dezember ins Krankenhaus gebracht worden und sieben Tage später gestorben. Gegen die 23-jährige Mutter aus Altona-Nord und ihren Freund, der nicht Taylors Vater ist, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen eines Tötungsdelikts. Beide sind derzeit auf freiem Fuß. Bei der Prüfung des Falls durch die Jugendhilfeinspektion war herausgekommen, dass das Jugendamt und der private Träger Rauhes Haus bestehende Vorschriften nicht beachtet hatten.

Weitere Informationen

Fall Tayler: Neue Kritik an Jugendamt

Im Fall des gewaltsamen Todes des einjährigen Tayler ist auch im Jugendausschuss der Bürgerschaft Kritik am Jugendamt Altona laut geworden. Ist das Regelwerk zu kompliziert? (25.02.2016) mehr

mit Video

Fall Tayler: Schärfere Kontrollen angekündigt

Hamburgs Sozialsenatorin Leonhard hat den Prüfbericht zum gewaltsamen Tod des einjährigen Tayler vorgestellt. Sie fordert, dass Jugendamt-Mitarbeiter Vorschriften künftig strikt einhalten. (22.02.2016) mehr

Bericht zu Taylers Tod erst in einigen Wochen

Der Fall Tayler hat kurz vor Weihnachten für Entsetzen in Hamburg gesorgt. Nun befasst sich der Kinder- und Jugendausschuss der Bürgerschaft mit dem Tod des Einjährigen. (06.01.2016) mehr

mit Video

Tayler: Zeitpunkt der Tat ist weiter unklar

Wann genau wurde der kleine Tayler aus Hamburg so schwer misshandelt, dass er starb? Das ist weiter unklar. Der Einjährige war später im Krankenhaus schwersten Hirnverletzungen erlegen. (28.12.2015) mehr

Schütteltrauma: Lebensgefahr für Babys

Das Schütteltrauma ist die häufigste Misshandlung bei Säuglingen, die für etwa 100 bis 200 Babys pro Jahr allein in Deutschland tödliche Folgen hat. Täter sind oft die Eltern. (17.06.2014) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Hamburg Journal | 26.02.2016 | 15:00 Uhr