Stand: 05.06.2015 07:50 Uhr

Erzieher arbeiten heute wieder

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In den Hamburger Kitas soll die Betreuung von heute an wieder normal laufen.

Nach vier Wochen beenden die Gewerkschaften ihre Streiks in den kommunalen Kindertagesstätten. Die Tarifverhandlungen für Kita-Erzieher und Sozialarbeiter sind zwar gescheitert, aber Arbeitgeber und Gewerkschaften einigten sich am frühen Donnerstagmorgen nach stundenlangen Gesprächen auf eine Schlichtung. Damit greife eine Friedenspflicht, sagten die Verhandlungsführer Thomas Böhle und Frank Bsirske in Berlin.

Sonderregelung für Hamburg

Während die Erzieher in anderen Bundesländern erst ab Montag wieder normal arbeiten, wird der Kita-Streik in Hamburg schon heute ausgesetzt - die Kitas öffnen wie üblich. Diese Sonderregelung hat die Gewerkschaft ver.di für Hamburg bei allen bestreikten Trägern angekündigt, wie NDR 90,3 berichtete. Ver.di hatte sich um eine Sonderregelung für Hamburg bemüht, um den bereits vorbereiteten Notdienstplan in den Kitas der Elbkinder zu umgehen. Den organisatorischen Aufwand für einen einzigen Tag könne man sich so sparen, sagte Hilke Stein von ver.di Hamburg.

Erleichterung bei Eltern

Die Beschäftigten in Hamburg hätten in den letzten Wochen ein sehr klares Signal für die Aufwertung ihrer Arbeit gesetzt. Mit der Schlichtung trete man aber in eine neue Phase ein. Über diese Entwicklung zeigte sich die Leitung der Elbkinder, des größten städtischen Kita-Trägers, sehr erfreut. Man sei erleichtert, denn der Streik sei für viele Familien nicht mehr tragbar gewesen, heißt es. Es werde aber eine Zeit dauern bis die Folgen dieses langen Streiks beseitigt seien und wieder normaler pädagogischer Alltag herrsche. Auch der Hamburger Landeselternausschuss (LEA) reagierte erleichtert. Das sei eine pragmatische Entscheidung zugunsten der Kinder und deren Eltern. "Hamburgs Eltern sind froh und erleichtert", sagte Vorstandsmitglied Björn Staschen. Der Streik habe viele von ihnen an den Rand der Belastbarkeit gebracht. Eine für Donnerstag geplante Demonstration gegen den Streik sagte der LEA bereits am Morgen ab.

Kein Durchbruch in den Verhandlungen

Am 21. April waren die Tarifverhandlungen abgebrochen worden, seit dem 8. Mai wurde gestreikt. Verdi-Chef Bsirske warf den Arbeitgebern nach der jüngsten Verhandlung vor, nicht zur Aufwertung des ganzen Berufsfeldes mit seinen rund 240 000 Beschäftigten in den Kommunen bereit gewesen zu sein. Für alle Betroffenen hatten die Gewerkschaften mehr Geld herausholen wollen - auch für Sozialpädagogen und Sozialarbeiter. Im Durchschnitt hätten die Forderungen eine Erhöhung um zehn Prozent bedeutet. "Es ist nicht gelungen, weil die Arbeitgeberseite an diesen Stellen mauert", sagte Bsirske. VKA-Präsident Böhle entgegnete: "Die Arbeitgeber haben in allen Berufsfeldern Verbesserungen vorgeschlagen." Doch die Forderungen der Gewerkschaften seien einfach zu hoch gewesen. "Zu pauschalen Erhöhungen waren wir nicht bereit."

Schmalstieg soll schlichten

Für die Gewerkschaften soll nun der ehemalige Oberbürgermeister von Hannover, Herbert Schmalstieg, schlichten. Der Schlichter der Arbeitgeber stehe noch nicht fest, werde aber zügig benannt, kündigte Böhle an. Wie lange die Schlichtung dauert, ist nicht festgelegt.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.06.2015 | 15:00 Uhr