Stand: 14.03.2016 15:26 Uhr

In Schmuck gefasste Emotionen

von Ruth Asseyer

Schmuck ist mehr als nur schönes Dekor. Ketten und Ringe können Liebe und Freundschaft symbolisieren oder Macht und Status repräsentieren, Edelsteine haben heilende Kräfte, Amulette und Gemmen dienen der Abwehr von Unheil, kurzum: Schmuck besitzt magische Kräfte. Das Museum für Kunst und Gewerbe hat jetzt einen eigenen Schmuckraum eingerichtet und zeigt dort zur Eröffnung Arbeiten von Wolfgang Skoluda, einem der bedeutendsten Schmuckmacher Hamburgs, eine nachträgliche Ehrung zu seinem 80. Geburtstag 2015.

Betörende Eleganz

Die erste Kette war für Anna. Da war Wolfgang Skoluda 24 Jahre alt und studierte Malerei an der Hochschule bildende Künste. Einen schönen Körperschmuck für die Taille seiner Freundin suchte er in Hamburgs Läden - aber so etwas gab es nicht: "Und dann bin ich wütend an die Elbe gegangen und habe den Fuß durch den Sand gezogen und dann flogen Glasscherben hoch. Da hab ich gedacht, das wäre doch was. Und dann habe ich die Münzen, die meine Großmutter in einer Socke gesammelt hatte, platt gehämmert und habe die da herumgewickelt."

Verwandte Handwerke

Vorher schnitt er die grünlich schimmernden Glasscherben zu Rechtecken. Weil er noch keinen Verschluss herstellen konnte, wurde sein erstes Stück dann keine Taillen-, sondern eine Halskette: "Ungefähr nach acht Jahren war ich zum ersten Mal in einer Goldschmiedewerkstatt und war völlig verdattert, was man alles braucht, um Schmuck zu machen. Ich war bis dahin mit sehr einfachen Mitteln ausgekommen."

Mit Hammer, verschiedenen Zangen, Feilen und Sägen formte Wolfgang Skoluda aus Silberdraht verschiedene kleine Spiralen oder Vierecke und fügte sie zu Ketten und Armbändern zusammen. Die Goldschmiede rätselten, wie ihm, ohne zu löten, die Ringe gelangen: "Ich komme vom Schneidern, das war mein Beruf, und man merkt bald, dass Faden und Stoff mit Blech und Draht etwas Verwandtes haben. Es sind nur vollkommen verschiedene Wege, die man gehen muss. Aber es ist was Verwandtes."

Mittlerweile hat der Autodidakt auch das Löten gelernt und arbeitet mit kostbarem Gold und Edelsteinen wie Karneol, Jaspis oder Saphir. Funkelnde Brillanten langweilen ihn: "Wenn mir jemand sagt, ach, ich hätte so gern was mit einem Diamanten, würde ich sofort sagen: Ein Rohdiamant, das ist ein Oktaeder, der ist vielleicht toll."

Neufassen und gestalten

Bei Kunsthändlern oder auf den Auktionen findet Wolfgang Skoluda antike Gemmen, Kameen und Amulette. Das sind etwa 2.000 Jahre alte Edelsteine, in die Göttergestalten oder Tiere geschnitzt sind und in die sogar mythische Texte eingeritzt wurden. Viele sind beschädigt: Der Künstler fasst sie neu ein und gestaltet daraus opulente Ketten-Anhänger. "Wir sind in Hamburg ausgebombt, ich kenne das, was kaputt ist, und deshalb ist bei mir ein ganz tiefes Bedürfnis da, was Beschädigtes zu heilen."

Man weiß, was man will

Auch große Federn hat Wolfgang Skoluda in Gold gefasst. Sie stammen aus Neu-Guinea, ein Land, das ihn fasziniert, weil sich dort jeder seinen Schmuck selbst herstellt: "Alle Leute, die da leben und sich was machen, haben die gleiche Haltung wie ich: Man macht sich was selber, man weiß, was man will und man kann es am besten - auch wenn man es nicht kann."

Dass er es kann, beweist die Ausstellung. Seit mehr als 50 Jahren macht Wolfgang Skoluda Schmuck von betörender Eleganz mit prächtigem, üppigem Gold, magischen Edelsteinen und geheimnisvollen Sinnsprüchen aus antiker Zeit - und er wird es weiterhin tun: "Ich hänge mit meinen Arbeiten an Frauen, schöner geht es ja wohl nicht, oder?" meint er lachend.

Die Schmuckstücke von Wolfgang Skoluda sind noch bis zum 29. Mai im Museum für Kunst und Gewerbe zusehen.

Weitere Ausstellungen im Museum

Hochkultur Islam

09.04.2015 19:02 Uhr

Die Neuordnung der Islamischen Sammlung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe widerlegt Vorurteile und setzt das fortschrittliche Erbe der islamischen Kunst dagegen. mehr

 

In Schmuck gefasste Emotionen

Das MKG Hamburg hat jetzt einen Schmuck-Raum eingerichtet. Zur Eröffnung werden Arbeiten von Wolfgang Skoluda gezeigt, einem der bedeutendsten Schmuckmacher Hamburgs.

Datum:
Ende:
Ort:
Museum für Kunst und Gewerbe
Steintorplatz
20099   Hamburg
Telefon:
+49 (0)40 428134-880
Preis:
12 Euro, ermäßigt 8 Euro, Do ab 17 Uhr: 8 Euro, bis 17 Jahre frei
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10-18 Uhr
Donnerstag: 10-21 Uhr
Donnerstag an oder vor Feiertagen: 10-18 Uhr
In meinen Kalender eintragen

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 14.03.2016 | 19:02 Uhr