Stand: 08.04.2017 06:00 Uhr

"Ich habe einen Vogel" - Ausstellung in Cismar

von Nadine Dietrich

"Ich habe einen Vogel" - so heißt die neue Ausstellung im Kloster Cismar nahe Grömitz. Zu sehen sind Bilder des Künstlers Albert Christoph Reck. Er bezeichnete sich selbst immer als Grenzgänger - und das stimmt wohl auch. 1922 in Oberschlesien geboren, ließ er sich als junger Mann zum Seemann ausbilden. Nach dem Krieg studierte er in Hamburg Kunst - und segelte nach Afrika. Er verliebte sich in Land und Leute im Königreich Swaziland und ließ sich dort nieder. Seit 2003 lebt Albert Christoph Reck wieder in Norddeutschland - und malt hochbetagt weiter farbenprächtige Bilder.

Schwungvoll, abstrakt und farbenfroh

"Der erste Blick ist ein sehr bunter. Was man sieht, ist wilde Natur. Man sieht Vögel, viele Menschen, viele Gesichter, viele Porträts", sagt Kurator Christian Walda und lässt den Blick durch die großen Räume des Klosters Cismar schweifen. Schwungvoll, abstrakt, farbenfroh sind die Bilder des heute 95 Jahre alten Malers Albert Christoph Reck. Neben dem Kurator steht Genoveva Reck-Thomas. Sie zieht es zu den Tanzbildern ihres Vaters, denn zu diesen hat sie eine besondere Beziehung. "Weil ich auch selber tanze", sagt sie. "Ich tanze dazu, weil für mich Bild, Klang und Tanz von Kind auf miteinander verbunden sind - durch die Einflüsse meines Vaters. Immer draußen zu spielen, das hat die Bewegung und die Fantasie angeregt. Dazu gehörten auch die rituellen Tänze."

Wild, bunt und voller Bewegung

Einfluss von Zulu und Swasi

In ihren traditionellen Tänzen verkleiden sich die Zulu und Swazi in Südafrika als Tiere, sie ahmen deren Stimmen und Bewegungen nach. Genoveva Reck-Thomas betrachtet ein Bild mit dem Titel "Choreographie eines Eingeborenentanzes": in hellem Blau, kräftigem Rot und Gelb sind abstrakte Wesen dargestellt: halb Mensch, halb Rabenvogel. "Da sieht man ganz schön die Leichtigkeit", sagt sie. "Die Vögel tanzen, ein Mensch bewegt sich mit den Vögeln. Dann kriecht da einen Fuchs herum - und alles verbindet sich miteinander. Die Fläche wird zum Raum, wird zum Tanz, zum Ton."

"Meine Eltern haben mit einer Weberei quasi Geschichte gemacht"

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Am 6. Juli wird die Tochter des Künstlers, Genoveva Reck-Thomas, zu den von Afrika inspirierten Bildern tanzen.

Genoveva Reck-Thomas war zwei Jahre alt, als ihr Vater 1976 ein Segelboot baute und mit der Familie von Schleswig-Holstein nach Südafrika reiste. Die Familie blieb 30 Jahre lang im Königreich Swasiland im südlichen Afrika. Reck malte - und baute mit seiner Frau Marie-Louise eine Handweberei auf. Einige der dort entstandenen Teppiche sind auch im Kloster Cismar zu sehen: mal mit Tieren, die Reck den Felszeichnungen des San-Volkes nachahmte, mal mit einem verschlungenen Paar, das an die abstrakte Kunst Max Beckmanns erinnert. "Meine Eltern haben mit dieser Weberei quasi Geschichte gemacht", erzählt Genoveva Reck-Thomas. "Swasiland war ganz stolz darauf, dass diese Webkunst weitergetragen wurde. Aus dem Flechten der Körbe und Matten wurden Designs genommen, die auch etwas mit ihrer Geschichte zu tun hatten. Meine Mutter hat viele Frauen angelernt, die das gesamte Handwerk des Webens erlernt haben: das Färben, das Spinnen, das Kennenlernen der verschiedenen Materialien wie etwa die Wolle von besonderen Ziegen und Schafen, die auch vor Ort gezüchtet wurden."

"Eindeutig von Afrika inspiriert"

2003 kehrt Albert Christoph Reck aus Afrika zurück nach Henstedt-Ulzburg, nördlich von Hamburg. Bis heute malt er, großformatig und farbenprächtig, mit Bunt- und Filzstiften, mit Acryl und Öl. 70 Bilder von Albert Christoph Reck sind im Kloster Cismar zu sehen. Sie erinnern an die großen Expressionisten Picasso, Beckmann und Miro. "Aber seit der Zeit, in der er in Afrika war, gewinnt dieses Werk eine ganz eigene Kontur", erklärt Kurator Walda. "Man merkte, dass diese Kanten-Formen, diese Tanz-Formen, diese ganzen Bewegungen ganz eindeutig von Afrika inspiriert wurden. Das haben die anderen Künstler nicht aufzuweisen."

"Ich habe einen Vogel" - Ausstellung in Cismar

Das Kloster Cismar zeigt die prächtigen Bilder des in Hamburg geborenen Albert Christoph Reck. Die Werke erinnern an Picasso, Beckmann und Miro - haben aber eine ganz eigene Handschrift.

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Hinweis:
Am 6. Juli wird die Tochter des Künstlers Genoveva Reck-Thomas zu den afrikanisch-inspirierten Bildern tanzen.
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