Stand: 10.01.2016 00:00 Uhr

Bassam Hourani freut sich über seinen neuen Job

Dass die Norddeutschen in der Regel Flüchtlingen gegenüber eher aufgeschlossen sind, haben sie in den vergangenen Monaten immer wieder gezeigt: Sie haben Kleidung gespendet, Abendessen gekocht, sich gemeinsame Sportaktivitäten ausgedacht. Aber einen Job vermittelt? Das kommt wohl nur sehr selten vor. Dem Syrer Bassam Hourani ist das aber passiert - auch dank eines NDR Info Berichts.

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Bassam Hourani aus Syrien arbeitet bei Kontor Records in Hamburg als Hausmeister-Assistent.

Blick auf die Elbe, coole Musik, viele junge Leute und dazwischen Bassam Hourani. Der 55-jährige Syrer hat seit zwei Monaten einen Job bei dem Hamburger Plattenlabel Kontor Records. Eingestellt hat ihn Firmenchef Jens Thele, nachdem er auf NDR Info einen Beitrag der Reporterin Kathrin Erdmann gehört hatte: "Da fiel mir Bassam Hourani sofort auf, weil er sehr empathisch und intelligent rüberkam. Ich konnte einfach nicht glauben, dass bei der Aktion von der Bundesagentur für Arbeit, bei mehr als 100 Teilnehmern, nicht ein einziger in Arbeit gebracht worden ist."

Kontakt mit den Kollegen schult Deutschkenntnisse

Insgesamt 160 Flüchtlinge hatten an dem Modellprojekt der Bundesagentur und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge teilgenommen. Schon während des laufenden Asylverfahrens erhielten alle zwar Deutschkurse, bei der Suche nach Arbeit waren sie jedoch auf sich allein gestellt. Familienvater Bassam Hourani hatte in Syrien bei der Ölfirma Shell als Arabisch-Englisch-Übersetzer gearbeitet und sich um die Logistik für ausländische Mitarbeiter gekümmert. Seine jetzige Arbeit bei dem Musiklabel beschreibt er so: "Ich arbeite im Augenblick als Hausmeister-Assistent mit meinem Chef. Ich tausche zum Beispiel die Lampen aus, schreddere altes Papier ..."

Seinen Deutschkurs hat Hourani vorerst auf Eis gelegt - aus gutem Grund: "Ich habe hier viel Kontakt mit Menschen, das ist besser als einen Deutschkurs zu machen."

"Wir haben nur die Tür aufgemacht"

Was dem Vater von fünf Kindern besonders wichtig war: nicht mehr auf staatliche Hilfe angewiesen zu sein. Das hat er fast geschafft. Neben dem Kindergeld erhalte er nur noch 200 Euro im Monat vom Jobcenter, freut er sich: "Ich bin glücklich und froh, dass ich eine Rolle in der Gesellschaft spiele. Und ich bleibe nicht mehr zu Hause, wo ich nur faul bin, esse und schlafe. Das ist zum Sterben langweilig."

Noch ist Hourani in der Probezeit, aber schon jetzt sieht es so aus, dass er diese locker besteht, sagt sein Chef Jens Thele: "Wie ich das mitkriege, kommt Bassam Hourani extrem gut an. Das freut mich sehr für ihn. Ich habe nur die Tür aufgemacht, den Hauptjob hat Herr Hourani selber gemacht, indem er sich hier sehr gut vorgestellt hat und jetzt hier schon sehr schnell ein sehr geschätzter Mitarbeiter geworden ist."

Das Problem mit dem Dancefloor ...

Dabei vertraute der Firmenchef auf seine Menschenkenntnis, nicht auf die Zeugnisse - das ist auch besser so, denn die sind immer noch nicht anerkannt. Damit Hourani irgendwann wieder als Übersetzer arbeiten kann, müsste er erst ein weiteres Sprachzertifikat ablegen. Aber daran denkt der 55-Jährige derzeit nicht. Er freut sich erstmal über den jetzigen Job - auch wenn er manches Mal kämpfen muss: "Wenn jemand zum Beispiel schnell und undeutlich spricht, dann verstehe ich nicht immer alles. Aber Schritt für Schritt ..."

Und dann wäre da noch etwas anderes: Dancefloor, wie er bei Kontor Records oft zu hören ist, ist nicht so Houranis Fall. Er mag es eher ruhig - zum Beispiel mit Country-Musik.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 11.01.2016 | 06:50 Uhr