Stand: 27.09.2016 17:05 Uhr

Jubiläumskonzert der Hamburger Camerata

von Daniel Kaiser
Mit Werken von Haydn und Carl Philipp Emanuel Bach erinnerte das Hamburger Kammerorchester Camerata an seine Anfänge vor 30 Jahren.

Mit einem Festkonzert in der Laeiszhalle hat die Hamburger Camerata ihren 30. Geburtstag gefeiert. Das Kammerorchester hat turbulente Jahre hinter sich. Zum Jubiläum gab es eine Uraufführung des Hamburger Jazz-Komponisten Wolf Kerschek.

Knallbuntes Geburtstagsständchen

Es war ein knallbuntes Geburtstagsständchen: Wolf Kerscheks Liebeserklärung ans Blech, "The Trumpets Shall Sound", mit dem Hamburger Professor Matthias Höfs als Solist und seiner Trompetenklasse, die mal vom zweiten Rang und mal vom Bühnenrand aus das Publikum beschallte. Effektvoll inszenierte Kerschek Klänge zwischen Jazz, Rock und Filmmusik. Da war viel fürs Herz dabei. Mit Werken von Haydn und Carl Philipp Emanuel Bach hat das Kammerorchester dann an seine Anfänge vor 30 Jahren erinnert. Damals hatten sich die Musiker im Umfeld der Hamburger Hauptkirche St. Nikolai und ihrer Konzerte zusammengefunden.

 "Viele schwere Stunden!"

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Seit Jahren engagiert sich der Adels- und Konzert-Experte des NDR, Rolf Seelmann-Eggebert, im Kuratorium des Orchesters.

Rolf Seelmann-Eggebert steht auf der Bühne und dirigiert das Publikum. Die Zuschauer singen den dreistimmigen Geburtstagskanon "Viel Glück und viel Segen auf all Deinen Wegen!" Das Publikum ist textsicher und gut bei Stimme. Hier sitzt das gebildete Hamburger Bürgertum. Nicht wenige Zuschauer sind jünger als das Orchester. Rolf Seelmann-Eggebert ist ein Camerata-Weggefährte. Seit Jahren engagiert sich der Adels- und Konzert-Experte des NDR im Kuratorium des Orchesters. "Ich habe schon viele schwere Stunden mit den Finanzen hinter mir", seufzt er und spielt auf die existenzielle Krise an, nachdem vor einem Jahr ein wichtiger Sponsor abgesprungen war. "Aber es gab auch viele schöne Stunden in den Konzerten." In einem von Mäzenen abhängigen Orchester gebe es eben immer ein Auf und Ab. "Im Augenblick habe ich den Eindruck, dass wir uns auf einem aufsteigenden Ast befinden", lacht Seelmann-Eggebert.

Ein bisschen wie der HSV

Einmal ist man dann doch ein bisschen zusammengezuckt, als nämlich in den fröhlichen Festreden plötzlich davon die Rede war, dass man als Orchester künftig auch international eine Rolle spielen wolle. Das klang dann doch ein bisschen wie beim HSV: Gerade noch dem Tod von der Schippe gesprungen und trotzdem wie selbstverständlich Europa im Blick - als gebe es in Hamburg neben der Elbphilharmonie künftig sonst nichts zu tun.

Glückliche Abonnenten

Mozarts "Figaro"-Ouvertüre, ein ergreifender Sibelius ("Valse triste") und ein transsylvanischer Tanz von Sandòr Veress mit auf den Boden stampfenden Streichern gab es als Zugabe. Man spürt: Unter dem Chefdirigenten Simon Gaudenz hat die Camerata an Stil, Lust und Raffinesse gewonnen. Nach dem Konzert schaute man einem beglückten Abonnentenstamm ins Gesicht.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 27.09.2016 | 19:00 Uhr

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